5. „Verbrauchertalk“ der AK Niederösterreich: Bezahlen zwischen Komfort und Risiko

AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser: „Technischer Fortschritt muss den Menschen dienen“

OB MIT BARGELD, KARTE, SMARTPHONE ODER KÜNFTIG SOGAR MITTELS KI-AGENT: WIE WIR BEZAHLEN, VERÄNDERT SICH RASANT. NEUE TECHNOLOGIEN MACHEN DAS EINKAUFEN IMMER BEQUEMER UND SCHNELLER, WERFEN ABER AUCH NEUE FRAGEN AUF: WIE SICHER SIND NEUE BEZAHLMÖGLICHKEITEN? BRINGEN SIE MEHR FREIHEIT ODER ERST RECHT ZUSÄTZLICHE KOSTEN UND RISIKEN? UND WAS PASSIERT MIT MENSCHEN, DIE MIT DER DIGITALISIERUNG NICHT SCHRITT HALTEN KÖNNEN ODER WOLLEN? „TECHNISCHER FORTSCHRITT MUSS DEN MENSCHEN DIENEN, NICHT UMGEKEHRT. ENTSCHEIDEND IST, DASS BEZAHLEN SICHER, TRANSPARENT UND FÜR ALLE ZUGÄNGLICH IST UND BLEIBT“, BETONT AK NIEDERÖSTERREICH-PRÄSIDENT UND ÖGB NÖ-VORSITZENDER MARKUS WIESER. BEIM 5. VERBRAUCHERTALK IM ARBEITNEHMER:INNENZENTRUM ST. PÖLTEN DISKUTIERTEN EXPERT:INNEN AUS WISSENSCHAFT, KONSUMENTENSCHUTZ, FINANZWIRTSCHAFT UND HANDEL ÜBER CHANCEN, RISIKEN UND NOTWENDIGE SPIELREGELN FÜR DIE BEZAHLWELT VON MORGEN.

Mag. Wolfgang Haunold, M.A., von der Österreichischen Nationalbank gab zum Einstieg einen Überblick über die aktuelle österreichische Zahlungslandschaft. In seinem Vortrag zeigte er anhand von Daten und Fakten die zunehmende Verschiebung von Barzahlung hin zu digitalen Zahlungsformen. Gleichzeitig stellte er sich deutlich gegen die immer lauter werdenden Bedenken in der Bevölkerung, Bargeld könnte abgeschafft werden. Konsument:innen sollen auch zukünftig die Wahlfreiheit haben, wie sie bezahlen möchten. Abschließend stellte er den digitalen Euro vor, mit dem künftig – unabhängig von amerikanischen Kreditkartenfirmen – sowohl online wie auch offline bezahlt werden kann.

Im zweiten Vortrag sprach Mag. Christoph Heinzle vom Zahlungsdienstleister Unzer über die Vorteile des digitalen Bezahlens. Er erklärte die Rolle des Zahlungsdienstleisters als Zwischenstelle zwischen Konsument:innen und Handel. Konkret beleuchtete er die vielfältigen Möglichkeiten, online zu bezahlen – von Kreditkarte über Google und Apple Pay bis hin zu Ratenkauf –, und gab einen Ausblick auf bevorstehende Entwicklungen: Stichwort Bezahlen über die KI.

Anschließend sprach Mag. Gerald Kühberger, MA, vom Handelsverband Österreich darüber, wie im Handel heute und in Zukunft bezahlt wird. Kosten, Konsumstimmung und Konjunktur beschäftigen die Branche. Längst nicht nur Konsument:innen, sondern auch Händler sind im Onlinebereich vermehrt von Betrug betroffen. Deshalb ist für den Handel neben dem Kostenfaktor zukünftig der Faktor Sicherheit zunehmend entscheidend.

Die rechtliche Perspektive beleuchtete Dr. Georg Tuder von der Finanzmarktaufsicht (FMA). Er zeigte auf, dass die Grenzen zwischen „klassischen“ Bank- und Zahlungsverkehrsunternehmen und technischen Dienstleistern sowie digitalen Plattformen zunehmend verschwimmen. Im Bereich des Zahlungsverkehrs stünden nicht nur technische Innovationen an, sondern auch Regulierungsbestrebungen, um den Themen Verbraucherschutz und Sicherheit gerecht zu werden.

Die Perspektive des Verbraucherschutzes nahm Dr.in Petra Leupold, LL.M. (UCLA) vom Verein für Konsumenteninformation in den Fokus. Sie skizzierte in ihrem Vortrag die weiter zunehmenden Probleme mit Betrugsmaschen im digitalen Zahlungsverkehr: Schadenssummen steigen, Maschen werden immer ausgefeilter, Angriffe mit KI-Unterstützung nehmen ebenso zu. Betroffen sind mittlerweile alle Altersgruppen, nicht mehr nur wenig digitalaffine Bevölkerungsgruppen. Anhand mehrerer Fallbeispiele zeigte sie die Problematik dieser Maschen und thematisierte die Rolle der Banken bei der Prävention von betrügerischen Handlungen. Wichtig sei ein institutionenübergreifender Schulterschluss, um wirksam gegen Phishing vorzugehen und Betrugsfälle zu verhindern.

Die wirtschaftspsychologische Perspektive lieferte Prof.in Dr.in Julia Pitters von der International University of Applied Sciences. Sie sprach über Zahlungsinstrumente und wie sehr unbewusste Faktoren die Wahl des Zahlungsinstruments beeinflussen. Sie zeigte auf, wie Menschen „mental buchführen“ und dass Kreditkartenzahlungen mental anders verbucht werden als Bargeldzahlung. Wie Bargeld psychologisch wirkt und warum die Angst vor dessen Abschaffung weit verbreitet ist, bildete den Kern ihres Vortrags.

Abschließend blieb noch Zeit für Diskussion, ebenfalls unter Moderation von Cornelia Ertl, die durch die gesamte Veranstaltung führte. Der Verbrauchertalk endete mit einem Resümee von AK Niederösterreich-Direktor-Stv. Christian Farthofer.

Gernot Buchegger, Pressesprecher des Präsidenten

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Niederösterreich

M: 0664/8134801; E: gernot.buchegger@aknoe.at

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