PRAEVENIRE: Gesundheitspolitik muss Lehren aus Corona-Krise rasch umsetzen

Gipfelgespräche zu Corona-Learnings für die Erstellung des Weißbuches „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ der PRAEVENIRE Initiative abgeschlossen

Wien (OTS) – Die Corona-Pandemie zeigt, wie elastisch das österreichische Gesundheitssystem auf Herausforderungen reagieren kann und wie rasch Veränderungen von der Patientensteuerung bis zur Nutzung technischer Anwendungen möglich sind. Im Rahmen von vier hochkarätig besetzten PRAEVENIRE Gipfelgesprächen zur Erstellung eines Zusatzkapitels über das Thema Corona-Pandemie für das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ diskutierten Expertinnen und Experten, welche Maßnahmen sich in der Krise bewährt haben, fortgesetzt werden sollen und wo Adaptionsbedarf besteht.

Sensiblere Gesundheitskommunikation

Während der Corona-Krise waren insbesondere chronisch kranke Menschen sowie Risikogruppen verunsichert und hätten sich mehr Information gewünscht, was die Situation konkret für sie bedeutet. Einigkeit herrschte unter den Expertinnen und Experten, dass die Gesundheitsbranche dringend eine klar verständliche und präzise Kommunikation mit der Bevölkerung benötigt. Hier gilt es in Zukunft Informationen klar zu formulieren und Ängste zu nehmen. Zudem bedarf es auch einer engeren Abstimmung zwischen medizinischen Expertinnen und Experten und Politikerinnen und Politikern, damit „mit einer Stimme gesprochen wird“.

Krisenpläne ausarbeiten und Abhängigkeiten reduzieren

Trägerorganisationen von Langzeitbetreuungseinrichtungen wie etwa Pflegeheime oder Behinderteneinrichtungen sahen sich in der Corona-Akutphase mit einer hohen Sorgfaltsverpflichtung gegenüber Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Patientinnen und Patienten konfrontiert, die oftmals mit restriktiven Hausordnungen gelöst wurden. Auch für die breite Bevölkerung angeordneten Schutz- und Quarantänemaßnahmen gingen oftmals mit freiheitsbeschränkenden Bestimmungen einher, die Rechtslücken aufzeigten und Handlungsbedarf erforderten, insbesondere in der Präzisierung des Epidemiegesetzes.

Aus medizinischer und pharmazeutischer Perspektive wurden vor allem die Lieferengpässe bei Schutzausrüstungen einer strengen Analyse unterzogen. Hier gilt es zukünftig, die kritische Infrastruktur massiv zu stärken sowie ein derzeit noch fehlendes Horizon Screening samt lückenlosen Krisenplänen auf die Beine zu stellen. Laut den Expertinnen und Experten benötige es künftig einen ausgefeilten Katastrophenplan für Ernstfälle sowie eine Minimumvorratspflicht für Arzneimittel, insbesondere für Seltene Erkrankungen und eine schnell hochfahrbare Notfallproduktion z. B. für Medizinprodukte wie Schutzausrüstung, um versorgungstechnisch gut gewappnet zu sein. Auch die Abhängigkeit von Staaten wie Indien und China bei der Wirkstoffproduktion wurden diskutiert, die durch Sicherung der Transportwege reduziert werden soll.

Digital Health Maßnahmen fortsetzen

Die Corona-Krise habe gezeigt, wie der verstärkte Einsatz von digitalen Hilfsmitteln, beispielsweise der Telemedizin, in Zukunft aussehen könnte. Die Nachfrage nach e-Medikation, telefonischer und virtueller Beratung sei groß und es gäbe den Bedarf, diese digitalen Dienste und Kommunikationskanäle nach der Krise aufrecht zu halten. Dafür müssen rasch rechtliche Lücken in einzelnen Gesundheitsberufsgesetzen geschlossen und die Honorierung für telemedizinische sowie teletherapeutische Behandlung angepasst werden.

Beim Themenkreis Corona-Learnings für das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ wirken u. a. mit: Mag.pharm. Monika Aichberger, Dr. Wolfgang Andiel, Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, MSc, Dr. Alexander Biach, Univ.-Prof. Dr. Catherina Chiari, Mag. Dr. Christian Gepart, Dr. Reinhold Glehr, Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Univ.-Prof. Dr. Richard Greil, Dr. Hans Haltmayer, Dr. Achim Hein, Dr. Iris Herscovici, Lisa Holzgruber, MSc, MBA, em. Univ.-Prof. Dr. h. c. mult. Dr. Siegfried Kasper, Dr. Christoph Klaus, Andrea Wagner, Dr. Elisabeth Lackner, Mag. pharm. Dr. Elisabeth Messinger, aHPh, Dr. Michaela Möstl, Univ.-Prof. Dr. Stefan Nehrer, Mag. Wolfgang Panhölzl, Mag. Roman Pöschl, Hon.-Prof. (FH) Dr. Bernhard Rupp, Mag. Martin Schaffenrath, MBA, MBA, MPA, Dr. Günther Schreiber, Dr. Stefan Seer, Mag. Feldin Smajlovic, Assoc.-Prof. Dr. Christoph Steininger, Dr. Peter Stippl, Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD, Dr. Andreas Windischbauer (Stand: 09.09.2020)

PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“

Die Erstellung eines ganzheitlichen Konzepts für ein modernes, leistungsstarkes und krisenfestes Gesundheitssystem hat durch die Corona-Pandemie weiter an Brisanz gewonnen, wodurch die Learnings und Erfahrungen aus der Corona-Krise in einem eigenen Themenkreis seinen Niederschlag finden werden. „Die Corona-Pandemie hat neue Fakten geschaffen, Schwachstellen im Gesundheitssystem aufgezeigt, aber auch neue Möglichkeiten eröffnet. Wir haben uns daher dazu entschlossen, diesem Umstand Rechnung zu tragen und die daraus zu ziehenden Lehren für ein optimales Gesundheitssystem in einem zusätzlichen Kapitel zu erörtern“, erklärt PRAEVENIRE-Präsident Dr. Hans Jörg Schelling.

5. PRAEVENIRE Gesundheitstage 2020 im Stift Seitenstetten

Die 5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten finden vom 14. bis 16. Oktober 2020 statt. In diesen Tagen wird der Verein PRAEVENIRE mit dem Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ Version 2020 erste Vorschläge zur Optimierung der Gesundheitsversorgung präsentieren. Informationen zu Programm und Anmeldung unter [www.praevenire.at] (http://www.praevenire.at/)

Mag. Dren Elezi, MA und Mag. Julia Wolkerstorfer
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