WKÖ-Schultz vor EU-Kanada-Gipfel: Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern ausbauen

CETA bringt klare Vorteile für Österreichs Exportwirtschaft – Vollständige Ratifizierung muss rasch folgen – Assoziierte Mitgliedschaft Kanadas interessantes Signal

Vor dem EU-Kanada-Gipfel in Montreal spricht sich die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) für einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Kanada aus. Die WKÖ bewertet auch den jüngsten Vorstoß der Europäischen Kommission für eine engere Anbindung Kanadas an die Europäische Union in Form einer assoziierten Mitgliedschaft positiv. Entscheidend wird die konkrete Ausgestaltung eines solchen Modells sein.

„Steigende Zölle, Handelskonflikte und geopolitische Unsicherheit machen verlässliche Partnerschaften wichtiger denn je. Kanada ist für Europa ein wichtiger Partner, mit dem wir die wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter vertiefen sollten“, betont WKÖ-Präsidentin Martha Schultz.

KNAPP EINE MILLIARDE EURO HANDELSBILANZÜBERSCHUSS

Wie stark beide Seiten von engeren Wirtschaftsbeziehungen profitieren können, zeigt das Handelsabkommen CETA, das seit 21. September 2017 vorläufig angewendet wird. Österreich konnte seine Warenexporte nach Kanada seit 2018 um mehr als 35 Prozent auf zuletzt rund 1,7 Milliarden Euro steigern. Der österreichische Handelsbilanzüberschuss lag 2025 bei knapp einer Milliarde Euro. Diese Entwicklung setzte sich fort: Im ersten Halbjahr 2026 legten die österreichischen Warenausfuhren nach Kanada um mehr als elf Prozent zu.

„CETA zeigt in der Praxis, was Handelsabkommen leisten können: Sie bauen Hürden ab, verbessern die Rahmenbedingungen und erleichtern Unternehmen den Zugang zu Märkten. Davon profitieren gerade kleine und mittlere Unternehmen, für die Rechtssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen entscheidend sind, wenn sie den Schritt auf weiter entfernte Märkte wagen“, sagt Schultz.

Aus Sicht der WKÖ sprechen die bisherigen Erfahrungen daher auch für eine vollständige Ratifizierung von CETA. Österreich hat das Abkommen bereits 2019 ratifiziert. Insgesamt haben 17 der 27 EU-Mitgliedstaaten ihre nationalen Verfahren abgeschlossen. Nun sollten auch die verbleibenden zehn Mitgliedstaaten rasch folgen, damit der langjährige Ratifikationsprozess EU-weit endgültig abgeschlossen und die bisherige vorläufige Anwendung von CETA durch die vollständige und dauerhafte Geltung des Abkommens abgelöst werden kann.

CHANCEN FÜR ÖSTERREICHISCHE UNTERNEHMEN

Kanada bietet österreichischen Unternehmen als zweitgrößtes Land der Welt einen großen, kaufkräftigen und technologisch anspruchsvollen Markt. Österreich exportiert unter anderem Maschinen und Fahrzeuge, Metallwaren, pharmazeutische Produkte, Holz- und Forstprodukte sowie Konsumgüter nach Kanada. Weitere Geschäftsmöglichkeiten gibt es etwa in den Bereichen erneuerbare Energien, Industrie, Automatisierung und Infrastruktur.

Rund 170 Niederlassungen österreichischer Unternehmen sind bereits in Kanada aktiv. Unterstützung erhalten heimische Betriebe vor Ort durch das AußenwirtschaftsCenter Toronto der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA. „Wir öffnen Türen, bringen österreichische Unternehmen mit Geschäftspartnern zusammen und unterstützen sie dabei, Chancen in Kanada konkret zu nutzen“, erklärt WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Toronto, Gregor Postl. (PWK/ST)

Den aktuellen Wirtschaftsbericht der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA zu Kanada finden Sie unter: https://www.wko.at/oe/aussenwirtschaft/kanada-wirtschaftsbericht.pdf

ÜBERSICHT: DAS HAT CETA FÜR ÖSTERREICHS EXPORTWIRTSCHAFT GEBRACHT

* 35 % EXPORTPLUS: Zwischen 2016 und 2025 stiegen die österreichischen Warenexporte nach Kanada um mehr als 35 Prozent. Die österreichischen Gesamtexporte legten im selben Zeitraum um 26 Prozent zu.
* 11 % HÖHERER HANDELSBILANZÜBERSCHUSS: Österreichs Handelsbilanzüberschuss mit Kanada stieg von 886 Millionen auf 981 Millionen Euro.
* KRÄFTIGE ZUWÄCHSE IN WICHTIGEN BRANCHEN: Besonders stark stiegen die Exporte von Maschinen (+38 %), Elektrotechnik (+64 %), Pharmazeutika (+96 %), Mess- und Prüfinstrumenten (+75 %) sowie Getränken (+341 %).
* AUCH IM AGRAR- UND LEBENSMITTELBEREICH ZEIGT SICH EINE POSITIVE ENTWICKLUNG FÜR ÖSTERREICH: Zwischen 2018 und 2025 haben sich die österreichischen Exporte nach Kanada von rund 22 auf über 70 Mio. Euro mehr als verdreifacht (+219 %), während die Importe von 14 auf 25 Mio. Euro (+81 %) stiegen. Der österreichische Handelsbilanzüberschuss im Agrarbereich erhöhte sich dadurch von rund 8 auf knapp 45 Mio. Euro.
* WENIGER ZÖLLE, BESSERE MARKTCHANCEN: CETA beseitigte unter anderem kanadische Einfuhrzölle auf Maschinen und Elektrotechnik (bis zu 9,5 %), Messinstrumente (bis zu 8 %) und alkoholfreie Getränke (11 %).

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