
Werkzeug, Ratgeber, Bezugsperson – 94 Prozent der Jugendlichen nutzen KI-Chatbots
Aktuelle Studie zum Safer Internet Day am 10. Februar 2026: KI-Chatbots werden zum wichtigen Begleiter – Risiken und Wissenslücken über ihre Funktionsweise werden unterschätzt.
ANLÄSSLICH DES 23. INTERNATIONALEN SAFER INTERNET DAY AM 10. FEBRUAR 2026 PRÄSENTIERTE SAFERINTERNET.AT DIE AKTUELLE STUDIE „KI-CHATBOTS ALS ALLTAGSBEGLEITER FÜR JUGENDLICHE“. DIE ERGEBNISSE ZEIGEN DEUTLICH: KÜNSTLICHE INTELLIGENZ (KI) IST FÜR JUGENDLICHE INZWISCHEN EIN SELBSTVERSTÄNDLICHER BEGLEITER. 94 PROZENT DER 11- BIS 17-JÄHRIGEN NUTZEN KI-CHATBOTS – VOR ALLEM FÜR SCHULISCHE UND ZUNEHMEND AUCH FÜR PERSÖNLICHE THEMEN. DABEI UNTERSCHÄTZEN SIE DIE RISIKEN, WÜNSCHEN SICH JEDOCH MEHR BILDUNG ZU KI UND BEFÜRWORTEN ALTERSGRENZEN.
Im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at präsentierten das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT), die ISPA – Internet Service Providers Austria und Rat auf Draht eine Erhebung zur KI-Nutzung von Jugendlichen. Dafür wurden 500 österreichische Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren befragt. Zusätzlich wurden zwei vertiefende Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen durchgeführt. „KI-Tools sind bei Fragen oft die erste Anlaufstelle für Jugendliche. Gleichzeitig gibt es aber große Wissenslücken, wenig Bewusstsein für Risiken und den Wunsch nach einem besseren Verständnis von KI“, so Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at.
CHATGPT IST KLARE NUMMER EINS BEI JUGENDLICHEN
Künstliche Intelligenz ist im Alltag der Jugendlichen angekommen: 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen verwenden KI-Chatbots. ChatGPT ist die mit Abstand beliebteste Anwendung und wird von 90 Prozent der Befragten genutzt. Vergleichbare Chatbots wie Gemini von Google (23 %) oder CoPilot von Microsoft (11 %) sind deutlich weniger beliebt. Knapp ein Viertel (24 %) der Befragten nutzt ChatGPT täglich, die älteren Befragten (30 %) mehr als die jüngeren (18 %). Über 40 Prozent geben an, ChatGPT zumindest mehrmals pro Woche zu nutzen.
„Künstliche Intelligenz ist für Jugendliche zum digitalen Begleiter geworden. Gerade deshalb dürfen wir sie mit den Risiken nicht alleinlassen. Wir brauchen mehr Bildung über KI, in der Schule sowie mithilfe der Digitalen Kompetenzoffensive, klare Regeln und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein“, meint Staatssekretär Alexander Pröll.
SCHULE IST WICHTIGSTER EINSATZBEREICH VON KI
Jugendliche sehen KI vor allem als wichtiges Werkzeug für die Schule: Fast drei Viertel (73 %) verwenden KI-Tools für schulische Zwecke und Hausaufgaben. Weiters werden KI-Tools unter anderem für das Suchen und Zusammenfassen von Informationen (47 %), für Erklärungen (34 %), zur Formulierung von Texten (27 %) und zum Lösen von Rechenaufgaben (20 %) verwendet.
Zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen (11 bis 14 Jahre und 15 bis 17 Jahre) zeigen sich dabei deutliche Unterschiede: Weibliche und ältere Jugendliche nutzen KI in allen Anwendungsbereichen häufiger. Im schulischen Bereich liegen weibliche Jugendliche (78 %) um 10 Prozentpunkte vor den männlichen (68 %).
JUGENDLICHE FRAGEN KI REGELMÄSSIG UM INFORMATION UND RAT
Nicht nur in der Schule, sondern im gesamten Alltag sind KI-Tools mittlerweile eine gefragte Anlaufstelle. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen (55 %) nutzt KI häufig oder gelegentlich, um sich Informationen und Ratschläge für verschiedene Lebensbereiche zu holen, z. B. zu Freizeitgestaltung, Hobbys, Gesundheit oder Beziehungen. Ein knappes Drittel (31 %) verwendet KI-Tools, um Sorgen oder Probleme zu besprechen. Einem Viertel (26 %) dienen sie zum Stressabbau oder um Ärger loszuwerden.
Vier von zehn Befragten (40 %) empfinden es oft als hilfreicher, eine KI zu fragen als einen Menschen. Die Verfügbarkeit, also dass KI-Chatbots immer und zu jeder Zeit antworten, ist für Jugendliche der wichtigste Grund (59 %) für deren Verwendung. Darüber hinaus schätzen sie die Zeitersparnis (43 %) und die unkomplizierte Nutzung (39 %).
CHATBOTS ÜBERNEHMEN ÄHNLICHE AUFGABEN WIE BEZUGSPERSONEN
Auffällig ist die zunehmende Bedeutung von KI im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich. Fast ein Viertel (24 %) der Befragten nutzt KI zumindest manchmal, um freundschaftliche Unterhaltungen zu führen, knapp ein Fünftel (19 %) sogar für romantische Gespräche. Etwa drei von zehn Befragten sind der Meinung, dass KI eine Art Freundin oder Freund sein kann (29 %) und Trost zu spenden vermag (28 %). Über ein Viertel (26 %) glaubt, dass sich Jugendliche tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten. Das zeigt, wie attraktiv Chatbots für junge Menschen sind und welche Bedeutung sie im Alltag der Jugendlichen haben. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die bestätigende und gefällige Kommunikationsweise von KI-Chatbots. Dadurch wirken Chatbots oft empathisch und vermitteln scheinbares Verständnis.
Mittlerweile gibt ein Viertel der Jugendlichen (25 %) an, dass es ihnen leichter fällt, mit Chatbots über persönliche Themen zu sprechen als mit Menschen. Gleichzeitig sind ihnen die möglichen Schattenseiten der KI durchaus bewusst. „Wenn man sich schon von klein auf mit Problemen an die KI wendet, könnte es einem dann schwerer fallen, mit einer echten erwachsenen Person zu kommunizieren“, so eine Teilnehmerin aus den Fokusgruppen.
KI-Tools können aber auch helfen, Gespräche mit anderen Menschen vorzubereiten und zu üben. Bereits 23 Prozent der Befragten machen davon zumindest manchmal Gebrauch. In den Fokusgruppen schildern die Jugendlichen, dass sie mithilfe von KI vor allem heikle oder konfliktbeladene Gespräche vorbereiten – etwa, um mit Lehrkräften über als unfair empfundene Bewertungen zu sprechen, mit Eltern über schlechte Noten oder mit Freundinnen und Freunden bzw. in Beziehungen über Konflikte.
KI KANN HILFESTELLUNG VON MENSCHEN UND PROFESSIONELLE BERATUNG NICHT ERSETZEN
Die Mehrheit der Jugendlichen (57 %) ist der Ansicht, dass Chatbots häufig gute Ratschläge geben. Dennoch hat sich bereits fast jede fünfte befragte Person (18 %) aufgrund einer KI-Antwort unwohl gefühlt, wobei männliche Jugendliche (23 %) dies deutlich häufiger wahrnehmen als weibliche (13 %). Aus den Fokusgruppen geht hervor, dass unangenehme Erfahrungen etwa dadurch entstehen, dass Ratschläge zum Umgang mit Menschen als manipulativ empfunden werden oder Antworten negative Gefühle eher verstärken, statt zu entlasten.
Besonders problematisch ist es, wenn KI in sensiblen oder belastenden Situationen als Unterstützung genutzt wird. KI-Systeme können diese nicht in gleichem Ausmaß bieten wie Menschen, betont Birgit Satke von Rat auf Draht: „Gerade bei persönlichen oder psychischen Problemen kann eine Beratung durch KI-Chatbots zunächst als Überbrückung dienen, sie stößt aber schnell an ihre Grenzen und kann eine qualifizierte Beratung nicht ersetzen. Wir beobachten außerdem immer wieder, dass Chatbots Falschinformationen zu Beratungsstellen ausgeben.“
RISIKEN WERDEN VON JUGENDLICHEN UNTERSCHÄTZT
Das Vertrauen der Jugendlichen in KI ist groß: Mehr als die Hälfte (52 %) verlässt sich darauf, dass ChatGPT & Co korrekte Informationen liefern. Vier von zehn Befragten (40 %) überprüfen selten bzw. nie, ob die Ergebnisse tatsächlich stimmen. „Auch wenn die Antworten oft plausibel wirken und strukturiert erscheinen, darf man nicht vergessen, dass KI-Chatbots keine Suchmaschinen sind und falsche oder unvollständige Informationen liefern können. Umso wichtiger ist es, KI-Ergebnisse nicht ungeprüft zu übernehmen. Außerdem sollte man bereits vorab überlegen, ob eine Suchmaschine oder ein Chatbot für die Frage geeigneter ist“, betont Barbara Buchegger.
Sorgen bereitet der Mehrheit der Jugendlichen (56 %), dass KI-Tools möglicherweise die Fähigkeit, selbständig über etwas nachzudenken, schwächen könnten. „Man wird irgendwie faul, wenn man alles fragen kann“, so eine Jugendliche in den Fokusgruppen.
Besorgniserregend ist auch, dass 28 Prozent der Befragten glauben, ihre Eingaben in KI-Chatbots seien vertraulich und könnten von niemandem eingesehen oder genutzt werden. Nahezu die Hälfte (48 %) geht davon aus, dass andere Jugendliche persönliche Daten mit KI-Systemen teilen. Mehr als ein Viertel (28 %) vertraut KI-Chatbots sogar intime Inhalte an. Stefan Ebenberger, Generalsekretär der ISPA – Internet Service Providers Austria, plädiert für eine stärkere Sensibilisierung Jugendlicher beim Thema Datenschutz: „Jugendliche gehen teilweise unbedacht mit ihren persönlichen Daten um. Das Recht auf Privatsphäre und welche Auswahlmöglichkeiten es bei den unterschiedlichen Anwendungen gibt, muss eindringlicher vermittelt werden.”
POSITIVE EINSTELLUNG GEGENÜBER KI ÜBERWIEGT
Insgesamt stehen Jugendliche Künstlicher Intelligenz überwiegend positiv beziehungsweise neutral gegenüber – sowohl mit Blick auf die Gesellschaft als auch auf den persönlichen Nutzen. Mehr als die Hälfte (55 %) sieht KI vor allem als Chance für sich selbst (als Gefahr: 7 %, teils, teils: 31 %). Damit schätzen sie KI für sich selbst positiver ein als für die Gesellschaft insgesamt (als Chance: 42 %, als Gefahr: 15 %, teils, teils: 35 %).
Stefan Ebenberger von der ISPA zeigt sich erfreut über das große Interesse der Jugendlichen an KI-Anwendungen: „Künstliche Intelligenz ist in der Gesellschaft angekommen und hat großes Potenzial. Die Jugendlichen erkennen die Bedeutung der künstlichen Intelligenz, wenden sie an und legen so eine erste wichtige Basis für ihre eigene Zukunft. Wir müssen sie frühzeitig unterstützen, damit sie einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit KI erlernen.“
KLARE FORDERUNG NACH MEHR BILDUNG IM UMGANG MIT KI
Jugendliche wünschen sich mehr Orientierung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz – das zeigt die Erhebung deutlich: Mehr als die Hälfte der Befragten (53 %) würde gerne besser verstehen, wie KI eigentlich arbeitet. Tatsächlich hat knapp die Hälfte der Jugendlichen (48 %) bislang noch nie die Funktionsweise von KI-Systemen altersgerecht erklärt bekommen.
Auch beim Thema Altersgrenzen positionieren sich die Jugendlichen eindeutig: Mehr als die Hälfte (53 %) spricht sich für eine Altersbeschränkung bei der Nutzung von KI-Chatbots aus. Davon halten die meisten Jugendlichen (39 %) eine Altersgrenze von 14 Jahren für sinnvoll.
Was das Erlernen von Kompetenzen im Umgang mit KI betrifft, sehen Jugendliche vor allem das Bildungssystem in der Verantwortung. Zwei Drittel (66 %) erwarten sich Unterstützung durch die Schule, ein Drittel (33 %) von den Eltern. Die Ergebnisse machen deutlich: Jugendliche wünschen sich nicht nur Regeln, sondern vor allem fundierte Bildung, um KI sicher und verantwortungsvoll nutzen zu können. „Es braucht sichere KI-Chatbots, die auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind, damit sie den Umgang mit Chatbots in einem geschützten Rahmen erlernen können“, fordert Barbara Buchegger.
SAFERINTERNET.AT UNTERSTÜTZT MIT VIELFÄLTIGEM ANGEBOT
Eine verantwortungsvolle Nutzung von KI setzt vor allem Informationskompetenz und die Fähigkeit zur kritischen Bewertung von Quellen voraus. Saferinternet.at unterstützt diesbezüglich mit verschiedenen Angeboten – von Workshops für Jugendliche über Elternabende sowie Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen bis hin zu Unterrichtsmaterialien und Lerntools für den Bildungsalltag. Über Mythen rund um die KI-Nutzung klärt auch eine neue Informationsbroschüre (www.ispa.at/ki-mythen) auf, die die ISPA anlässlich des Safer Internet Day veröffentlicht hat.
ÜBER DIE STUDIE
ÖIAT
DIin Barbara Buchegger, M.Ed.
Pädagogische Leiterin Saferinternet.at
Telefon: +43 1 595 2112 31
E-Mail: office@saferinternet.at
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