
Umfrage: Kein gutes Zeugnis für neues Regelwerk für heimische Wertpapierunternehmen
Mitgliederbefragung des WKÖ-Fachverbandes: Mehrheit der österreichischen Finanzdienstleister kritisieren neue Richtlinie MiFID II knapp ein Jahr nach Inkrafttreten
Wien (OTS) – Mit MiFID II wurde Anfang 2018 das Regelwerk für
österreichische Wertpapierunternehmen neu geschrieben. Ob und welchen
Anklang die erweiterten Regulierungen in der Praxis finden, hat der
Fachverband Finanzdienstleister aktuell mit einer Mitgliederbefragung
erhoben. Das erste Fazit der 146 Teilnehmer fällt durchwachsen aus:
Der Großteil (43%) steht MiFID II insgesamt negativ gegenüber.
Zwtl.: Mehr an Information für Konsumenten wenig sinnvoll
Insbesondere das „Mehr“ an Information seit MiFID II wird von den
meisten Befragten kritisiert. Mehr als drei Viertel (76%) bewerten
dieses als nutzlos oder störend für die Kunden. Vor allem was die
Betreuungssituation für Kleinanleger betrifft, zeigt die Umfrage ein
pessimistisches Bild: 70% der Befragten sind der Meinung, dass sich
diese durch MiFID II eher oder sogar sehr verschlechtert. Dies ist
nicht zuletzt dem gestiegenen Zeitaufwand für die Erfüllung der
Dokumentationspflichten geschuldet: 94% geben an, dass sich hier der
Zeitaufwand erhöht hat. Das führt wiederum dazu, dass Kleinanleger
sich weniger auf die fachlichen Details bei Kundenberatungen
konzentrieren bzw. sich weniger Zeit dafür nehmen möchten.
Zwtl.: Negative Auswirkungen auf das Produktangebot
Aufhorchen lässt auch die Frage nach dem Produktangebot und den
Veranlagungsvolumina, denn die Befürchtung, dass MiFID II zu einer
Reduktion des Angebots führt, kann in gewissem Ausmaß bestätigt
werden: Mehr als ein Drittel der Befragten haben ihr Angebot
reduziert. Ähnliches ist bei den Veranlagungsvolumina zu beobachten.
Da so gut wie niemand sein Angebot erweitert hat, ist zu befürchten,
dass sich diese Entwicklung negativ fortsetzt.
Zwtl.: Überregulierung nicht praxistauglich
„Leider haben sich die Befürchtungen bewahrheitet. Gut gemeint
ist nicht gleich gut gemacht“, kommentiert Hannes Dolzer, Obmann des
Fachverbands Finanzdienstleister (WKÖ), das Ergebnis. „Es hat sich
gezeigt, dass ein ‚Mehr‘ an Information nicht zu einer besseren
Beratung führt. Wenn die Kunden vom Kleingedruckten überfordert sind,
lassen sie es entweder gleich bleiben oder fragen nur, wo sie
unterschreiben können. So wollen und dürfen Finanzdienstleister
Geschäfte nicht machen. Auch wenn die Intention hinter MiFID II – ein
höherer Konsumentenschutz durch gezielte Information – zu
unterstützen ist, muss es für die Zukunft jedenfalls das Ziel sein,
die Rahmenbedingungen zu vereinfachen und sie damit wieder
praxistauglicher zu machen.“ (PWK860/ES)
Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband Finanzdienstleister
Mag. Thomas Moth, Mag. Dagmar Hartl-Frank
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