„kulturMONTAG“: Kreisky-Biopic, Poschner-RSO-Ära, PISA-Studie

Danach: „Der Klang Europas – Bosnien und Herzegowina“ – am 28. September, ab 22.30 Uhr, ORF 2 und ORF ON

Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am 28. September 2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON widmet sich u. a. dem Anfang Oktober in den heimischen Kinos startenden Biopic „Bruno – Der junge Kreisky“ von Regisseur Harald Sicheritz, blickt auf die neue Ära des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien unter Neo-Chefdirigent Markus Poschner und befasst sich mit den jüngsten Ergebnissen der PISA-Studie, die auch in Österreich eine Lesekrise attestiert.

Anschließend an das Magazin präsentiert ORF 2 die erste Ausgabe der neuen Reihe „Der Klang Europas“ über außergewöhnliche Sänger:innen, Ensembles und Musiker:innen in unterschiedlichen Regionen Europas, die von der Tradition ausgehend Eigenes, Neues und Modernes kreieren. In einem Stilmix aus Reportage und Doku erforscht das Format zum Start das europäische Klangbild in Bosnien und Herzegowina.

Vom Rebellen zum Weltpolitiker – Harald Sicheritz’ Biopic „Bruno – Der junge Kreisky“

Bruno Kreisky – Staatsmann, Reformer und längstdienender Bundeskanzler der Zweiten Republik – ist nach wie vor der bekannteste österreichische Politiker der Nachkriegszeit, denn bis heute gilt die „Ära Kreisky“ als goldenes Zeitalter – als Aufschwung noch möglich war. Mit Charme, Klugheit, Erfahrung, Gerechtigkeitssinn und praktischem Verstand schaffte es der Wiener an die Staatsspitze und veränderte Österreich zum Besseren – etwa mit dem Ausbau des Sozialstaates, der Reform von Justiz und Bildungswesen, der Förderung der Gleichberechtigung und seinem außenpolitischen Engagement in zahlreichen Krisenherden. Nun hat Kultregisseur Harald Sicheritz dem Weltpolitiker das Biopic „Bruno – Der junge Kreisky“ gewidmet. Das Drehbuch zu dieser vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierten Kinoproduktion, das Sicheritz gemeinsam mit Autor Fritz Schindlecker und der Historikerin und Filmschaffenden Helene Maimann geschrieben hat, beleuchtet die Jugendjahre – etwa als der 16-Jährige Kreisky den Brand des Justizpalastes miterlebte und es ihm 1938, kurz vor dem „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland, gelang, nach Schweden zu flüchten. Wie wurde aus dem Schüler aus reichem jüdischem Elternhaus ein engagierter Kämpfer der Arbeiterschaft und ein überzeugter Sozialist, der mit Menschen aller Anschauungen und Schichten auf Augenhöhe diskutierte? Wie fand er seinen Weg durchs Leben, die Liebe und seine Überzeugungen? Josefstadt-Ensemble-Mitglied und Nestroy-Preisträger Nils Arztmann verkörpert den „jungen Kreisky“. Der „kulturMONTAG“ berichtet über das Projekt sowie über den jugendlichen Rebellen auf dem Weg zum sozialdemokratischen Weltpolitiker.

Zukunftsmusik – Markus Poschner übernimmt das ORF RSO Wien

Mit September 2026 begann für das ORF Radio-Symphonieorchester Wien ein neues Kapitel: Markus Poschner übernahm die Position des Chefdirigenten und setzt gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern den Weg zu einem modernen Medienorchester fort. Im Mittelpunkt steht dabei ein zukunftsorientiertes Verständnis der eigenen Aufgabe: live im Konzertsaal, im Radio, im Fernsehen, im Streaming und online – überall dort, wo Menschen Musik erleben. „Wir spielen heute für eine Welt von morgen“ – dieses Motto durchzieht auch die neue Saison des ORF RSO Wien. Der 1969 gegründete renommierte Klangkörper, der regelmäßig in großen Konzertsälen und bei internationalen Festivals präsent ist, weltweit gastiert und sich auch als Opern- und Filmorchester etabliert hat, befindet sich seit einigen Jahren in einer bewussten Weiterentwicklung: Aus dem klassischen Radio-Symphonieorchester wird zunehmend ein Medienensemble, das seine künstlerische Arbeit über alle Ausspielkanäle des ORF sichtbar und hörbar macht. Dabei bleibt die höchste künstlerische Qualität das Fundament bei jeglicher eingespielten, in Auftrag gegebenen oder live aufgeführten Musik. Markus Poschner kennt das ORF RSO Wien seit mehr als zehn Jahren und schätzt dessen Stärken – ob beim klassisch-romantischen Repertoire, Werken der Moderne oder zeitgenössischer Musik. Der 55-jährige Münchner ist leidenschaftlicher Musikvermittler, der für seine Offenheit und Neugier bekannt ist und sich auch vor musikalischen Grenzüberschreitungen nicht scheut. Welche neuen Wege er einschlagen will und wie er die Zukunft des ORF RSO Wien in finanziell angespannten Zeiten sieht, diskutiert Clarissa Stadler mit ihm live im „kulturMONTAG“-Studio.

5 nach 12 – PISA-Studie zur Lesekrise

Die kürzlich erschienene PISA-Studie zeichnet ein erschütterndes Bild in Sachen Lesekompetenz: Schülerinnen und Schüler weltweit und in Österreich können immer schlechter lesen. Laut OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gehen mit den schlechteren Leseleistungen auch Fähigkeiten zurück, die im Zeitalter von KI besonders wichtig sind: das Bewerten von Informationen, das Herstellen von Verbindungen zwischen verschiedenen Quellen und kritisches Hinterfragen des Gelesenen. Auch am Buchmarkt herrscht Alarmstimmung: Immer weniger Jugendliche greifen zum Buch, zuletzt sind die Buchverkäufe in dieser Zielgruppe um 30 Prozent zurückgegangen. Es herrscht Handlungsbedarf, nicht nur für den Vorsteher des deutschen Börsenvereins Sebastian Guggolz. Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt – ein Ergebnis, das sich nun unmittelbar an den Marktzahlen ablesen lässt. Diese müssten auch ein Weckruf an die Politik sein, braucht es doch umgehend konsequente Maßnahmen, um Bildung und Lesekompetenz zu verbessern. Denn Lesen ist immaterielle Infrastruktur: Wer lesen kann, ist auch in der Lage, die Haltung anderer zu verstehen, Widersprüche zu erkennen, kann Entscheidungen abwägen, eine differenzierte Meinung ausbilden und eigene Interessen formulieren. Öffentlichkeit organisiert sich immer stärker im digitalen Raum, die Lesefähigkeit wird damit eine noch wichtigere Voraussetzung demokratischer Mitgestaltung und Selbstbehauptung. Wie kann das für Bund und Länder zur obersten Priorität werden? Der „kulturMONTAG“ hat nachgefragt.

Dokumentation „Der Klang Europas – Bosnien und Herzegowina“ (23.15 Uhr)

Zum Auftakt des neuen, 45-minütigen Formats „Der Klang Europas“

In der ersten Folge der neuen Reihe begibt sich Regisseurin Heidi Neuburger-Dumancic auf der Suche nach dem Klang Europas nach Bosnien und Herzegowina, wo es insbesondere den Sevdah zu erkunden gibt. Die oft als „bosnischer Fado“ oder „bosnischer Blues“ bezeichnete Musik ist geprägt von Melancholie, Sehnsucht und großer emotionaler Intensität. Die Lieder, die sogenannten Sevdalinke, erzählen von Liebe und Herzschmerz, Verlust, Erinnerung und Zugehörigkeit. Zugleich vereint der Sevdah Einflüsse der zahlreichen Kulturen, die die Geschichte der Region über Jahrhunderte geprägt haben. Die filmische Spurensuche führt ausgehend von Wien nach Sarajevo, in die Herzegowina, bis nach Banja Luka in der Republika Srpska. Hier trifft man auf Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem reichen musikalischen Erbe auseinandersetzen und es auf ganz unterschiedliche Weise weiterentwickeln. Einer der eindrucksvollsten Sevdah-Interpreten der Gegenwart ist Božo Vrećo, der alte Traditionen mit modernem Zeitgeist verbindet und dabei bewusst mit Geschlechterklischees bricht.

Auch Musiker und Sevdah-Forscher Damir Imamović, die in Wien lebende Künstlerin Sanja Lasić, Historikerin Elma Hašimbegović, Saz-Spieler und Musikethnologe Zanin Berbić, die jungen Musikerinnen und Musiker der Band Dunjaluk sowie Sänger Igor Božanić kommen zu Wort. Sie erzählen von der Geschichte und Entwicklung eines Genres, das sich über drei Jahrhunderte entwickelt hat, im 19. Jahrhundert schriftlich festgehalten wurde und Mitte des 20. Jahrhunderts seine Blütezeit erlebt hat. Nach dem Jugoslawienkrieg Anfang der 1990er Jahre wurde der Sevdah für viele Menschen erneut zu einer wichtigen Ausdrucksform ihrer eigenen kulturellen Identität.

„Der Klang Europas – Bosnien und Herzegowina“ zeigt den Sevdah als lebendige, wandelbare Musik: als künstlerischen Ausdruck persönlicher Erfahrungen, als Erinnerungsraum und Möglichkeit, über ethnische, religiöse und nationale Differenzen hinweg Gemeinsamkeit zu stiften.

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