DIE MIGRATION DER DINGE: Judaica und ihre unerwarteten Geschichten

Erste Online-Ausstellung des Jüdischen Museums Wien

Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, präsentiert seine erste reine Online-Ausstellung: „Die Migration der Dinge. Judaica und ihre unerwarteten Geschichten“. Damit eröffnet das Museum nach seiner Online Sammlung einen neuen digitalen Raum, der Objekte des Museums und ihre Geschichten erstmals weltweit und jederzeit online zugänglich macht.

„Neben der Online Sammlung ist die Kuratierung von Online-Ausstellungen ein wichtiger Teil der digitalen Strategie des Jüdischen Museums Wien. Das Museum reicht damit weit über Stadt- und Landesgrenzen hinaus und zeigt, dass digitale Ausstellungen weit mehr können, als einzelne Objektgeschichten aneinanderzureihen“, sagt Barbara Staudinger.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Judaica aus verschiedenen Jahrhunderten, deren Geschichten weit über ihren materiellen Wert hinausgehen. Sie erzählen von Bewegung, Weitergabe, Verlust und Neubeginn, und damit von der engen Verflechtung jüdischer Geschichte mit Migration, kulturellem Austausch und globalen Netzwerken.

JÜDISCHE GESCHICHTE IN BEWEGUNG

Die Ausstellung folgt dabei überraschenden Wegen und Verbindungen über Kontinente hinweg. So führt eine Objektgeschichte von Jassy über Bombay nach Wien: Der Kaufmann Jakob Rosenthal, britischer Staatsbürger mit Wohnsitz im heutigen Mumbai, stiftete Anfang des 20. Jahrhunderts Ritualobjekte für eine Wiener Synagoge. Eine andere Geschichte verbindet Wien mit Vietnam: Die Feldsynagoge des US-Militärrabbiners David Lapp gelangte Jahrzehnte nach dessen Flucht aus Wien während der NS-Zeit in die Sammlung des Museums zurück. Solche Objektbiografien machen sichtbar, wie eng persönliche Schicksale, globale Ereignisse und jüdische Geschichte miteinander verwoben sind.

Jüdische Geschichte ist seit jeher von Mobilität geprägt. Über Jahrhunderte hinweg führten rechtliche Beschränkungen, wirtschaftliche Bedingungen, aber auch Vertreibung, Gewalt und antisemitische Verfolgung dazu, dass Menschen ihre Wohnorte wechselten und neue Lebenswelten aufbauten. Mit ihnen bewegten sich auch ihre Dinge.

WIEN ALS KNOTENPUNKT GLOBALER WEGE

Die Wege der Objekte führen von der Ukraine, Rumänien, Dänemark und Italien bis nach Indien, Vietnam und in die USA. Dabei wird Wien als Knotenpunkt sichtbar, an dem sich persönliche Lebenswege, Handelsbeziehungen, religiöse Netzwerke und historische Umbrüche kreuzten. Manche Objekte wurden von ihren Besitzer*innen auf Reisen oder bei Übersiedlungen mitgenommen, andere gelangten durch Handel, Flucht oder persönliche Entscheidungen an neue Orte. Wieder andere wurden in Wien geschaffen und fanden ihren Weg in die Welt.

ERINNERUNG IN OBJEKTEN

Ein bedeutender Teil der Judaica-Sammlung des Jüdischen Museums Wien geht auf die Zerstörung des Wiener Judentums während der Zeit des Nationalsozialismus zurück. Viele Objekte wurden nach dem Novemberpogrom 1938 aus zerstörten Synagogen geborgen oder blieben nach Flucht und Deportation ihrer Besitzer zurück. Sie stehen zugleich für ausgelöschte Lebenswelten und für die materielle Präsenz jüdischen Lebens in Wien vor der Schoa.

In ihrer Gesamtheit erscheint die Sammlung als ein Kaleidoskop aus Perspektiven, Brüchen und Verbindungen. Jedes Objekt trägt mehrere Schichten von Bedeutung in sich: persönliche Erinnerungen, historische Umbrüche und Spuren kultureller Begegnungen über geografische und gesellschaftliche Grenzen hinweg.

Die Online-Ausstellung „Die Migration der Dinge“ verbindet – anders als eine digitale Präsentation einzelner Sammlungsobjekte – ausgewählte Objekte zu einer kuratierten Erzählung und macht ihre Wege, Verflechtungen und Zusammenhänge sichtbar. Das digitale Format erweitert den Zugang zur Sammlung über geografische Grenzen hinweg und macht ihre Geschichten weltweit erfahrbar.

ÜBER DAS JÜDISCHE MUSEUM WIEN

Das Jüdische Museum Wien bewahrt, erforscht und vermittelt die Geschichte, Kultur und Gegenwart des Wiener Judentums. Mit seinen Standorten in der Dorotheergasse und am Judenplatz zählt es zu den bedeutendsten jüdischen Museen Europas und macht jüdische Geschichte als Teil der Geschichte Wiens sichtbar.
Kurator*innen:

Jüdisches Museum Wien
Mag.a Natascha Golan
Telefon: 0699 15 20 55 54
E-Mail: natascha.golan@jmw.at
Website: https://www.jmw.at

Alexander Hirschmann
Wien Holding – Corporate Communications
Tel.: 01 408 25 69 – 13E-Mail: a.hirschmann@wienholding.at
www.wienholding.at

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