Neues Buch gibt Einblicke in Arbeitsbedingungen von 24-Stunden-BetreuerInnen

vidaflex-Lipinski: „BetreuerInnen haben Existenzängste aufgrund dubioser Vermittlungsagenturen – sind Wunsch nach unabhängiger Vermittlungsplattform nachgekommen“

In Wien wurde heute, Mittwoch, das neue Buch „Die Situation der 24-Stunden-Betreuungskräfte in Österreich“ von der Autorin, der a. o. Univ.-Prof. Dr. Michaela Schaffhauser-Linzatti, Universität Wien, sowie von Christoph Lipinski, Geschäftsführer der vidaflex BetreuerInnen Service GmbH, und Sabine Fleckinger, Mitglied des Präsidiums der Gewerkschaft vida und des vida-Bundesfrauenvorstands, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.  

In der Neuerscheinung wird die Arbeitssituation der rund 70.000 aktiven 24-Stunden-Betreuungskräfte in Österreich analysiert. Daraus werden konkrete Gestaltungsmöglichkeiten für eine „neue 24-Stunden-Betreuung“ abgeleitet.

„Die Situation der Pflege in Österreich steht zunehmend auf dem Prüfstand. Die Personalnot an Pflege- und Betreuungskräften ist vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft eine der kritischen Schwachstellen in einem alters- und krankheitsgerechten Versorgungssystem“, sagt Lipinski. Das Forschungsteam um Schaffhauser-Linzatti legt den Fokus im vorliegenden Buch auf die Arbeitssituation der 24-Stunden-Betreuungskräfte in Österreich. Es zielt darauf ab, mithilfe unterschiedlicher Ansätze und Blickwinkel Vorschläge zur Verbesserung der Situation der 24-Stunden-Betreuungskräfte und somit auch für die zu pflegenden Personen zu entwickeln.

„Aus den Ergebnissen dreier voneinander unabhängig durchgeführten Erhebungen wird ein fundamentaler Änderungsbedarf ersichtlich, der allerdings zu keinen Pauschallösungen, sondern differenzierten Vorschlägen führt. Das Buch leitet konkrete Gestaltungsmöglichkeiten für eine neue 24-Stunden-Betreuung ab“, ergänzt Schaffhauser-Linzatti.

Zu den Gestaltungsmöglichkeiten zählen u. a. standardisierte Verträge und Informationsplattformen auch in der jeweiligen Muttersprache (z.B. hinsichtlich rechtlicher Fragen betreffend Sozialversicherung oder Gewerbe An- und Abmeldung), bessere Kontrolle der Agenturen, der Familien der Pflegepersonen, des Gesundheitszustandes der Pflegeperson und der Transportbedingungen sowie Kommunikationsmöglichkeiten vor Ort und 24-Stunden-Ansprechstellen, ein One-stop-shop-System für die 24-Stunden-Betreuungskräfte und die Erhöhung derer Tagsätze – auch in Abstimmung mit den Pflegestufen der Pflegepersonen – sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Wertschätzung der geleisteten Arbeit, erörtert die Forscherin Schaffhauser-Linzatti die Ergebnisse.

„Sehr ausgeprägt ist der Wunsch nach einer unabhängigen Vermittlungsplattform, die einen direkten und persönlichen Kontakt zwischen Betreuungskräften und Pflegepersonen bzw. deren Familien herstellt“, so Lipinski weiter. Mit einer solchen Plattform können BetreuerInnen unabhängig von Agenturen ihre Leistungen direkt den zu Betreuenden anbieten. „Das war und ist ein lang gehegter Wunsch vieler 24-Stunden-BetreuerInnen, weil es auch ein Aus für versteckte Provisionen und Knebelverträge von Vermittlungsagenturen bedeutet. Aus diesem Grund hat die gewerkschaftliche Initiative vidaflex die Betreuungsplattform www.betreuerinnen.at

entwickelt und mit Juni 2022 die vidaflex BetreuerInnen Service GmbH ins Leben gerufen. Davon profitieren beide Seiten, die Pflegebedürftigen und ihre Familien sowie die Betreuungskräfte. Nur Partnerschaften in Augenhöhe sind stabil und geben Sicherheit“, so Geschäftsführer Lipinski.

Bei www.betreuerinnen.at stehen Sicherheit und Qualität im Mittelpunkt. So werden Daten wie Ausbildung und Muttersprache der Betreuungskraft der Pflegestufe und besonderen Wünschen und Bedürfnissen der zu betreuenden Person gegenübergestellt. „Unser Online-System findet anschließend das beste ‚Match‘“, so Lipinski. Die Ergebnisse aus diesem Matching-Prozess werden anschließend überprüft. „Vor einer Vermittlung gibt es die Möglichkeit zum ersten Kennenlernen über einen Videocall. Bei jeder Vermittlung stehen diplomierte Qualitäts- und mehrsprachige Community-ManagerInnen mit Rat und Tat zur Seite.“

Die Plattform www.betreuerinnen.at bietet ein breites Spektrum an Leistungen – feste Stellen für die BetreuerInnen, aber auch Ersatzbetreuung bei kurzfristigem Ausfall, Krankheit oder Urlaub. Außerdem werden – passend zur Pflegestufe – zweisprachige Muster-Betreuungsverträge in Deutsch und in der jeweiligen Muttersprache der BetreuerInnen mit empfohlenen Mindesttagessätzen zur Verfügung gestellt. Auch für Familien sind mit einer Nutzungsgebühr von derzeit 300 Euro pro Jahr die Leistungen von www.betreuerinnen.at abgedeckt, die Familie bezahlt die BetreuerInnen dann direkt.

Unterstützt wird dieser neue Weg der vida-Schwesterorganisation vidaflex in der 24-Stunden-Betreuung auch von der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida. „In Österreich arbeiten 70.000 Menschen in der 24-Stunden-Betreuung. 50 Prozent der PflegegeldbezieherInnen werden zu Hause betreut, aber nur 6 Prozent nehmen auch Unterstützung durch 24-Stunden-Betreuungskräfte in Anspruch. Dabei ist es ein nachvollziehbarer Wunsch von Menschen, in ihrer gewohnten Umgebung betreut zu werden“, so Sabine Fleckinger von der Gewerkschaft vida. „Bis zum Jahr 2050 steigt der Bedarf an Pflege- und Betreuungskräften in Österreich auf bis zu 143.000 Personen an. Da besteht eindeutig Handlungsbedarf“, bekräftigt Fleckinger.

Das Buch “Die Situation der 24-Stunden-Betreuungskräfte in Österreich” der ForscherInnen Michaela Schaffhauser-Linzatti (Universität Wien, Leiterin des Fachbereiches für Governance in Non-Profit Institutionen), Gerhard Gürtlich (Lektor an der WU Wien und an der Universität Wien und Co-Autor) und Alexander Reichmann (Geschäftsführer RRC-Reichmann Research Consulting und Co-Autor) ist einerseits für Interessierte verständlich aufbereitet und gibt andererseits den (politischen) Entscheidungsträgern einen Maßnahmenkatalog zur Hand. Für das Buch wurden 2.275 Betreuungskräfte aus Kroatien, Ungarn, Polen, Rumänien und der Slowakei online befragt.

Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
Martin Mandl
Tel.: 0660 521 2646
E-Mail: martin.mandl@vida.at
www.vida.at

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