34 Nationalratsabgeordnete setzen parteiübergreifendes Zeichen gegen die Verfolgung der Bahá’í im Iran

Gemeinsame Erklärung fordert die sofortige Freilassung von Peyvand und Borna Naimi sowie aller zu Unrecht inhaftierten Gewissensgefangenen

34 Nationalratsabgeordnete verschiedener politischer Parteien haben sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen die zunehmende Verfolgung und Stigmatisierung der Bahá’í-Gemeinde im Iran ausgesprochen. Sie fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung von Peyvand und Borna Naimi, aller aufgrund ihres Glaubens inhaftierten Bahá’í sowie sämtlicher zu Unrecht inhaftierter Gewissensgefangener im Iran.

Die Bahá’í bilden die größte nicht-muslimische religiöse Minderheit im Iran, werden jedoch in der iranischen Verfassung nicht anerkannt und sind seit Jahrzehnten systematischer staatlicher Verfolgung ausgesetzt. Human Rights Watch kam 2024 zu dem Schluss, dass die jahrzehntelange Verfolgung der Bahá’í durch die iranischen Behörden den Tatbestand des Verbrechens gegen die Menschlichkeit der Verfolgung erfüllt. Insbesondere in Zeiten politischer Krisen verschärft sich der Druck: Bahá’í werden als Sündenböcke stigmatisiert und sind willkürlichen Inhaftierungen, Hausdurchsuchungen, Enteignungen und Hasspropaganda ausgesetzt.

Die Cousins Peyvand Naimi, 30, und Borna Naimi, 29, befinden sich seit Januar beziehungsweise März 2026 willkürlich in Haft im Gefängnis von Kerman. Berichten zufolge wurden sie schwer gefoltert, Scheinhinrichtungen ausgesetzt und zu falschen Geständnissen gezwungen.

Ihr Schicksal verdeutlicht zugleich, wie sich die staatliche Repression gegen die Bahá’í seit der Revolution von 1979 über Generationen hinweg auf ganze Familien auswirkt. Ihr Großvater Monir Naimi wurde am 8. August 2026 unter behördlicher Kameraüberwachung beigesetzt. Auch im Tod setzt sich die Diskriminierung fort: Seit 2019 dürfen Bahá’í ihre Verstorbenen nicht mehr auf dem historischen Bahá’í-Friedhof von Kerman bestatten, den die Gemeinschaft rund 80 Jahre lang genutzt hatte. Monir Naimis Leichnam musste deshalb rund 120 Kilometer in die Nähe von Rafsanjan gebracht werden, wo den Bahá’í ein abgelegenes Gelände in einer Wüstenregion als Begräbnisstätte zugewiesen wurde.

„Wir sind zutiefst erschüttert über die Situation von Peyvand und Borna Naimi“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Nationalratsabgeordneten. Unter Verweis auf Berichte der Vereinten Nationen und von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch und dem Center for Human Rights in Iran betonen sie, dass die beiden aufgrund ihres Glaubens inhaftiert sind, und fordern ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.

Die Bahá’í-Religionsgemeinschaft in Österreich begrüßt diese breite Unterstützung. Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem die Obfrau des Außenpolitischen Ausschusses des Nationalrates, Petra Bayr, sowie der Obmann des Ausschusses für Menschenrechte und Volksanwaltschaft, Nikolaus Scherak.

Isma Forghani, Menschenrechtsbeauftragte der Bahá’í-Religionsgemeinschaft in Österreich, erklärt: „Wir sind unseren Nationalratsabgeordneten für dieses starke, parteiübergreifende Zeichen der Solidarität außerordentlich dankbar. Es kommt zu einem besonders schmerzlichen Zeitpunkt: Für Peyvand Naimi beginnt der achte Monat in Haft, für Borna Naimi der sechste. Erst vor wenigen Tagen ist ihr Großvater Monir Naimi verstorben. In seinen letzten Lebensjahren musste er miterleben, wie sechs seiner Enkelkinder inhaftiert wurden – eine seiner Enkelinnen sogar während ihrer Schwangerschaft. Peyvand und Borna wurde es verwehrt, an der Beerdigung ihres Großvaters teilzunehmen und von ihm Abschied zu nehmen. Sie – und mit ihnen die vielen anderen unschuldig Inhaftierten – brauchen unsere Aufmerksamkeit und unseren Einsatz für ihre Freilassung. Dass die Erklärung für weitere Unterschriften offenbleibt, ist ein ermutigendes Zeichen. Die Botschaft an die Verfolgten ist klar: Sie sind nicht vergessen.“

Zu den unterzeichnenden Nationalratsabgeordneten zählen zählen Katrin Auer, Petra Bayr, Michael Bernhard, Henrike Brandstötter, Meri Disoski, Fiona Fiedler, Elisabeth Götze, Ines Holzegger, Janos Juvan, Carmen Jeitler-Cincelli, Werner Kogler, Kai Jan Krainer, Gudrun Kugler, Martina von Künsberg-Sarre, Robert Laimer, Klaus Mair, Christoph Matznetter, Sigrid Maurer, Andreas Minnich, Barbara Neßler, Dominik Oberhofer, Christian Oxonitsch, Agnes Prammer-Sirkka, Carina Reiter, Ralph Schallmeiner, Sabine Schatz, Nikolaus Scherak, Alois Schroll, Klaus Seltenheim, Yannick Shetty, Paul Stich, David Stögmüller, Barbara Teiber und Pia Maria Wieninger.

Auch der österreichische Europaabgeordnete Helmut Brandstätter hat sich der Erklärung angeschlossen. Bereits zu Beginn von Peyvand Naimis Inhaftierung machte er öffentlich auf dessen Situation aufmerksam und forderte ein Ende von „Folter, Scheinhinrichtungen und endlosen Verhören“.

Der österreichische Europaabgeordnete Reinhold Lopatka machte Ende Mai in einer Rede im Europäischen Parlament ebenfalls auf die massive Repression im Iran und die Lage religiöser Minderheiten, darunter die Bahá’í, aufmerksam.

Die österreichische Erklärung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender internationaler Besorgnis. In einer gemeinsamen Erklärung vom 29. Juli 2026 äußerten 13 UN-Sonderberichterstatter und unabhängige Menschenrechtsexperten ihre tiefe Besorgnis über willkürliche Verhaftungen, erzwungenes Verschwindenlassen, Folter und andere Misshandlungen von Angehörigen der iranischen Bahá’í-Gemeinde.

Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem Nazila Ghanea, UN-Sonderberichterstatterin für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Nicolas Levrat, UN-Sonderberichterstatter für Minderheitenfragen, Mai Sato, UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage im Iran, sowie Alice Jill Edwards, UN-Sonderberichterstatterin über Folter.

Die UN-Experten hoben die Fälle von Peyvand und Borna Naimi besonders hervor und verwiesen zugleich auf weitere inhaftierte Bahá’í, darunter Payam Vali, Roya Sabet und Artin Ghazanfari. Sie bezeichneten die Entwicklung als Teil eines umfassenderen Musters „eskalierender Unterdrückung“ und warnten, dass dringende Maßnahmen erforderlich seien, „um irreparablen Schaden abzuwenden“.

Simin Fahandej, Vertreterin der Bahá’í International Community bei den Vereinten Nationen in Genf, erklärt: „Die weltweite Welle der Unterstützung für Peyvand und Borna sowie für die Bahá’í im Iran sendet eine klare Botschaft an die iranische Regierung: Die internationale Gemeinschaft steht hinter diesen beiden unschuldigen jungen Bahá’í und der Bahá’í-Gemeinde, die seit Jahrzehnten religiöser Verfolgung ausgesetzt ist.“

„Nach den bis zum 14. August 2026 von der Bahá’í International Community bestätigten Informationen befinden sich derzeit 55 Bahá’í aufgrund ihres Glaubens in Haft. Besonders auffällig ist der hohe Anteil von Frauen. Unter den Inhaftierten befinden sich auch junge Menschen. Einer von ihnen, Parsa Najafi, musste erst kürzlich seinen 20. Geburtstag in Haft verbringen. Weitere 21 Bahá’í werden mittels elektronischer Fußfesseln überwacht. Mehr als 400 aktuelle Fälle staatlicher Menschenrechtsverletzungen gegen Bahá’í sind im gesamten Iran dokumentiert und selbst diese Zahl erfasst das tatsächliche Ausmaß der Verfolgung nicht vollständig. Ich lade alle dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen und die _Archives of Bahá’í Persecution in Iran_ zu konsultieren. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, Familien und Schicksale. Sie werden nicht für das verfolgt, was sie getan haben, sondern für das, was sie glauben.“ so Isma Forghani.
GEMEINSAME ERKLÄRUNG ÖSTERREICHISCHER ABGEORDNETER, 19. AUGUST 2026

Menschenrechtsbeauftragte
Mag Isma Forghani
Telefon: public@at.bahai.org

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