Netzwerktreffen thematisiert Schutz, Bildung und Sicherheit für ukrainische Kinder in Europa

Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung des Europarats im Austausch

Die Parlamentarische Versammlung des Europarats hat im Jahr 2024 ein Netzwerk zur Situation der ukrainischen Kinder eingerichtet. Heute kamen die Mitglieder im Parlament zusammen, um über Schutz, Bildung und Sicherheit für ukrainische Kinder in Europa zu diskutieren.

Die Eröffnungsworte sprachen die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, Nationalratsabgeordnete Petra Bayr, und die Netzwerk-Vorsitzende Olena Khomenko. Seitens des Gastgeberlandes sprachen Nationalratspräsident Walter Rosenkranz per Videobotschaft sowie Clemens Mayr-Harting, Leiter der Sektion EU, Internationales und Gesamtstaatliche Koordinierung im Bundeskanzleramt. Die stellvertretende Außenministerin der Ukraine Mariana Betsa hielt eine Keynote über die Situation ukrainischer Kinder in Europa. Sie betonte darin, dass es wichtig sei, dass die Kinder trotz Integration mit der Ukraine verbunden bleiben.

NATIONALRATSPRÄSIDENT ROSENKRANZ: KINDER SIND DIE ZUKUNFT

Kinder, die weltweit in Kriegsgebieten leben, seien unbeschreiblichen Schrecken ausgesetzt, sagte Nationalratspräsident Walter Rosenkranz in einer Videobotschaft. Die Situation der ukrainischen Kinder sei das drängendste Thema im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg. Es seien die Kinder von heute, die für den Wiederaufbau und die Zukunft des Landes verantwortlich sein werden. Deshalb sei es besonders wichtig, sie vor dem Trauma des Krieges zu bewahren – psychisch und physisch, in der Ukraine und im Ausland. Rosenkranz sprach daher seine Anerkennung für das Netzwerk aus, das die wichtigen Themen des rechtlichen Schutzes, der Gesundheit und der Bildung anspreche. Er hoffe, dass das Netzwerk eines Tages überflüssig sein werde und die ukrainischen Kinder eine gute Zukunft in einer freien und unabhängigen Ukraine genießen können, so der Nationalratspräsident.

BAYR: UKRAINISCHEN KINDERN NICHT NUR SCHUTZ, SONDERN KINDHEIT GEBEN

Die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, Nationalratsabgeordnete Petra Bayr, betonte in ihren Eröffnungsworten, dass Europa den ukrainischen Kindern nicht nur Schutz vor dem Krieg geben dürfe. Vielmehr gehe es darum, ihnen eine Kindheit zu ermöglichen. In Sicherheit anzukommen, sei nicht das Ende der Reise. Es brauche Schulen und Fürsorge, damit die Kinder aufwachsen können. Bayr strich dabei die Wichtigkeit von Sprache hervor. Schulen könnten diese Aufgabe aber nicht alleine stemmen. Integration dürfe gleichzeitig nicht bedeuten, die eigene Identität aufzugeben. Ein Kind könne sich in Wien zuhause fühlen und dennoch im Herzen mit der Ukraine verbunden sein. Das sei kein Widerspruch, sondern Europa, so Bayr. Auch die Kinder in der Ukraine dürften nicht in Vergessenheit geraten. Sie würden nach wie vor in Kellern und U-Bahn-Stationen lernen, während über ihnen Drohnen fliegen. Als Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats habe sie die ukrainischen Kinder weiterhin ganz oben auf ihrer Prioritätenliste, versicherte Bayr. Gerechtigkeit für die Ukraine müsse die Kinder mit einschließen.

Von Seiten der österreichischen Bundesregierung unterstrich Clemens Mayr-Harting, Sektionsleiter für EU, Internationales und Gesamtstaatliche Koordinierung im Bundeskanzleramt, die Unterstützung für die Ukraine. Die Kinder seien unter den vom Krieg am stärksten Betroffenen. Sie zu schützen und ihnen eine Zukunft zu ermöglichen, müsse daher eine gemeinsame europäische Priorität bleiben. Mayr-Harting strich insbesondere den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Unterstützung hervor. Beim Wiederaufbau der Ukraine gehe es nicht nur um Infrastruktur, sondern um Chancen für Kinder, betonte er.

Die Vorsitzende des Netzwerks zur Situation der ukrainischen Kinder Olena Khomenko drückte ihren Dank für die Unterstützung der Kinder aus. Neben den Mitgliedern des Netzwerks führte sie Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Pflegefamilien und zivilgesellschaftliche Organisationen an.

KEYNOTE ÜBER SITUATION DER UKRAINISCHEN KINDER

Die stellvertretende Außenministerin der Ukraine Mariana Betsa bezeichnete die ukrainischen Kinder als die vulnerabelste Gruppe. In der Ukraine würden sie durch Luftangriffe auf dem Weg in die Schule oder am Spielplatz getötet. Jene, die fliehen, müssten sich in einem neuen Land zurechtfinden. Während zu Beginn des Krieges der Schutz für Kinder im Vordergrund gestanden sei, habe sich der Fokus nun ausgeweitet auf langfristige Unterstützung, Bildung und Integration. Auch das psychologische Wohlbefinden müsse gefördert werden, denn viele ukrainische Kinder hätten mit Angst und Trauma zu kämpfen.

Wichtig sei, dass die Kinder mit der Ukraine verbunden bleiben, so Betsa. Sie führte etwa Sonntagsschulen oder bilinguale Angebote an, um ukrainischen Kindern in Europa die ukrainische Sprache auch im Ausland näherzubringen. Kinder und Jugendliche sollen motiviert werden, sich weiterhin als Teil der Ukraine zu sehen, damit sie eines Tages in die Ukraine zurückkehren, wenn es die Sicherheitssituation erlaube. Die stellvertretende Außenministerin der Ukraine rief außerdem alle Teilnehmenden auf, mehr über die Situation der von Russland entführten ukrainischen Kinder zu sprechen. Für die Ukraine könne es keinen gerechten Frieden geben, wenn die Kinder nicht zurückgebracht werden, betonte sie.

Unter den Teilnehmenden des Netzwerktreffens sind Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, Vertreterinnen und Vertreter der Ukraine, Expertinnen und Experten sowie Mitglieder der Zivilgesellschaft. Sie beschäftigen sich heute in drei Sessions mit dem Schutz und der Rechtssicherheit für ukrainische Kinder in Europa, deren Bildung und Integration sowie deren Gesundheitsversorgung. (Schluss) kar

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments.

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