
28. Journalistinnenkongress: „Der Kampf um Aufmerksamkeit – Sind wir abhängig von Tech Bros?“
Medienfrauen fordern europäische Alternativen und Kompetenzbewusstsein
Das zweite Panel des Tages hatte das Thema _„_Der Kampf um Aufmerksamkeit – Sind wir abhängig von Tech Bros? Bewusstsein für unser Kommunikationsverhalten schaffen“. Moderiert von Barbara Haas (Kleine Zeitung), diskutierten Gundula Geiginger von Puls 4, die stellvertretende Vorsitzende der Regulierungsbehörde KommAustria Susanne Lackner und die Juristin Anna Zeiter, Professorin für europäisches Datenschutzrecht, die die Plattform „WSocial“ als Alternative zu Elon Musks „X“ gegründet hat.
Gleich zu Beginn erinnerte Barbara Haas, dass fast die Hälfte der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren Nachrichten über soziale Netzwerken konsumieren. Weil sie „unsere Aufmerksamkeit absaugen“, hat die Politik das Suchtpotenzial der Plattformen erkannt und wollte dem mit dem Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige einen Riegel vorschieben. Die Europäische Union hat das nun aber mit dem Ziel einer gesamteuropäischen Lösung vorläufig auf Eis gelegt. Diese Verzögerung kritisiert Lackner vor allem deshalb, weil Frauen von digitaler Verfolgung und Shitstorms mehr betroffen sind als Männer.
NEUE SOCIAL-MEDIA-ENERGIE IN EUROPA
Dem entgegenwirken möchte Zeiter ab Jänner 2027 mit dem eigenen europäischen Social- Media-Angebot „WSocial“. „Europa braucht eine eigene Plattform, auf der echte Menschen kommunizieren und Nachrichten wieder Platz haben”, sagt sie. Lackner kritisierte, dass amerikanische Plattformen sich nicht an europäische Regeln wie die Datenschutzgrundverordnung und den Digital Services Act halten. Daher seien „Strafen die einzige Sprache”. Jedoch müsse sich die EU auch trauen, das Recht wirklich durchzusetzen.
DIE FLUT AN INFORMATION EINORDNEN
Geiginger setzt sich bei Puls 4 vor allem für Medienkompetenz ein, weil sie das als Basis für eine funktionierende Demokratie sieht. Medienhäuser sollten Creator:innen und Influencer:innen nicht kopieren, aber genauso wie sie schnell agieren, persönliche Beziehungen aufbauen und die direkte Ansprache nutzen. Haas pflichtete ihr bei und erwähnte das Potenzial im Live-Journalismus, wobei Podcasts direkt vor Publikum produziert werden.
Abschließend unterstrich Lackner, dass man europäische Wege nutzen solle und Regulierung dabei wichtig bleibe. Auch Zeiter bekräftigte, dass man innovativ sein könne, während man das Recht einhalte. Ob auf neuen oder alten Plattformen, in europäischen oder amerikanischen Medien: Wichtig bleibt laut Geiginger, dass guter Journalismus das liefert, was gesehen und gelesen werden will.
Österreichischer Journalistinnenkongress
Dr.in Ulrike Schöflinger
e: presse@journalistinnenkongress.at
i: www.journalistinnenkongress.at
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