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„Im Reich der Zeit – Chinas Kaiser und die Sterne“ am 17. Mai in „Universum History“

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Wien (OTS) – Ende des 16. Jahrhunderts reiste der italienische Jesuit Matteo Ricci nach China, um das Land zum Christentum zu bekehren. In Rom hatte er unter anderem Mathematik und Kosmografie studiert. In Asien machte er Bekanntschaft mit der chinesischen Astronomie, mit Kalendern und den bereits weit entwickelten Instrumenten. Bald wurde ihm klar, dass der Weg, das Volk zu missionieren, nur über den Kaiser von China, den „Sohn des Himmels“, führen konnte – und zu diesem nur über die Kunst der Zeitmessung und die exakte Vorhersage von Himmelsereignissen. In aufwendig gedrehten Spielfilmszenen dreht „Universum History“ mit „Im Reich der Zeit – Chinas Kaiser und die Sterne“ am Freitag, dem 17. Mai 2019, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Zeit zurück ins imperiale China des 16. Jahrhunderts. Die Dokumentation von Cédric Condon, Arya Surowidjojo und Jean-Marc Bonnet-Bidaud (deutsche Bearbeitung: Andrea Lehner) spannt mit Hilfe der modernen Wissenschaft einen breiten Bogen von den Ursprüngen der Zeitmessung bis zum heutigen satellitengesteuerten Wettlauf um den richtigen Zeittakt. Faszinierende Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, völlig unterschiedliche Weltanschauungen und Chinas anhaltendes Streben nach einer verlässlichen Vorhersagemethode lassen die facettenreiche Geschichte der Zeit lebendig werden.

Astronomie spielte in China seit jeher eine bedeutende Rolle. Während der Kaiserreiche galt der Polarstern als „Stern des Kaisers“, die Verbotene Stadt, in der der „Sohn des Himmels“ residierte, wurde als irdisches Pendant des polaren Sternenrings betrachtet. Bis zu 1.000 Astronomen werkten im Auftrag des Hofs, beobachteten Gestirne, erstellten Tabellen und Prognosen. Für jede falsche Voraussage, so heißt es, wurden sie hart bestraft.

Dank seiner Vorkenntnisse in Geometrie und Algebra und eines spektakulären Gastgeschenks, einer riesigen Standuhr, erhielt Matteo Ricci vom Kaiser persönlich die Erlaubnis, sich in der Verbotenen Stadt niederzulassen. Mit einer Weltkarte, auf der er China im Zentrum der Welt abbildete, fand er nicht nur große Anerkennung am kaiserlichen Hof, sondern auch Verbündete in den Zirkeln der Macht. Und so rückte die Missionierung bald in den Hintergrund. Ein deutscher und ein italienischer Jesuit, die Ricci nach seinem Tod folgten, widmeten sich kaum noch einem anderen Thema als der Erforschung astronomischer Ereignisse – zu wichtig waren die Erstellung eines verlässlichen Kalendersystems und die Genauigkeit der Zeitmessung geworden.

Ein Bürgerkrieg und das tragische Ende des letzten Ming-Kaisers stürzten China ins Chaos. Die präzise Berechnung der für 1. September 1644 angekündigten Sonnenfinsternis führte zu einem massiven Zerwürfnis der ohnehin schon gespannten Beziehungen zwischen Vertretern der chinesischen und der westlichen Zeitmessungsmethoden. Zwar wurde der Deutsche Adam Schall von Bell als Sieger zum Leiter des kaiserlichen astronomischen Instituts berufen, doch bevor er sich nun der Verbreitung des Christentums widmen konnte, starb auch dieser Kaiser. Unter seinem Nachfolger stießen die Jesuiten zunehmend auf Widerstand. Viele von ihnen wurden verhaftet, Schall von Bell zum Tode verurteilt, dann aber – bereits schwer krank – begnadigt. Er starb noch vor dem Ende seines neu aufgerollten Prozesses. Der von ihm reformierte traditionelle chinesische Kalender jedoch hat – allen Machtkämpfen zum Trotz – überdauert. Er gilt neben anderen Kalendersystemen bis heute.

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