
Bundesergebnisbericht des 1. Zyklus der individuel-len Kompetenzmessung PLUS (iKMPLUS) – Primarstufe
Bildungsminister Christoph Wiederkehr: „Die iKMPLUS-Ergebnisse geben uns ein umfassendes Bild darüber, wie es Österreichs Schülerinnen und Schülern im Erreichen der Grundkompetenzen in Deutsch und Mathematik geht. Dieser Bericht ist ein massiver Fortschritt, echte datenbasierte Schulentwicklung wird möglich und wird konsequent umgesetzt. Entscheidend ist nun, dass wir diese Daten auf allen Ebenen verantwortungsvoll nutzen, gemeinsam reflektieren und konsequent für eine kontinuierliche Verbesserung von Unterricht und Schule einsetzen.
Die heute veröffentlichten Ergebnisse sind in Mathematik sehr erfreulich, in Lesen und Schreiben sehen wir vor allem an sozioökonomisch benachteiligten Schulen noch Aufholbedarf – auch wenn es auch hier einige erfreuliche Ausreißer gibt. Der Bericht ist mehr als eine reine Bestandsaufnahme, er ist für uns ein klarer Arbeitsauftrag und bestätigt uns im bisher eingeschlagenen Kurs. Mit Maßnahmen wie gezielter Deutschförderung und der Einführung des Chancenbonus werden wir gezielt gegensteuern. Unser Ziel muss es sein, dass alle Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der Pflichtschulzeit definierte Grundkompetenzen erfolgreich erwerben.“
Jährlich erhebt die iKMPLUS Kompetenzen in Deutsch und Mathematik auf der 3. und 4. Schulstufe. Die Ergebnisse liegen an den Schulen unmittelbar nach der Erhebung vor und dienen als Grundlage für eine frühe, diagnosebasierte Förderung der Schülerinnen und Schüler. Die iKMPLUS leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Grundkompetenzen und zur datenbasierten Unterrichtsentwicklung.
Mit dem ersten Bundesergebnisbericht der iKMPLUS stehen nun auch österreichweite und bundeslandspezifische Daten zur Verfügung. Berichtet werden die Ergebnisse der 4. Schulstufe aus drei aufeinanderfolgenden Schuljahren (2022/23 bis 2024/25). Dies gibt Aufschluss darüber, wie gut Österreichs Schülerinnen und Schüler am Ende der Volksschule die Bildungsstandards im Dreijahresschnitt erreichen. Die Daten bieten umfassende Grundlagen für eine evidenzbasierte Bildungspolitik, Bildungsverwaltung und Schulentwicklung.
DIE WICHTIGSTEN ERGEBNISSE IM ÜBERBLICK
Die vorliegenden Ergebnisse zeigen für die Jahre 2023-2025 in allen erhobenen Kompetenzbereichen einen größeren Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Bildungsstandards erreichen oder übertreffen als noch in den Jahren davor. Betrachtet man die an Österreichs Schulen erzielten Ergebnisse in Punkten, so zeigt sich auch hier ein Aufwärtstrend bzw. eine Stabilisierung in den beobachteten Mittelwerten.
* In Mathematik erreichen/übertreffen 84 % der Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards. (vgl. 2010: 66 %, 2013: 77 %, 2018: 82 %).
* In Deutsch (Lesen) erreichen/übertreffen 59 % der Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards (vgl. 2010: 54 %, 2015: 62 %).
* In Deutsch (Zuhören) erreichen/übertreffen 65 % der Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards (vgl. 2015: 63 %).
* In Deutsch (Verfassen von Texten, Textproduktion) erreichen/übertreffen 43 % der Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards (vgl. 2015: 40 %).
* Die beobachteten Mittelwerte verbessern sich gegenüber den Vorjahren bzw. bleiben stabil
* Mathematik: 500 Punkte (2010: 440 Pkte., 2013: 474 Pkte., 2018: 492 Pkte.)
* Deutsch (Lesen): 500 Punkte (2010: 478 Pkte., 2015: 502 Pkte.)
* Deutsch (Zuhören): 500 Punkte (2015: 496 Pkte.)
* Deutsch (Verfassen von Texten, Textproduktion): 500 Punkte (2015: 493 Pkte.)
BEDEUTUNG DER SOZIOÖKONOMISCHEN AUSGANGSLAGE
Die sozioökonomische Ausgangslage (SÖL) einer Schule steht in einem deutlichen Zusammenhang mit den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. In Schulen mit der höchsten sozioökonomischen Ausgangslage erreichen/übertreffen 91 % die Bildungsstandards in Mathematik und 70 % in Deutsch (Lesen). An Schulen mit der niedrigsten sozioökonomischen Ausgangslage sind es nur 61 % in Mathematik bzw. 26 % in Deutsch Lesen.
Ausnahmen bestätigen die Regel: Es gibt Schulen, die trotz niedriger sozioökonomischer Ausgangslage (SÖL 1 & 2) weit über ihrem Erwartungswert liegen und Ergebnisse erreichen, die mit den Mittelwerten der SÖL-Kategorie 6 vergleichbar sind.
Kompetenzunterschiede zwischen Schulen unterschiedlicher SÖL-Kategorie:
* Der Abstand zwischen Schulen der niedrigsten und der höchsten SÖL-Kategorie entspricht in Mathematik mit einem Mittelwertunterschied von 92 Punkten etwa 15 Lernmonaten, in Deutsch (Lesen) mit 107 Punkten Abstand sogar rund 22 Lernmonaten.
* Die größten Unterschiede zeigen sich zwischen den SÖL-Kategorien 1 bis 3, Schulen der Kategorien 4 bis 6 unterscheiden sich deutlich weniger in ihren Leistungen.
* Während an Schulen der SÖL-Kategorie 6 nur 9 % (Mathematik) bzw. 30 % (Deutsch Lesen) die Bildungsstandards nicht/nur teilweise erreichen, betrifft dies an Schulen der SÖL-Kategorie 1 insgesamt 39 % bzw. 74 % der Kinder.
REGIONALE UNTERSCHIEDE IN DEN ERGEBNISSEN
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern fallen moderat aus. In Mathematik unterscheiden sich 6 von 9 Bundesländern nicht bedeutsam vom Österreich-Mittelwert. Nur die Bundesländer Burgenland, Vorarlberg und Wien weichen in mehreren Kompetenzbereichen bedeutsam vom Österreich-Durchschnitt ab. In Deutsch (Lesen) unterscheiden sich 5 von 9 Bundesländern bedeutsam vom Österreich Durchschnitt: Burgenland, Kärnten, Salzburg und Wien.
* Das Burgenland erzielt in allen Kompetenzbereichen die besten Ergebnisse im Bundesländervergleich. 91 % der dortigen Schülerinnen und Schüler übertreffen/erreichen die Bildungsstandards in Mathematik, 71 % in Deutsch (Lesen).
* Wien weist von allen Bundesländern die niedrigsten Werte auf. Hier erreichen/übertreffen 77 % die Bildungsstandards in Mathematik und 48 % in Deutsch (Lesen), gefolgt von Vorarlberg mit 81 % in Mathematik und 55 % in Deutsch (Lesen).
* Während 58 % der Wiener Volksschulen in die SÖL-Kategorie 1 und 2 fallen (im restlichen Österreich sind es im Vergleich dazu 13 %), erreichen Wiener Schulen in allen SÖL-Kategorien meist bessere Werte als Schulen mit gleicher SÖL in den übrigen Bundesländern, in den Kategorien 4 bis 6 sogar bedeutsam bessere.
* Auf Basis der demografischen Zusammensetzung der Schüler/innenpopulation werden für alle Bundesländer sogenannte Erwartungswerte berechnet. Hier zeigt sich, dass die meisten Bundesländer in ihrem Erwartungsbereich liegen, während das Burgenland und Salzburg ihren Erwartungswert übertreffen.
LANDESHAUPTSTÄDTE UND STÄDTE MIT ÜBER 25.000 EINWOHNER/INNEN IM VERGLEICH
* 9 von 20 analysierten Städten liegen in Mathematik bedeutsam unter dem jeweiligen Bundeslandmittel, in Deutsch (Lesen) sind es 12 von 20.
* Wien, Klagenfurt, Dornbirn, Bregenz, Leonding, Baden und Krems liegen in Mathematik und Deutsch (Lesen) im oder über dem Mittelwert ihres Bundeslands. Klosterneuburg übertrifft das Bundeslandmittel mit großem Abstand. Am weitesten hinter das Bundeslandmittel zurück fällt Wels gefolgt von Traun.
* In Mathematik erreichen die Städte Wels, Traun, Feldkirch, Innsbruck, Wiener Neustadt und Steyr die geringsten Mittelwerte, gefolgt von Bregenz und Wien; Klosterneuburg, Baden, Krems, Eisenstadt, Leonding und Klagenfurt die höchsten. In Deutsch (Lesen) zeigt sich ein vergleichbares Bild.
FAZIT
Mit dem ersten Bundesergebnisbericht zeigt sich eine kontinuierliche Verbesserung in allen Kompetenzbereichen seit Einführung der Bildungsstandardüberprüfungen. Besonders in Mathematik erzielen Schülerinnen und Schüler stetig bessere Ergebnisse, während die Leistungen in Deutsch sich leicht verbessern bzw. stabil bleiben. Vor dem Hintergrund pandemiebedingter Schulschließungen und der beobachteten demografischen Veränderungen ist dies insgesamt als positiv zu bewerten.
Gleichzeitig besteht, insbesondere an Schulen mit niedriger sozioökonomischer Ausgangslage, Handlungsbedarf. Die vorliegenden Ergebnisse der iKMPLUS bestätigen, dass der sozioökonomische Hintergrund nach wie vor in einem starken Zusammenhang mit dem Bildungserfolg steht. Gleichzeitig zeigen sich aber auch Regionen und Schulen, die trotz schwieriger Ausgangslagen überdurchschnittliche Leistungen erzielen.
Diese Schulen gilt es gezielt zu unterstützen. Mit dem Start des Chancenbonus-Programm im nächsten Schuljahr und der Ressourcenaufstockung im Bereich der Deutschförderung gehen Mittel und Schulentwicklungsunterstützung an jene Schulen, die es am dringendsten benötigen und die durch exzellenten Unterricht versuchen, soziodemografische Ungleichheiten auszugleichen und Lernprozesse in heterogenen Gruppen so zu gestalten, dass alle Schüler/innen am Standort davon profitieren.
BMB
Susanne Leiter
Pressesprecherin
Telefon: +43 1 53120-5006
E-Mail: susanne.leiter@bmb.gv.at
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