Flaschenhals Basisausbildung gefährdet medizinische Versorgung Österreichs

Zu wenige Ausbildungsplätze zwingen Jungmediziner:innen ins Ausland. Die ÖHs der Medizinischen Universitäten und Fakultäten fordern die verantwortlichen Personen zum Handeln auf.

Absolvent:innen des Humanmedizinstudiums in Österreich müssen nach sechs Jahren Studium verpflichtend eine neunmonatige Basisausbildung absolvieren – ein europaweit einzigartiges Modell, das seit Jahren kontrovers diskutiert wird. Denn erst danach können die Jungmediziner:innen ihre Ausbildung zur:zum Fachärzt:in beginnen.

Das Basisjahr wurde 2015 eingeführt, um ein gemeinsames Fundament vor der Facharztausbildung zu schaffen und klinische Basiskompetenzen zu vermitteln. Nach über zehn Jahren Erfahrung zeigt sich, dass sich die Tätigkeiten in der Praxis größtenteils mit dem Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ), einem Bestandteil des Studiums, decken und nicht den erhofften Mehrwert bieten. Durch kurzsichtige Gesundheitspolitik, Budgetkürzungen und den organisatorischen Fleckerlteppich gibt es nicht ausreichend Stellen in der Basisausbildung.

Hier entsteht ein struktureller Flaschenhals in der Ausbildung von Ärzt:innen, der sich zunehmend zuspitzt und einen nahtlosen Berufseinstieg verhindert. Immer häufiger berichten enttäuschte Jungärzt:innen von Wartelisten und reihenweisen Absagen. In dieser Zeit gehen die hochqualifizierten Mediziner:innen fachfremden Tätigkeiten, beispielsweise im Handel oder in der Gastronomie, nach, oder melden sich arbeitslos. Viele, die diese Tortur nicht auf sich nehmen wollen, wandern ins Ausland ab, um direkt mit der Facharztausbildung zu beginnen.

_“Die Abwanderung der Medizinstudierenden ist keine Seltenheit. Bereits jetzt wandern knapp 20% aller Medizinstudierenden ins Ausland ab. Nun erreichen uns wöchentlich Berichte von österreichisch verwurzelten Absolvent:innen, die gezwungen sind, ihre Ausbildung im Ausland fortzusetzen, weil sie in Österreich keine Perspektive sehen. Somit schaffen wir es nicht einmal, unsere eigenen Leute im Land zu halten“,_ berichtet Maximilian Haslinger, Vorsitzender der ÖH an der Medizinischen Universität Innsbruck.

_“Wir erleben derzeit eine paradoxe Situation: Einerseits wird von Ärztemangel im öffentlichen System gesprochen, andererseits warten Absolvent:innen in ganz Österreich bis zu zwei Jahre auf einen Ausbildungsplatz. Dieses System produziert Stillstand statt Versorgung“_, betont Rosalie O´Donovan, Vorsitzende der ÖH an der Karl Landsteiner Privatuniversität.

Ganz abgesehen davon, dass die Gesundheitsversorgung der Österreicher:innen schon jetzt viele Herausforderungen zu stemmen hat, darf dabei die Bevölkerungsentwicklung nicht vergessen werden. Mehr als 33% der Mediziner:innen sind aktuell schon über 55 Jahre alt, die Pensionierungswelle der Babyboomer steht unmittelbar bevor. Zugleich steigt die Anzahl der Patient:innen weiter stark an. Die Sicherstellung einer nahtlosen Ausbildung für Absolvent:innen muss daher die oberste Priorität sein!

_“Während in Zeiten budgetärer Knappheit über zusätzliche Studienplätze debattiert wird, werden die bestehenden und zukünftigen hochmotivierten Absolvent:innen stehen gelassen. Österreich kann es sich nicht leisten, dieses wertvolle Potenzial durch künstliche Flaschenhälse zu verlieren”,_ erklärt Anant Thind, 2. stellvertretender Vorsitzender der ÖH an der Medizinischen Universität Wien.

Medizinstudierende arbeiten mindestens sechs Jahre darauf hin, um endlich in den ärztlichen Alltag einzutreten. Es ist essenziell, dass dieser Eintritt schnell nach dem teuren Studium ermöglicht wird. Monatelange Zwangspausen zwischen Studium und Berufsalltag gefährden langfristig die Gesundheitsversorgung für ganz Österreich. Nur durch eine garantierte Ausbildungsstelle direkt nach dem Studium können gute und kompetente Behandlungen für alle Patient:innen sichergestellt werden.

Die Abschaffung des Basisjahres ist für die ÖHs an den medizinischen Universitäten der logische Schritt zur Behebung des Problems. So können Jungärzt:innen direkt in die Facharztausbildung starten und der Öffentlichkeit versorgungswirksam dienen. Die Alternativmodelle der österreichischen Ärztekammer – also die Freiwilligkeit der Basisausbildung oder die Schaffung ausreichender Planstellen für diese – sind jedoch für uns auch ein kurzfristiger Mittelweg, der das aktuelle Problem entschärfen könnte. Wir fordern die Regierung und die Landesgesundheitsreferent:innenkonferenz dazu auf, endlich zu handeln!

Gemeinsame Presseaussendung von den ÖHs an den Medizinischen Universitäten INNSBRUCK, WIEN, GRAZ, der Studienvertretung Humanmedizin LINZ, sowie der ÖH an der Karl Landsteiner Privatuniversität KREMS.

Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Medizinischen
Universität Innsbruck
Martin Schütz, Referent für Bildungspolitik
Telefon: +43 512 9003 70670
E-Mail: OEH-BiPolRef@i-med.ac.at
Website: https://oeh-mui.at/

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender