Österreichs Online-Glücksspielmonopol soll fallen: Neue Regeln & ambitionierte Reformationspläne

Eine der größten Änderungen des österreichischen Glücksspielrechts seit Jahren könnte bevorstehen. Die Öffnung des heimischen Online-Markts für mehrere konzessionierte Anbieter ist geplant und nebenher sollen zudem Kontrollmechanismen und der Spielerschutz auf ein neues Niveau angehoben werden. Bis jetzt gilt für 2026 allerdings weiterhin das altbekannte System, denn die Regierungsvorlage befindet sich derzeit noch im parlamentarischen Verfahren. Die EU-Stillhaltefrist läuft noch bis zum 5. November dieses Jahres.

Das Online-Glücksspiel in Österreich läuft bisher zu großen Teilen über ein sehr enges Konzessionsmodell. Die Österreichischen Lotterien halten derzeit die Lizenz für elektronische Lotterien. Außerdem betreiben sie mit win2day das entsprechende legale Online-Angebot. Bis Ende September 2027 läuft das bestehende Modell noch weiter.

Jetzt könnte sich das aber ändern, denn es ist eine Reform geplant. Die Regierungsvorlage sieht künftig ein offenes Konzessionsverfahren vor, über das mehrere Unternehmen eine österreichische Online-Glücksspiellizenz erhalten könnten. Einige politische und rechtliche Schritte sind bis dahin aber noch nötig.

ÖVP, SPÖ & NEOS einigten sich bereits Ende Juni

Spielerschutz und eine neue Struktur bei den Online-Lizenzen gehörten von Beginn an zu den zentralen Punkten. Ende Juni startete dazu die Begutachtung des neuen Glücksspielgesetzes.

Der nächste Schritt kam dann Anfang August: Österreich schickte den Entwurf zur vorgeschriebenen Notifizierung nach Brüssel. Aber wirklich beschlossen war zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Mit der geplanten Öffnung des Marktes rückt auch die Frage stärker in den Fokus, was hinter einem Online-Angebot eigentlich steckt. Welche Lizenz liegt vor, welche Zahlungswege werden angeboten und wie ist der Spielerschutz geregelt? Auf Online-Vergleichsportalen wie Casino.org können Erwachsene sich informieren und unter anderem Bewertungen von Online-Casinos, Angaben zu Zahlungsmethoden und Bonusbedingungen sowie Hinweise für Österreich einsehen.

Damit ist aber noch längst nicht besiegelt, dass Anbieter später auch eine österreichische Konzession erhalten.

Wer schlussendlich tatsächlich zugelassen wird, entscheidet erst das weitere Verfahren.

Mehr Anbieter, strengere Regeln & ein wachsender Online-Markt

Das bisherige Online-Modell soll nach dem Entwurf deutlich offener werden. Statt nur einer einzigen Konzession könnten künftig mehrere Unternehmen eine österreichische Lizenz erhalten. Lockerer wird der Markt dadurch aber nicht unbedingt. Mit der Öffnung sollen gleichzeitig neue Regeln kommen.

Das Bundesministerium für Finanzen plant unter anderem ein gemeinsames Sperrregister, das nicht mehr nur für einen einzelnen Anbieter oder eine bestimmte Spielart gelten soll.

Hinzu kommen zentrale Einzahlungslimits beim Online-Glücksspiel. Für Personen zwischen 18 und 26 Jahren sind dabei niedrigere Grenzen vorgesehen.

Die Kontrolle des Marktes ist ein weiterer Punkt.

Ein digitales Aufsichtssystem soll den Behörden künftig einen besseren Überblick dazu verschaffen, was bei den konzessionierten Online-Angeboten in Wirklichkeit passiert. Transparenz ist hier das Stichwort.

Das geplante Sperrregister wäre zudem eine wirklich bedeutende Änderung.

Selbstsperren und Sperren durch Betreiber sollen künftig zentral erfasst werden und für Casino-, Automaten- und Online-Glücksspiel gelten. Sie sollen über mehrere Anbieter und Bereiche des Glücksspiels hinweg reichen.

Die Reform dreht sich nicht nur um zusätzliche Lizenzen, denn wer künftig am österreichischen Online-Markt teilnehmen möchte, müsste auch sehr viel mehr Vorgaben bei der Technik und dem Spielerschutz einhalten.

Gleichzeitig sollen die zuständigen Behörden einen deutlich besseren Überblick über Einzahlungen, Sperren und das Marktgeschehen bekommen.

Österreichs Glücksspielmarkt ist längst ein Milliardenmarkt

Nach vorläufigen Zahlen für 2025 kamen Glücksspiel und Sportwetten in Österreich zusammen auf Bruttospiel- und Wetterträge von rund 2,48 Mrd. €. Das waren 4,3 % mehr als im Jahr davor.

Der Online-Bereich konnte sogar noch mehr zulegen.

Aktuelle Marktdaten zum österreichischen Glücksspiel weisen für 2025 einen Bruttospielertrag von 551 Mio. € aus. Gegenüber 2024 entspricht das einem Plus von 11,2 %. Ausgerechnet der Teil des Marktes, der besonders kräftig wächst, steht nun also vor dem größten Umbau.

Wer künftig eine Konzession bekommt, ist nicht der einzige Faktor für Anbieter. Ebenso wichtig wird sein, welche Regeln diese Anbieter erfüllen müssen und wie sehr der Staat den digitalen Markt tatsächlich kontrollieren kann.

Druck auf das illegale Angebot soll erhöht werden

Wer keine österreichische Zulassung vorweisen kann, soll es künftig deutlich schwerer haben.

Vorgesehen sind unter anderem technische Verfahren wie das Payment Blocking, Blacklisting und Netzsperren. So kann man Zahlungen an bestimmte Anbieter oder den Zugriff auf entsprechende Webseiten erschweren.

Für Unternehmen der Glücksspielbranche, die später doch eine österreichische Konzession beantragen wollen, gelten ebenfalls klare Vorgaben.

Wer bis zum heutigen Tag ohne Zulassung aktiv war, soll sein Angebot ab dem 1. Jänner 2027 einstellen müssen. Wenn sich ein Anbieter nicht daran halten sollte, drohen ihm Sperrfristen bei einer späteren Konzession.

Auch offene Abgabenschulden oder bestimmte Forderungen aus Spielerschutzklagen könnten einer Zulassung im Weg stehen.

Der 5. November 2026 ist jetzt der nächste wichtige Stichtag. Die EU-Stillhaltefrist im TRIS-Verfahren läuft noch bis zu diesem Datum.

Erst danach kann sich zeigen, wie viel vom derzeitigen Entwurf tatsächlich im Gesetz landet und wie schnell die neue Struktur umgesetzt wird.

Wirklich klar ist bislang nur die Richtung: Der Markt soll geöffnet werden, aber unter deutlich engeren Regeln als bisher.

Wie viele Anbieter am Ende tatsächlich eine Konzession erhalten und wann die neuen Kontrollinstrumente greifen, bleibt vorerst offen.