
Was wäre Hospiz ohne Ehrenamt?
HOSPIZ ÖSTERREICH fordert zum Welthospiztag bessere Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement
8.10.2026 – Mehr als 3,7 Millionen Menschen engagieren sich in Österreich freiwillig. Auch die Hospizbewegung ist aus diesem Engagement entstanden. Ehrenamtliche Mitarbeit ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Hospiz- und Palliativversorgung – und angesichts einer alternden Gesellschaft wichtiger denn je. Zum Welthospiztag am 10. Oktober fordert HOSPIZ ÖSTERREICH deshalb, das Ehrenamt strukturell abzusichern und stärker in die gesamte Versorgung einzubinden.
Unter dem Titel „WAS WÄRE HOSPIZ OHNE EHRENAMT?“ diskutierten heute EVA MASEL, Leiterin der Abteilung für Palliativmedizin und stellvertretende Ärztliche Direktorin des AKH Wien sowie Professorin an der MedUni Wien, BARBARA SCHWARZ, Präsidentin von HOSPIZ ÖSTERREICH, und SONJA THALINGER, Geschäftsführerin von HOSPIZ ÖSTERREICH, über die Zukunft des freiwilligen Engagements anlässlich des Welthospiztags am 10.10.2026 in der ERSTE Stiftung. Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich, war leider krankheitsbedingt verhindert.
EHRENAMT BEDEUTET ZEIT, NÄHE UND BEGLEITUNG
Ehrenamtliche Hospizbegleiter:innen begleiten schwerkranke und sterbende Menschen sowie ihre An- und Zugehörigen, hören zu, führen Gespräche, gehen spazieren, leisten Gesellschaft, entlasten und helfen dabei, persönliche Bedürfnisse und Wünsche auch in schwierigen Situationen zu ermöglichen. Ihre Aufgaben reichen von der direkten Begleitung über Trauerbegleitung bis zu Angeboten für Kinder und Jugendliche wie „Hospiz macht Schule“. Auch Menschen, die sich ohne Befähigungskurs zur Lebens-, Sterbe und Trauerbegleitung etwa bei Veranstaltungen, in der Organisation oder der Öffentlichkeitsarbeit engagieren, leisten einen wichtigen Beitrag.
_„_Ehrenamtlich heißt nicht unprofessionell. Ehrenamt ist Profession. Freiwillige bringen ihre Zeit, ihre Haltung und ihre eigenen Fähigkeiten ein. Damit das gelingt, braucht es aber klare Strukturen, fachliche Begleitung und gesellschaftliche Anerkennung_“,_ sagt SONJA THALINGER, Geschäftsführerin von HOSPIZ ÖSTERREICH.
PALLIATIVMEDIZIN BRAUCHT DAS EHRENAMT
Für EVA MASEL ist die Bedeutung des Ehrenamts auch aus medizinischer Sicht unbestritten. Die Hospizbewegung ist aus dem freiwilligen Engagement entstanden. Im klinischen Alltag erlebt sie, dass Ehrenamtliche Ressourcen anbieten können, die in Medizin, Pflege und Therapie oft fehlen.
_„_Ehrenamt ist kein Lückenfüller und keine günstige Entlastung für das Hauptamt. Ehrenamtliche bringen etwas ein, das Hauptamtliche oft nicht leisten können: Zeit. Zeit, dazusitzen, zuzuhören und auszuhalten. Das ist kein Nice-to-have, sondern ein integraler Teil eines guten Hospiz- und Palliativteams._“ _sagt_ _EVA MASEL, Leiterin der Abteilung für Palliativmedizin und stellvertretende Ärztliche Direktorin des AKH Wien sowie Professorin an der MedUni Wien
Damit diese Ressource erhalten bleibt, braucht es professionelle Koordination. Ehrenamtliche benötigen ebenso wie hauptamtlich Mitarbeitende Aus- und Weiterbildung, Supervision und verlässliche Ansprechpersonen. Dass Koordinationsstellen selbst mancherorts ehrenamtlich geführt werden, ist aus Sicht von Masel strukturell nicht nachhaltig.
EHRENAMTLICHE ALS MULTIPLIKATOR:INNEN
Geschulte und gut ausgebildete Ehrenamtliche in der Hospizarbeit wissen, wie man mit Sterben, Tod, Trauer und Vorsorge umgeht. Ihr sicherer und gelassener im Umgang mit Krisen, Krankheit und Verlust wirkt präventiv gegen Angst. Sie gehen beispielhaft voran, wenn es darum geht, Angehörige zu unterstützen und Vorsorgeentscheidungen zu treffen. Ehrenamtliche tragen ihr Hospizwissen auch in Familien, Betriebe, Vereine und Nachbarschaften. Und sie stärken etwas, das sich nicht in Geld bemessen lässt, nämlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
_„_Ehrenamtliche Hospizbegleiter:innen sichern die soziale Nachhaltigkeit: die Fähigkeit einer Gesellschaft, füreinander Sorge zu tragen. Und sie wirken darüber hinaus gegen die Vereinsamung einer alternden Gesellschaft. Ganz elementar ist auch das Motto „Wir gestalten das Leben bis zuletzt, wir wickeln nicht das Sterben ab – denn es geht uns darum, Menschen ein gutes und erfülltes Leben bis zuletzt zu ermöglichen_,“ _erklärt NORA TÖDTLING-MUSENBICHLER, Präsidentin der Caritas Österreich.
DER BEDARF WÄCHST – UND DAS EHRENAMT MUSS SICH VERÄNDERN
Der demografische Wandel, veränderte Familienstrukturen und eine zunehmend diverse Gesellschaft führen zu einem steigenden Bedarf an freiwilliger Begleitung. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen an ehrenamtliches Engagement. HOSPIZ ÖSTERREICH will deshalb neue Zugänge fördern und das hospizliche Ehrenamt stärker in jene Strukturen bringen, in denen Menschen leben und arbeiten: in Schulen und Ausbildung, Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Hauskrankenpflege, Primärversorgung, Krankenhäuser und andere Bereiche der Basisversorgung.
Dabei geht es auch um jene Menschen, die bisher von Hospizangeboten schwer erreicht werden. HOSPIZ ÖSTERREICH setzt sich dafür ein, dass alle Menschen, die in Österreich leben, das Angebot der ehrenamtlichen Hospizbegleitung nutzen können und unterstützt zudem die Entwicklung von CARING COMMUNITIES, in denen Sorge und Begleitung als gemeinsame zivilgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen werden.
EHRENAMT BRAUCHT POLITISCHE ABSICHERUNG
Damit der Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung gelingt, braucht es aus Sicht von HOSPIZ ÖSTERREICH eine verlässliche Finanzierung. Das Hospiz- und Palliativfondsgesetz sieht eine Drittelfinanzierung durch Bund, Länder und Sozialversicherung vor. Wenn der Ausbau auf Länderebene stockt, können auch die anderen vorgesehenen Mittel nicht vollständig abgerufen werden. HOSPIZ ÖSTERREICH fordert, dass der Hospiz- und Palliativfonds erhalten und ausgebaut wird sowie dazu vor allem transparente, aktuelle Informationen, eine konsequente Umsetzung des geplanten Ausbaus und die Einbindung von Expert:innen in langfristige Planungen.
Konkret fordert HOSPIZ ÖSTERREICH:
* PLANGEMÄSSE UMSETZUNG HOSPIZ- UND PALLIATIVFONDS
* VERLÄSSLICHE FINANZIERUNG VON AUS- UND WEITERBILDUNG
* FINANZIERTE KOORDINATIONSSTELLEN UND SUPERVISION
* BESSEREN VERSICHERUNGSSCHUTZ UND SPESENERSATZ
* PRAKTISCHE ERLEICHTERUNGEN, z.B. freien Zugang zu Fortbildungen und Symposien, freies Parken am Einsatzort, u.ä.
* stärkere VERNETZUNG VON HAUPT- UND EHRENAMT sowie der verschiedenen Trägerorganisationen
* FÖRDERUNG DER INTERPROFESSIONALITÄT DER TEAMS aus Medizin, Pflege, Therapie und Ehrenamt und Zusammenarbeit auf Augenhöhe
In Zeiten des Spardrucks sind auch Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen, die es sich leisten können, aufgefordert einen Beitrag zu leisten – etwa durch die Unterstützung von Ausbildungen und ehrenamtlichen Strukturen oder indem sie freiwilliges Engagement ihrer Mitarbeiter ermöglichen.
ZIEL: BEGLEITUNG DARF NICHT AN ORGANISATIONSGRENZEN ENDEN
Ein besonderer Zukunftsansatz ist die institutionsübergreifende Begleitung: Ehrenamtliche sollen Menschen nach Möglichkeit auf dem gesamten Weg der Versorgung begleiten können, auch wenn diese von einer Einrichtung in eine andere wechseln. Dafür braucht es bessere Vernetzung zwischen den Trägern und neue digitale Lösungen.
_„WIR MÜSSEN DAS EHRENAMT POLITISCH ABSICHERN – NICHT NUR MIT WORTEN, SONDERN MIT VERLÄSSLICHEN STRUKTUREN UND KONKRETEN RAHMENBEDINGUNGEN“, so das Fazit von BARBARA SCHWARZ, der Präsidentin von HOSPIZ ÖSTERREICH. Denn, wenn Hospiz und Palliative Care auch in Zukunft für alle Menschen zugänglich sein sollen, muss freiwilliges Engagement überall dort mitgedacht werden, wo Menschen füreinander da sind._
HOSPIZ ÖSTERREICH
Catrin Neumüller
+4369910814946
catrin.neumueller@hospiz.at
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