ORF und Stakeholder aus Kultur und Sport gemeinsam für den Erhalt einer österreichischen Öffentlichkeit

Ein Blick in die mediale Zukunft, wie zuletzt auch im ORF-Zukunftsforum diskutiert, zeigt, dass es in Österreich nicht um das Schicksal des ORF geht, sondern längst um viel mehr: Wird es angesichts globaler Konkurrenz mit scheinbar unerschöpflichen technischen und finanziellen Ressourcen überhaupt noch eine österreichische Öffentlichkeit geben? Gemeinsam mit den Menschen und den gesellschaftspolitisch wichtigen Verbänden und Organisationen bildet diese nicht weniger als die Basis für eine freie Gesellschaft und Demokratie in unserem Land. ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer und der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig widmeten sich dieser fundamentalen Frage am Montag, dem 28. September 2026, bei einem Treffen mit prominenten Vertreterinnen und Vertretern aus Kultur und Sport am ORF-Mediencampus. In einer anschließenden Pressekonferenz betonten Lederer und Pig gemeinsam mit Jan Nast (Intendant Wiener Symphoniker), Simon Ertl (Festivalchef „Woodstock der Blasmusik“), Roswitha Stadlober (ÖSV-Präsidentin) und Josef Pröll (ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender) die Dringlichkeit und Wichtigkeit dieses Themas.

ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer: „Die heutige Veranstaltung markiert den Beginn einer Reise: Nach einer historisch schwierigen Phase für den ORF ist es Zeit, nach vorne zu blicken und unserem Publikum wieder Zuversicht zu vermitteln! Das kann der ORF jedoch nicht alleine, sondern nur gemeinsam mit seinen Partnern aus Sport und Kultur, mit denen wir uns heute intensiv ausgetauscht haben. Es gilt, die enge Allianz mit dem Breiten- und Spitzensport auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zu stärken, und die kulturelle Identität und Vielfalt unseres Landes weiterhin sichtbar zu machen. Diesen Dialogprozess werden wir mit Stakeholdern aus weiteren gesellschaftlichen Bereichen fortführen: Wir wollen wissen, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind und wo der ORF sie allenfalls noch besser unterstützen kann, um gemeinsam eine demokratische Öffentlichkeit in Österreich zu erhalten.“

Designierter ORF-Generaldirektor Clemens Pig: „Wer erzählt Österreich in all seinen Facetten, wenn nicht der ORF? Die digitalen Plattformen tun das nicht. Der ORF bietet Kultur, Sport, Unterhaltung und Filmen und Serien aus Österreich eine große Bühne in all seinen Programmen. Wichtig dafür ist auch die Kooperation mit den privaten Medien, um gemeinsam den Medienstandort Österreich zu stärken. Trotz sehr schwieriger Rahmenbedingungen geht der ORF mit voller Kraft voran und wird sich dem Publikum und seinen Partnern noch stärker öffnen als bisher und die Themen und Stars von heute und morgen noch stärker in die Auslage stellen. Der Live-Event ist dabei ein wichtiges Momentum und der ORF hat das redaktionelle und technologische Knowhow, die Live-Übertragung zu einem echten Erlebnis zu machen. Wir werden den ORF vom Rundfunk zur Plattform der Gesellschaft weiterentwickeln, der gemeinsam mit seinen Partnern Identität in einer polarisierten Welt schafft!“

Für den Erhalt einer österreichischen Kulturöffentlichkeit

Jan Nast, Intendant der Wiener Symphoniker: „Kultur darf in Österreich nicht zur Nische werden. Es gehört zu unserem kulturellen Selbstverständnis, dass Musik, Kunst und Kultur in der Breite unserer Gesellschaft präsent und damit auch in jedem Wohnzimmer zu Hause sind. Der ORF mit all seinen Sendern und Formaten trägt eine besondere Verantwortung dafür, diese Vielfalt sichtbar und für alle zugänglich zu machen – denn erst eine breite Präsenz ermöglicht es, die ganze Vielfalt unseres Kulturlebens abzubilden. Das Prater-Picknick der Wiener Symphoniker steht beispielhaft für diesen Anspruch: Erstklassige Kultur soll möglichst vielen Menschen offenstehen. Für die Wiener Symphoniker und für Österreich als Kulturnation ist es daher von großer Bedeutung, dass Konzerte nicht nur im Konzertsaal, sondern durch den ORF und seine Kooperationen mit 3sat und ARTE auch weit über diesen hinaus erlebt werden können. Kultur braucht Öffentlichkeit – und Öffentlichkeit braucht starke Partner wie den ORF.“

Simon Ertl, Festivalchef „Woodstock der Blasmusik“: „Kultur ist für mich ein wesentlicher Teil österreichischer Identität. Wir erleben gerade in der Blasmusik, wie ein traditionelles Kulturgut von einer jungen Generation mit großer Begeisterung weitergelebt und weiterentwickelt wird – beim Gesamtspiel des Woodstock der Blasmusik musizieren mittlerweile mehr als 20.000 Musikerinnen und Musiker gemeinsam. Der ORF gibt solchen kulturellen Entwicklungen Öffentlichkeit und trägt dazu bei, dass aus einem Erlebnis vor Ort ein Erlebnis für ganz Österreich wird. Diese Sichtbarkeit gibt Kultur zusätzliche Strahlkraft und verändert auch ihre Wahrnehmung. Gerade bei jungen Menschen entstehen dadurch ein neues Selbstbewusstsein und auch Stolz darauf, Teil dieser Kultur zu sein.“

Kultur- und Unterhaltungsangebote im ORF schaffen gemeinsame Erlebnisse, stiften kulturelle Identität, fördern gesellschaftlichen Zusammenhalt und eröffnen Räume für Teilhabe. Als öffentlich-rechtliches Medienhaus versteht der ORF Kultur und Unterhaltung daher als unverzichtbaren Bestandteil seines gesetzlichen Auftrags und als wesentlichen Beitrag zu einer lebendigen demokratischen Öffentlichkeit. Das ORF-Gesetz nennt die Darbietung von beidem ausdrücklich als Teil des öffentlich-rechtlichen Kernauftrags und verknüpft sie mit der Förderung österreichischer Identität, kultureller Vielfalt und des demokratischen Zusammenlebens.

Gerade in einer zunehmend fragmentierten Medienwelt erfüllen öffentlich-rechtliche Angebote generell eine besondere Integrationsfunktion. Sie schaffen gemeinsame kulturelle Referenzen, bilden die Vielfalt der Gesellschaft ab und ermöglichen Teilhabe an kulturellen Ereignissen unabhängig von Wohnort, Einkommen oder sozialem Hintergrund. Öffentlich-rechtliche Medien gelten dabei als wichtige Infrastruktur einer demokratischen Gesellschaft, weil sie gemeinsame Erfahrungen und öffentliche Kommunikationsräume schaffen.

Umfangreiches Kulturangebot für Österreich

Der ORF berichtet über und unterstützt mehr als 1.000 kulturelle Veranstaltungen pro Jahr, darunter die Seefestspiele Mörbisch, die Starnächte am Wörthersee und in der Wachau, die „Sommernachtsgala“ in Grafenegg, die Ars Electronica in Linz, die Salzburger Festspiele inklusive der erfolgreichen Initiative Siemens Fest>Spiel>Nächte, die „ORF Steiermark Klangwolke“ im Rahmen der „styriarte“, die Bregenzer Festspiele in Vorarlberg, „Woodstock der Blasmusik“ aus Oberösterreich oder das Prater-Picknick der Wiener Symphoniker. Neben seinem umfangreichen Programmangebot in Fernsehen, Radio und Online tritt er heute nicht nur als Vermittler, sondern auch als einer der größten Kulturproduzenten und Kulturveranstalter des Landes auf.

ORF-Leitbild Kultur

Der Kulturauftrag des ORF gilt der gesamten Bevölkerung und erstreckt sich auf alle Lebensbereiche der Menschen im regionalen, nationalen und globalen Kontext. Rund 120 Millionen Euro pro Jahr gibt der Österreichische Rundfunk für das Kulturprogramm aus, das in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut wurde. 19 Prozent des gesamten ORF-Fernsehprogramms entfallen auf den Kulturbereich.

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