Weltklasse-Küche, Importware auf dem Teller: Österreichs blinder Fleck

DURCH DEN GUIDE MICHELIN HAT ÖSTERREICH BESTE VORAUSSETZUNGEN, SICH INTERNATIONAL ALS KULINARIK-DESTINATION ZU POSITIONIEREN. DAFÜR BRAUCHT ES ABER EIN KLARES BEKENNTNIS ZUR HERKUNFT ÖSTERREICH. ÜBER DIE VERPFLICHTENDE HERKUNFTSKENNZEICHNUNG DISKUTIERTEN IM RAHMEN EINES LIVE-PODCASTS DER VEREIN LAND SCHAFFT LEBEN, DER GESCHÄFTSLEITER DES GASTRONOMIE-GROSSHÄNDLERS TRANSGOURMET UND DER GASTRONOMIE-OBMANN DER WIRTSCHAFTSKAMMER.

Mit dem nun errungenen Platz 3 im internationalen MICHELIN-Ranking hat Österreich gute Chancen, sich als Kulinarik-Destination zu behaupten. Die Gastronomie ist bestens aufgestellt, allerdings mangelt es bisher häufig an Regionalität am Teller. „Unsere Landschaft ist der Hauptgrund, warum Menschen in Österreich Urlaub machen. Landwirtschaft, Lebensraum und Tourismus sind untrennbar miteinander verbunden. Aber oft fehlt die Zusammenarbeit. Während Bäuerinnen und Bauern unsere Kulturlandschaft pflegen, setzt die Gastronomie auf ausländisches Schweinefleisch fürs Schnitzel. Obwohl es genug aus Österreich gäbe“, so Land-schafft-Leben-Gründer HANNES ROYER im Podcast-Gespräch.

MEHR ÖSTERREICH AM TELLER ALS SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG

Die Gastronomie spielt eine Schlüsselrolle: Sie entscheidet täglich, welche Produkte auf den Tellern der Gäste landen. Für ALOIS RAINER, Gastronomie-Obmann der WKO, ist klar: „Es liegt an uns, dass wir uns gegenseitig unterstützen und das Beste füreinander herausholen. Regionale Versorgung funktioniert nur, wenn Landwirtschaft, Produzenten, Handel und Gastronomie enger zusammenarbeiten.“_ _Auch der Gastro-Großhandel sieht die Problematik differenziert. MANUEL HOFER, Geschäftsleiter Einkauf von Transgourmet Österreich, betont: „Viele Kunden greifen zur günstigen Importware. Die Absatzzahlen zeigen deutlich: Das Preiseinstiegssegment wächst aktuell am stärksten. In Summe ist allerdings das Österreichsortiment immer noch das größte. Gleichzeitig steigt auch Bio mit einem Zuwachs von mehr als 20 Prozent.“_ _Er widerspricht auch einem häufigen Argument der Branche: _„Wenn Kunden Ware aus Österreich wollen, dann ist Österreich auch verfügbar.“_

GEMEINSAME VERANTWORTUNG FÜR DIE ZUKUNFT

Ein zentraler Hebel, so ist die Runde sich einig, bleibt die Herkunftskennzeichnung. Während einige Betriebe bereits freiwillig Transparenz schaffen, fehlt bislang eine flächendeckende Regelung. ALOIS RAINER und MANUEL HOFER plädieren dafür, die freiwillige Herkunftskennzeichnung weiter voranzutreiben, anstatt sie gesetzlich zu verankern, um hohe bürokratische Auflagen zu vermeiden. Für HANNES ROYER ist allerdings klar: „Österreich hat alles, was es braucht: einzigartige Kulturlandschaft, hochwertige Lebensmittel, starke touristische Nachfrage und kulinarische Top-Liga. Das müssen wir nutzen. Ohne verpflichtende Herkunftskennzeichnung gelingt es nicht.“

„WER NICHTS WEISS, MUSS ALLES ESSEN“: BAUERNLADEN ALS PODCAST-BÜHNE

Anlässlich der Guide-MICHELIN-Gala am Dachstein blickte der Podcast „Wer nichts weiß, muss alles essen“ über den Tellerrand. Der Schladminger Bauernladen „Heimatgold“ wurde zur Podcast-Bühne: Hannes Royer, Manuel Hofer und Alois Rainer diskutierten, warum Regionalität am Teller in der Praxis oft scheitert – und was sich ändern muss, damit Transparenz tatsächlich auf der Speisekarte ankommt. Ab Donnerstag überall, wo es Podcasts gibt.

Carina Bauer, Kommunikation
Land schafft Leben
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