
„kulturMONTAG“ am 5. Oktober: Neues von Bilderbuch, Igor Levit in Wien, Kulturoptimismus in Ungarn
Davor: TV-Premiere „Schurli – Der Liedermacher & Poet Georg Danzer“ – ab 22.30 Uhr, ORF 2 und ORF ON
Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am 5. Oktober 2026 startet – bedingt durch die TV-Premiere des neuen Porträts „Schurli – Der Liedermacher & Poet Georg Danzer“ zum 80. Geburtstag des legendären Musikers und Sängers (22.30 Uhr) – um 23.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON. Die Sendung widmet sich u. a. dem neuen Album der kultigen österreichischen Art-Pop-Band Bilderbuch, trifft Starpianist Igor Levit anlässlich seiner bevorstehenden Beethoven-Konzerte im Musikverein Wien und blickt ins Nachbarland Ungarn, wo sich seit des politischen Wechsels im Frühling ein neuer Kulturoptimismus erkennen lässt.
Für immer und ewig – Das neue Bilderbuch-Album „oo+1“
Sie waren die schicke Antwort auf den bierseligen Austro-Rock von Wanda. Bilderbuch haben mit ihrer wilden Mischung aus Funk und Disco, Pop und HipHop, Dekadenz und Style, Falco und Prince das Publikum im Flug erobert, auch über Österreichs Grenzen hinaus. Stillstehen ist ihre Sache nicht und so legt die österreichische Art-Pop-Band mit „oo+1“ (Unendlich + 1) ihr neues Album vor, das am 9. Oktober erscheint. 2005 haben die vier Teenager aus Kremsmünster ihre Band gegründet, zehn Jahre später mit ihrem Album „Schick Schock“ österreichische Pop-Geschichte geschrieben. Für ihr neues Album läuft die Marketingmaschine wie geschmiert, ihre auf sozialen Medien angekündigten Konzerte – ihre sogenannten „offiziellen Proben“ für das neue Album im Wiener Flex – waren flugs ausverkauft. Auf „oo+1“ verhandeln Mastermind Maurice Ernst und seine Mitstreiter die Überfülle der Gegenwart mit Disco, Rock, Pop und fragilen Balladen in ihrem ganz unverwechselbaren Stil. Statt vor der Reizüberflutung zu kapitulieren, begegnen sie ihr mit Neugier, Humor und Hingabe. Neu an Bord ist nach dem Abgang von Gitarrist Mike Krammer die oberösterreichische Multiinstrumentalistin Uche Yara.
Zwischen Politik und Piano – Klassikstar Igor Levit im Gespräch
„Ich bin nicht Künstler, weil es sich rechnet. Ich bin Künstler, weil ich ansonsten sterbe“, sagt Starpianist Igor Levit, der zu Beethovens 200. Todestag im Jahr 2027 in acht Konzerten über zwei Spielzeiten verteilt alle 32 Beethoven-Sonaten interpretieren wird. Zusätzlich hat er im Sommer mit „No Silence“ sein eigenes Musiklabel gegründet. Levit zählt zu den erfolgreichsten klassischen Musikern der Gegenwart und ist gern gesehener Gast in Konzerthallen rund um den Globus. Der heute 39-jährige Superstar ist auch ein unermüdlicher Streiter für Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie. Für sein politisches Engagement erhielt er 2019 den Internationalen Beethovenpreis, 2020 ehrte ihn das Internationale Auschwitz Komitee mit der „Statue B“, die zuvor u. a. Angela Merkel, Ban Ki-moon oder Papst Franziskus verliehen worden war. Seit Jahren setzt er sich vehement gegen Antisemitismus und für Menschenrechte ein. Im Musikverein Wien gibt Levit Anfang Oktober einen Beethoven-Konzertreigen und trifft aus diesem Anlass Clarissa Stadler zum Gespräch.
Zurück in die Zukunft – Peter Magyars neues Ungarn
Kürzlich stimmte Ungarns Parlament für die Aufhebung der Immunität von Ministerpräsident Peter Magyar wegen Diebstahlsvorwürfen. Hintergrund war ein Streit um Filmaufnahmen, die ein Mann vor zwei Jahren unerlaubt von Magyar mit dem Handy machte. Ohne Umschweife hat der Premier der Strafverfolgung zugestimmt, da er nichts zu verbergen habe, kritisierte allerdings, dass der noch verbliebene Teil der Orbán-Mafia seine Telefon-Angelegenheit mit milliardenschweren Korruptionsfällen vermische. Seit dem Machtwechsel im April erlebt Ungarn einen rasanten Umbau – auch in der Kulturszene. Nach 16 Jahren der staatlichen Kontrolle und (Selbst-)Zensur unter der Regierung Viktor Orbán verspüren viele Kulturschaffende in Österreichs Nachbarland neuen Optimismus. Wie schwierig ist es, die Vergangenheit aufzuarbeiten sowie Freiheit und Selbstbestimmung in den Kulturbereich zurückzubringen? ORF-Ungarn-Korrespondent Paul Krisai hat dazu mit dem ungarischen Star-Dirigenten Iván Fischer, mit der Gründerin und Kuratorin der OFF-Biennale Budapest, Hajnalka Somogyi, sowie mit Máté Gáspár, Geschäftsführer des renommierten Budapester Örkény-Theaters, gesprochen.
Zur Einstimmung: Neues Porträt „Schurli – Der Liedermacher & Poet Georg Danzer“ (22.30 Uhr)
Am 7. Oktober 2026 jährt sich der Geburtstag des österreichischen Liedermachers Georg Danzer zum 80. Mal. Mit Titeln wie „Jö Schau“, „Hupf in Gatsch“ oder „So a Dodl mid da Rodl“ ist der 2007 im Alter von 60 Jahren verstorbene Musiker und Sänger bis heute in Erinnerung geblieben. Hinter dem populären augenzwinkernden Ton seiner poetischen, bisweilen melancholischen Texte verbergen sich oft auch Protest und der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit, mit denen er eine ganze Generation geprägt hat.
Die neue Dokumentation von Tatjana Berlakovich als Teil eines ORF-Programmschwerpunkts beleuchtet das Leben und Werk dieses außergewöhnlichen Künstlers. In seltenen Archivaufnahmen, mit seinen Liedern und Texten – oft im Wiener Dialekt verfasst – erzählt „da Schurli“ darin seine Geschichte weitgehend selbst. Wegbegleiter:innen, Familienmitglieder sowie enge Vertraute ergänzen diesen Blick und machen den Menschen hinter den Liedern sichtbar. Von der Kindheit im Wien der Nachkriegszeit bis zu den bislang unveröffentlichten Notizbüchern seines Nachlasses, den die Wienbibliothek im Rathaus verwahrt, entfaltetet sich das Porträt eines sensiblen Denkers und unbequemen Beobachters seiner Zeit.
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