
„Der weibliche Name des Widerstands“: Marie-Thérèse Kerschbaumers Schlüsselwerk in der Wienbibliothek im Rathaus
Der Vorlass der vielfach ausgezeichneten Autorin zeigt die Entstehung eines literarischen Meilensteins über Wiener Frauen im Widerstand.
„Identität als Frau kann man nur finden durch Identifizierung mit der eigenen Geschichte.“ Dieser Satz findet sich im Werkentwurf von Marie-Thérèse Kerschbaumer – und verdichtet das Anliegen, das ihr literarisches Schaffen prägt. Konsequent ausgearbeitet wurde dies in ihrem Werk „Der weibliche Name des Widerstands“, das 1988 erschien, mehrfach aufgelegt und 1989 verfilmt wurde. Es ist Teil des Vorlasses, den die Wienbibliothek im Rathaus übernommen hat. Das Buch ist literarische Erinnerung und zugleich ein nachhaltiger Beitrag zur Sichtbarmachung von Frauenbiografien und Impuls, sich mit der eigenen Geschichte und mit Beständen zu Frauen- und Geschlechtergeschichte auseinanderzusetzen.
„Die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Frauen ist keine Ergänzung, sondern Voraussetzung für ein vollständiges Verständnis unserer Gesellschaft. Dass die Wienbibliothek im Rathaus solche Vorlässe übernimmt und frei zugänglich macht, ist ein klares Bekenntnis zu Chancengleichheit, wissenschaftlicher Freiheit und zum offenen Zugang zu Bildung für alle Wienerinnen und Wiener“, betont Wiens Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler.
Im Zentrum von „Der weibliche Name des Widerstands“ stehen sieben Wiener Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer Herkunft, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden und als Opfer wie als Kämpferinnen ihr Leben verloren. Kerschbaumer bezeichnet sie als „Gedenksteine (Marterln)“ – Stellvertreterinnen für viele andere Frauen, deren Schicksale lange unbeachtet blieben.
Die Direktorin der Wienbibliothek im Rathaus, Anita Eichinger, erklärt:
„Der Vorlass von Marie-Thérèse Kerschbaumer eröffnet einzigartige Einblicke in die Entstehung eines Schlüsselwerks zur weiblichen Widerstandsgeschichte. Solche Bestände ermöglichen Forschung und machen zugleich deutlich, wie wichtig Archive als Orte des offenen Wissens sind.“
Seit 2002 hat die Wienbibliothek im Rathaus kontinuierlich Teile des literarischen Archivs und der Korrespondenzen Kerschbaumers übernommen. Der Bestand umfasst u. a. Werknotizen, Entwürfe, Textfassungen und Korrekturstufen, Notizhefte und -bücher, Reise- und Lektüreaufzeichnungen sowie Fotografien. Diese ermöglichen differenzierten Einblick in ihre Schreibwerkstatt und stellt zentrale Quellen zur österreichischen Literatur- und Zeitgeschichte dauerhaft für Forschung und Öffentlichkeit bereit.
ZUR KURZBIOGRAFIE VON MARIE-THÉRÈSE KERSCHBAUMER
Marie-Thérèse Kerschbaumer wurde 1936 als Tochter einer Österreicherin und eines aus Kuba stammenden Spaniers geboren und wuchs in Costa Rica und Tirol unter schwierigen Bedingungen auf. Jahre der Staatenlosigkeit prägten ihre frühe Biografie. Seit 1971 ist sie als Schriftstellerin, Literaturkritikerin und Übersetzerin tätig sowie und engagierte Kämpferin für Autor:innenrechte. Mit „Der weibliche Name des Widerstands“ gelang der bedeutenden Autorin der literarische Durchbruch. 1995 wurde sie mit dem Preis der Stadt Wien für Literatur ausgezeichnet.
EIN NACHMITTAG MIT MARIE-THÉRÈSE KERSCHBAUMER IM VORFELD IHRES 90. GEBURTSTAGS IN DER WIENBIBLIOTHEK IM RATHAUS
2. Juni, 17:00 Uhr, Lesesaal Wienbibliothek, Eingang Lichtenfelsgasse 2, Stiege 6, 1. Stock
Begrüßung: Veronica Kaup-Hasler, Stadträtin für Kultur und Wissenschaft
Lesung: Marie-Thérèse Kerschbaumer
Werkeinführung: Martina Wörgötter, Leiterin des Stefan Zweig Zentrums Salzburg Moderation: Wolfgang Straub, Wienbibliothek
Mag.a Isabella Cseri
Mediensprecherin StRin Mag.a Veronica Kaup-Hasler
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