Erika Freeman ist Ehrenbürgerin der Stadt Wien

Bürgermeister Ludwig überreichte die Urkunde an die Psychoanalytikerin und Zeitzeugin

Am Montag wurde die Psychoanalytikerin und Zeitzeugin Erika Freeman im Rathaus zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ernannt. Bürgermeister Michael Ludwig überreichte die Urkunde im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Politik und Verwaltung, darunter auch die zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures oder Bundespräsident a.D. Heinz Fischer, der die Laudatio hielt. Im Anschluss an die Zeremonie, enthüllte Bürgermeister Ludwig zusammen mit Freeman die nun um ihren Namen ergänzte, marmorne Ehrentafel vor dem Stadtsenatssitzungssaal im Rathaus.

Bürgermeister Ludwig hob in seiner Begrüßung Freemans persönliches und berufliches Wirken hervor, durch das „sie die in Wien verwurzelte Psychoanalyse in die Welt getragen“ habe. Als renommierte Psychoanalytikerin habe Freeman außerdem vielen Menschen geholfen, darunter auch prominente Hollywoodstars. Trotz ihres schrecklichen Schicksals, habe es Freeman geschafft, „wieder einen Zugang zu ihrer Heimatstadt zu finden und Frieden zu schließen“. Es sei eine „herausragende und beeindruckende Leistung, die Traumata von Vertreibung und Exil zu verarbeiten, den Hass zu überwinden und wieder an das Gute im Menschen zu glauben“, so der Bürgermeister am Ende seiner Rede. 

Bundespräsident a.D. Heinz Fischer referierte Freemans Werdegang inklusive „aller Schrecken, die sie als Kind erleben musste“. Freemans Vater gelang 1938 die Flucht nach Prag, wo er im Ghetto Theresienstadt interniert wurde. Dass ihm von dort die Flucht in die USA gelang, erfuhr Freeman erst viele Jahre später, als sie ihren totgeglaubten Vater durch einen Zufall in New York wieder traf. Ihre Mutter konnte aus der Gefangenschaft eines Konzentrationslagers fliehen und heimlich als „U-Boot“ in Wien leben, wurde aber wenige Tage vor Kriegsende bei einem Bombenangriff getötet. All das musste Freeman bereits in jungen Jahren erfahren, trotzdem sei sie „nie verbittert oder an den Geschehnissen zerbrochen“. Stattdessen hatte Freeman „die Qualifikation, Kraft und das Einfühlungsvermögen, zu einer Koryphäe der Psychoanalyse aufzusteigen“. Für das Ziel, „die Schrecken ab 1938 aufzuarbeiten, habe Freeman enorm viel geleistet und gearbeitet.“ Man könne aus der Vergangenheit „nichts wieder gut machen, es aber erfolgreich aufarbeiten“. Jetzt Ehrenbürgerin der Stadt Wien zu sein, sei eine Anerkennung und Wertschätzung für ihr Lebenswerk, so der ehemalige Bundespräsident abschließend.

ZUR PERSON

Erika Freeman wurde 1927 als Erika Polesiuk in Wien geboren und wohnte mit ihrer Familie im 2. Bezirk. In den 1930er Jahren erlebte sie den zunehmenden Antisemitismus und die nationalsozialistische Machtübernahme. Im Februar 1940 flüchtete sie im Alter von 12 Jahren über Rotterdam mit dem Schiff nach New York, wo sie bei Verwandten unterkam. Sie studierte Psychologie und arbeitete als Sekretärin in der Außenstelle der Jewish Agency. 1954 heiratete sie den Grafiker, Bildhauer und Kalligrafen Paul K. Freeman. 1964 promovierte sie mit einer Arbeit über die Stellung der Familie im Kibbutz. Nach ihrer Scheidung im Jahr 1980 hebräisierte sie ihren Geburtsnamen sie zu “Padan” und trat fortan auch als Erika Padan Freeman in Erscheinung. Im Rahmen ihrer Tätigkeit beriet sie viele Politiker*innen darunter die ehemalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir und diverse Hollywoodstars wie Marilyn Monroe, Marlon Brando, Woody Allen und andere. Freeman setzt sich seit 2007 im Rahmen des Projekts “A Letter To The Stars” als Zeitzeugin gegen das Vergessen ein. 2017 erhielt sie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 2022 nahm Freeman wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an und ist heute US-amerikanisch-österreichische Doppelstaatsbürgerin.

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