23. Internationale Ausstellung der Triennale Milano: Mit „ENTANGLED RELATIONS – ANIMATED BODIES“ vertritt Sonja Bäumel Österreich

Der vom MAK beauftragte Österreich-Beitrag erweitert die Wahrnehmung der Grenzen unseres Körpers

Wien (OTS) – Mit der performativen und multisensorischen Installation „ENTANGLED RELATIONS – ANIMATED BODIES“ vertritt die Künstlerin Sonja Bäumel Österreich bei der 23. Internationalen Ausstellung der Triennale Milano. Unter dem Motto „Unknown Unknowns. An Introduction to Mysteries“ lenkt die diesjährige Triennale (Mailand, 15. Juli–11. Dezember 2022) den Blick auf die vielfältigen Unbekannten der technologischen, biologischen und klimatischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Beauftragt vom MAK und gefördert vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport der Republik Österreich, lotet Sonja Bäumel die Grenzen von menschlichen Körpern und deren lebenswichtige Beziehung zur mikrobiellen Welt aus. Der Österreich-Beitrag „ENTANGLED RELATIONS – ANIMATED BODIES“, der heute Donnerstag, 23.6.2022, im Rahmen einer Pressekonferenz im MAK vorgestellt wurde, lässt uns stutzen und erahnen, was es bedeuten könnte, wenn menschengemachte Grenzen rund um den Körper und das Verständnis vom menschlichen Selbst erweitert werden.

Sonja Bäumel: „Der Mensch ist ein wandelndes Biotop. Hunderttausende Mikroorganismen, darunter Bakterien, Archaeen, Eukaryoten, Viren, Hefen und Parasiten, leben in, auf und um menschliche Körper und halten sie am Leben. Wie sehr wir es auch versuchen, wir können uns den lebenswichtigen Verflechtungen mit der mikrobiellen Welt nicht entziehen. Was wäre, wenn wir uns den menschlichen Körper nicht als etwas Singuläres vorstellen, sondern als einen Ort, an dem es keine Kategorien wie Spezies und Geschlecht gibt, als einen Ort der vielfältigen sozialen und biologischen Verwobenheit?“

Die Idee dieser speziesübergreifenden Form übersetzt Bäumel in eine spektakuläre Installation: Eine überlebensgroße, 40.000-fach vergrößerte Amöbe, die auf Basis von Daten des Science Visualization Lab der Universität für angewandte Kunst Wien entwickelt und in monatelanger Handarbeit von der Künstlerin in Zusammenarbeit mit Vitalie Leșan produziert wurde, lässt den menschlichen Körper klein und fragil erscheinen. Die eindrucksvolle Skulptur aus Papiermaché expandiert in den Raum und geht eine symbiotische Beziehung mit den transparenten Fragmenten einer menschlichen Figur ein, die von der Choreografin und Performerin Doris Uhlich zum Leben erweckt wird.

Die Installation wird durch eine dynamische Projektion einer echten Amöbe nach Videoaufnahmen des niederländischen Künstlers Wim van Egmond überlagert, die mit Unterstützung des Dynamic Projection Institute entwickelt wurde. Für die akustische Übertragung der mikrobiellen Welt in den Raum sorgt ein von Sonja Bäumel gemeinsam mit Eva Mahhov speziell entwickelter Sound.

Durch die Verschiebung und Fragmentierung der sogenannten „Körpergrenzen“ macht Bäumel auf die Interdependenz zwischen den sich bewegenden, sehenden und berührenden Körpern und ihrem ständigen Austausch mit mikrobiellen Milieus aufmerksam und enthüllt unerkannte Formen von Bewegung, Intelligenz und Kommunikation. Bäumel liefert Anstöße, den Status von Mikroben als „Krankheitserreger“ zu überdenken, um die Beziehungen zwischen verschiedenen Lebensformen und überlebenswichtige Symbiosen neu zu definieren.

„ENTANGLED RELATIONS – ANIMATED BODIES“ erweitert zudem die tradierte Praxis anatomischer Zeichnungen und Modelle, für die paradoxerweise immer der tote Körper herangezogen wird. Inspiriert von der Erkenntnis, dass der lebende Körper in Abbildungen von Körpern grundsätzlich absent ist, setzt Bäumel die Performance – eine Kunstform der Vergänglichkeit – als wichtiges Element in aktualisierten, zeitgenössischen, dynamischen Körpermodellen ein. Ihre performative Installation birgt damit auch das Potenzial, das anatomische Modell als fluides Ökosystem zu betrachten, in dem Wissenschaft und Imagination in einen wechselseitigen Dialog treten.

An ausgewählten Terminen wird eine Performance, die Doris Uhlich gemeinsam mit Sonja Bäumel entwickelte, die Wechselbeziehung von Mensch und Mikroorganismen auch erlebbar machen.

Bereits im Jahr 2019 nahm das MAK mit EOOS an der 22. Internationalen Ausstellung der Triennale Milano „Broken Nature. Design Takes on Human Survival“ teil. Der österreichische Beitrag „CIRCULAR FLOWS: The Toilet Revolution!“ wurde damals mit dem Silbernen Black Bee Award ausgezeichnet.

Der diesjährige Österreich-Beitrag „ENTANGLED RELATIONS – ANIMATED BODIES“ knüpft nahtlos an das Thema der 23. Internationalen Ausstellung „Unknown Unknowns. An Introduction to Mysteries“ an. Unter der kuratorischen Leitung von Ersilia Vaudo, Astrophysikerin und Chief Diversity Officer der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), eröffnet die Triennale interdisziplinäre Perspektiven zu den vielen Unbekannten auf unserem Planeten: von der Erforschung des Weltraums bis zu den Mikrokosmen des Lebens auf der Erde.

ENTANGLED RELATIONS – ANIMATED BODIES
Ein Projekt von Sonja Bäumel, beauftragt vom MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien

Ausstellungsort
Triennale Milano
Viale Emilio Alemagna 6, 20121 Mailand, Italien

Ausstellungsdauer
15. Juli–11. Dezember 2022

Kommissärin
Lilli Hollein, Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin, MAK

Kuratorin
Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur, Kustodin Sammlung Design, MAK

Künstlerisches Konzept und Umsetzung
Sonja Bäumel

Förderung
Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport der Republik Österreich

Performance und Choreografie
Sonja Bäumel und Doris Uhlich

Videoprojektion „Amoeba“
Wim van Egmond

Sound
Sonja Bäumel, Eva Mahhov

Papiermaché-Skulpturen
Sonja Bäumel, Vitalie Leșan

Künstlerische Kooperation
Universität für angewandte Kunst Wien, Science Visualization Lab Alfred Vendl, Martina R. Fröschl

Universität für angewandte Kunst Wien, Studio Buch und Papier Beatrix Mapalagama

Wissenschaftliche Kooperation
ISTA – Institute of Science and Technology Austria, Sixt-Grou Prof. Dr. Michael Sixt

Mit freundlicher Unterstützung von
Dynamic Projection Institute, Ihr Partner für innovative dynamische Projektionen, Made in Austria

4YOUREYE projektionsdesign & -technik gmbh

Österreichisches Kulturforum Mailand

Pressefotos stehen unter MAK.at/presse zum Download bereit.

MAK-Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung)
Sandra Hell-Ghignone, Ulrike Sedlmayr
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