Feuerwehr im Dauer-Waldbrand-Einsatz: Mitglieder und Budget gefordert

55.000 Feuerwehrmitglieder waren heuer bei rund 3.500 Wald- & Vegetationsbränden im Einsatz. Seit 2020 wurden über 20 Mio. Euro Feuerwehrbudget in Spezialausrüstung investiert.

FEUERWEHR FORDERT FINANZIERUNG DER ERFORDERLICHEN AUSSTATTUNG UND AUSBILDUNG ZUR WALDBRANDBEKÄMPFUNG UND DIE ABSICHERUNG DER HUBSCHRAUBER-VERFÜGBARKEIT.

Die Extremwetterereignisse häufen sich. Das bedeutet nicht zwingend immer mehr, aber auf jeden Fall intensivere Einsätze. Im Jahr 2026 kam es seit dem Frühjahr zu einer Häufung von extrem fordernden Waldbrand-Einsätzen, die alle Bundesländer betrafen.

„Waldbrände haben meist unmittelbare Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Intensive Brände gefährden Menschen und Siedlungen, verringern die wichtige Schutzfunktionalität der Wälder, führen zu erhöhter Erosion und sorgen für stetig steigende Kosten bei der Brandbekämpfung sowie für notwendige Maßnahmen nach dem Ereignis“, steht bereits im Aktionsprogramm „Brennpunkt Waldbrand“, das gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen erarbeitet und im Jahr 2022 vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft herausgegeben wurde.

ÖSTERREICHWEITE HERAUSFORDERUNGEN TROTZ REGIONALER UNTERSCHIEDE

Die Feuerwehr in Österreich liegt in der Zuständigkeit der neun Bundesländer und unterliegt somit dem Landesrecht. Waldbrände allerdings befinden sich in Bundes-Zuständigkeit. Zur Waldbrandbekämpfung nutzt der Bund das System der Länder und Gemeinden.

Aufgrund der unterschiedlichen Topografie machen sich je nach Region unterschiedliche Herausforderungen bemerkbar. Die erschwerte Zugänglichkeit in steilem, unwegsamem hoch- bzw. voralpinem Gelände – häufig in Schutzwald- und Quellschutzgebieten – fordern Einsatzkräfte, während andernorts Munitionsbelastung für eine zusätzliche Gefährdung sorgt. Wälder sind Erholungs- und Lebensraum für Mensch und Tier und erfüllen eine wichtige Rolle für das Klima. Als “grüne Lunge” sind wir auf eine reiche Vegetation angewiesen, weshalb neben der Brandbekämpfung auch der Schutz und die Pflege der Wälder entscheidend für die Zukunft sind.

Österreichweit verbunden werden diese kräfteraubenden Einsätze durch folgende Tatsachen:

* Der rasche Einsatz von Hubschraubern ist durchgehend einsatzentscheidend. Je schneller der Brand aus der Luft bekämpft werden kann, desto rascher kann dieser unter Kontrolle gebracht werden.
* Die Gleichzeitigkeit mehrerer Einsätze sowie die Notwendigkeit der Reservenbildung erschweren die Ressourcenverteilung. Auch wenn es österreichweit ein flächendeckendes und lückenloses Feuerwehrsystem gibt, erfordern Spezialisierungen eine gesonderte Betrachtung. Durch den Einsatz von erforderlichen Sonderfahrzeugen und Hubschraubern, durch den zusätzlichen erhöhten Ausbildungsbedarf bei den Mitgliedern und die Tatsache, dass die Einsatzbereitschaft jeder Gemeinde immer aufrechterhalten bleiben muss, kann es zu Engpässen kommen.
* Leicht verletzte Feuerwehrmitglieder sowie Sachschäden an Fahrzeugen und Gerätschaften verursachen eine zusätzliche persönliche, psychische, physische und finanzielle Belastung.
* Siedlungsnahe Ereignisse bedrohen unmittelbar den Wohnraum der Bevölkerung, zusätzlich zur Bedrohung von Tieren, die bei jedem Waldbrand stark gefährdet sind.
* Die anhaltende Trockenheit erschwert die flächendeckende Wasserversorgung.

Feuerwehrpräsident Robert Mayer: „Die Feuerwehren in Österreich legen seit Jahren ihren Fokus sehr stark auf die Bewältigung von Naturgewalten, heuer standen Waldbrände eindeutig im Mittelpunkt. Es ist höchst an der Zeit, diese Herausforderungen gesamtstaatlich zu betrachten und mit ausreichend finanziellen Mitteln sowie Infrastruktur abzusichern. Über 260.000 zum großen Teil ehrenamtlich tätige Feuerwehrmitglieder im Einsatzdienst leisten eine hervorragende Arbeit, sind rund um die Uhr einsatzbereit, bilden sich weiter, üben so oft sie können und machen sich Gedanken, wie wir auch in Zukunft unseren Mitmenschen helfen können. Dafür braucht es aber Rahmenbedingungen, ohne die unser Feuerwehrsystem langfristig nicht mehr in der gewohnten Form funktionieren wird. Im Fall der Waldbrände ist die Zuständigkeit aus unserer Sicht eindeutig beim Bund. Hier gilt es nun vom Reden ins Tun zu kommen. Und zwar rasch.“

BEISPIELE AUS 2026

* Lesachtal, Kärnten: 24 Einsatztage mit rund 2.000 Feuerwehrmitgliedern, rund 110 ha Fläche betroffen
* Eisbach-Rein, Steiermark: 17 Einsatztage mit rund 2.500 Feuerwehrmitgliedern, rund 70 ha Fläche betroffen
* Föhrenwald/St. Egyden, Niederösterreich: 2 Großbrände an 18 Einsatztagen, zeitweise 800 Feuerwehrmitglieder gleichzeitig im Einsatz, rund 159 ha Fläche betroffen
* Wildermieming und Virgen, Tirol: mehrtätiger Einsatz mit rund 900 Feuerwehrmitgliedern, rund 10 ha Fläche betroffen
* Lobau, Wien: 100 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Wien sowie weitere Kräfte der Landesfeuerwehrverbände aus Wien und Niederösterreich, rund 18 ha Fläche betroffen

Landesfeuerwehrkommandant Jakob Unterladstätter (Tirol): „Die Waldbrände in Virgen und Wildermieming haben eindrucksvoll gezeigt, welche besonderen Herausforderungen gerade die alpine Topografie für unsere Feuerwehren mit sich bringt. Entscheidend ist dabei auch das Zusammenspiel von Einsatzkräften am Boden und Unterstützung aus der Luft mit rasch verfügbaren Hubschraubern. Gleichzeitig hat sich einmal mehr bewährt, dass Spezialkräfte, Know-how und Ausrüstung über Bezirks- und Landesgrenzen hinweg rasch dort eingesetzt werden können, wo sie gebraucht werden. Die letzten Einsätze zeigen aber auch, dass wir weiter konsequent in spezialisierte Ausrüstung und Ausbildung unserer Feuerwehrmitglieder investieren müssen. Nur so können wir auch künftig sicher und schlagkräftig auf derartige Einsatzlagen reagieren.“

Landesfeuerwehrkommandant Reinhard Leichtfried (Steiermark): „Der Waldbrand am Mühlbachkogel war mit 17 Einsatztagen und in Summe mehr als 2.500 eingesetzten Feuerwehrkräften ein außergewöhnlich fordernder Einsatz. Steiles und schwer zugängliches Gelände, die dynamische Brandausbreitung und vor allem die langwierige Bekämpfung zahlreicher Glutnester haben unseren Einsatzkräften enorme Leistungen abverlangt. Gleichzeitig hat sich gezeigt, wie wichtig eine fundierte Ausbildung, geeignete Ausrüstung und das abgestimmte Zusammenwirken aller eingesetzten Kräfte sind. Die Erfahrungen aus Eisbach-Rein sind für uns daher eine wichtige Grundlage, um uns auf künftige Vegetationsbrände noch gezielter vorzubereiten.“

FEUERWEHR INVESTIERTE ÜBER 20 MILLIONEN EURO

Die intensiver werdende Waldbrandbekämpfung erfordert bereits seit 2020 die Konzentration der Landesfeuerwehrverbände. So wurden innerhalb der letzten sechs Jahre über 20 Millionen Euro aus dem Feuerwehrbudget, unterstützt durch den Waldfonds, investiert. Zentrale Investitionsfelder aller Bundesländer sind geländegängige Spezialfahrzeuge, spezialisierte Ausrüstungen wie Container, Rucksäcke, Faltbehälter, Schanzwerkzeug, aber auch leichtere Schutzbekleidung und Helme sowie Löschwasserbehälter für Hubschrauber. Der Ausbau von Stützpunktfeuerwehren und dem Feuerwehr-Flugdienst, die Treibstoffbereitstellung für Luftfahrzeuge sowie die Übungsinfrastruktur in den Landesfeuerwehrschulen erforderten ebenso finanzielle Ressourcen.

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner (Niederösterreich): „Die Auswirkungen des Klimawandels treffen uns Feuerwehren mittlerweile in vielen Einsatzbereichen mit voller Härte. Wald- und Vegetationsbrände werden intensiver und stellen uns durch Trockenheit, Hitze und schwierige Einsatzbedingungen vor neue Herausforderungen. Darauf müssen wir uns mit entsprechender Ausbildung, Taktik und moderner Spezialausrüstung vorbereiten. Unsere Feuerwehrmitglieder leisten diesen Dienst freiwillig und unentgeltlich und ersparen der öffentlichen Hand damit enorme Kosten. Umso wichtiger ist es, ihnen für ihre Einsätze die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. In Niederösterreich haben wir in den vergangenen Jahren massiv in diesen Bereich investiert. Eine derart spezialisierte und kostenintensive Ausrüstung kann jedoch nicht von den Kommunen alleine finanziert werden. Hier braucht es auch in Zukunft eine verlässliche Unterstützung durch den Bund, damit wir mit den veränderten Einsatzszenarien Schritt halten und die Sicherheit unserer Einsatzkräfte gewährleisten können.“

FEUERWEHR IST GUT VORBEREITET, ABER…

Auch wenn das Feuerwehrsystem in Österreich ob der Dichte an Feuerwehren und der hohen Anzahl aktiver Mitglieder sowie der vorausschauenden Vorbereitung gut auf eine Vielzahl an Herausforderungen vorbereitet ist, so verlangt gerade eine professionelle Planung für die Zukunft Anpassungen und die Aufmerksamkeit der öffentlichen Hand.

Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband, der als Dachverband alle neun Landesfeuerwehrverbände sowie die sechs Gemeinden mit Berufsfeuerwehren vertritt, fordert dementsprechend im Sinne einer gesamtstaatlichen Betrachtung:

* FINANZIERUNG DER ERFORDERLICHEN AUSSTATTUNG UND AUSBILDUNG ZUR WALDBRANDBEKÄMPFUNG

Die Finanzierung und Vorhaltung von notwendiger Ausrüstung zur Waldbrandbekämpfung ist keine rein kommunale Aufgabe, die auch aufgrund des deutlich gestiegenen Bedarfs nicht mehr aus den Budgets der Feuerwehren, Gemeinden und Länder getragen werden kann. Es liegt in der Verantwortung des Bundes, Finanzmittel zur Waldbrandbekämpfung sicherzustellen. Es geht um spezialisierte Fahrzeuge und Ausrüstung, persönliche Schutzausrüstung aber auch die Ausbildung, um diese besondere Herausforderung bewältigen zu können.

Darüber hinaus bleiben die langjährigen Forderungen an das Finanzministerium weiter bestehen:

_Valorisierung der Sonderinvestitionsprämie und der Kostensätze_

Seit 2022 wird das österreichische Feuerwehrwesen mit jährlich 20 Millionen Euro für „Sonderinvestitionen“ unterstützt. Dieser Betrag wurde seitdem nicht valorisiert. Auch die Kostensätze der Pauschaltarifverordnung erfordern eine Evaluierung.

_Entgeltfortzahlung für Selbständige und Landwirte_

Eine Entgeltfortzahlung, die 2019 im Nationalrat beschlossen wurde, ermöglicht unter gewissen Voraussetzungen eine Entschädigungszahlung für bestimmte Unternehmen. Diese Fortzahlung kann allerdings nur beantragt werden, wenn die Einsatzkraft Dienstnehmer ist. Eine Erweiterung auf Selbständige und Landwirte wird vom Österreichischen Bundesfeuerwehrverband seit der Einführung gefordert, ebenso eine unbürokratischere Beantragung.

* HUBSCHRAUBERVERFÜGBARKEIT ABSICHERN – ÖFFENTLICH WIE PRIVAT

Die flächendeckende permanente Verfügbarkeit von Hubschraubern des Innenministeriums sowie des Bundesheeres sowie auch die Finanzierung privater Hubschrauber gehören dringend geklärt und abgesichert. Eine unsichere Lage sowie eine nicht sichergestellte Verfügbarkeit an leistungsstarken Hubschraubern in Österreich, aber auch der Spardruck im Übungsbetrieb und die Investition in Zusatzausrüstung (z.B. Löschwasserbehälter) dürfen

_Den Livestream sowie Fotos von Waldbränden in Österreich finden Sie unter: __https://events.streaming.at/waldbrandsaison-20260923_

Österreichischer Bundesfeuerwehrverband
Andreas Rieger, MA
Telefon: +4366488279831
E-Mail: andreas.rieger@feuerwehr.or.at
Website: https://www.bundesfeuerwehrverband.at

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