„kulturMontag“: Tiroler Volksschauspiele, Bregenzer Festspiele, die Werke von Michael Armitage und Sehnsuchtsort Strand

Danach: In memoriam „Milan Kundera – Die Ironie des Seins“ ab 23.15 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“ am 17. Juli 2023 um 22.30 Uhr in ORF 2 berichtet u. a. über die Neuausrichtung der Tiroler Volksschauspiele unter Neointendant Gregor Bloéb – mit einer Reportage und Interviews mit Gregor Bloéb und Felix Mitterer. Weiters widmet sich die Sendung den 77. Bregenzer Festspielen und dem neuen Superstar des Kunstzirkus Michael Armitage, dessen Werke derzeit im Kunsthaus Bregenz zu sehen sind. Außerdem berichtet der „kulturMontag“ über die Faszination Strand – ein magischer Sehnsuchtsort oder der Spiegel der globalen Umweltkatastrophe? Anschließend steht in memoriam Milan Kundera die ORF-Premiere der neuen Dokumentation „Milan Kundera – Die Ironie des Seins“ (23.15 Uhr) von Jarmila Buzkova auf dem Programm.

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Sündige Spiele: Gregor Bloéb & die Tiroler Volksschauspiele

Brot und Spiele für alle, Theater, das begeistert und berührt – das verspricht der neue Intendant Gregor Bloéb für seine Neuausrichtung der traditionsreichen Tiroler Volksschauspiele. Als Ort des Miteinanders wurden sie in Telfs vor mehr als 40 Jahren von Legenden wie Kurt Weinzierl, Otto Grünmandl und Dietmar Schönherr ins Leben gerufen. Eröffnet wurde das Festival mit Franz Kranewitters „Die sieben Todsünden“ und die waren mit Julia Gschnitzer, Ruth Drexel, Hans Brenner, Felix Mitterer oder Walter Reyer mehr als prominent besetzt. Sieben Regisseure, darunter Reinhard Schwabenitzky, Kurt Weinzierl oder Gernot Friedl inszenierten diese acht Einakter an zwei Abenden. Daran will Publikumsliebling Bloéb anschließen und zeigt die „No-Gos“ der Menschheit ganz aktuell, haben sich doch die Zeiten gewandelt. Geiz ist heute geil und Gier fast schon normal. Hochmut, Völlerei und Übermaß sind zum Alltagsproblem geworden. Sieben Autorinnen und Autoren von 27 bis 70, von Nestroy-Preisträgerin Lisa Wentz bis zum erfolgreichen Stücke-Autor Felix Mitterer, von Filmemacher David Schalko bis zu Literatin Helena Adler haben sich je eine Sünde „vorgenommen“ und denken diese für unsere Gegenwart neu. Gregor Bloéb führt Regie und will ein Crossover-Spektakel schaffen – eine Symbiose aus Schauspiel, Film, Tanz und Live-Musik. Auch einen neuen Spielort bekommen die Volksschauspiele Telfs: Am Birkenberg hat das Innsbrucker Architektur-Kollektiv columbosnext eine Tribüne für 500 Personen entworfen. Die sieben Kurzstücke zwischen Himmel und Hölle, Dystopie und Utopie, zwischen Totentanz und lustvoller Feier des Lebens sind auch namhaft besetzt, u. a. mit Gerti Drassl oder Gerald Votava. Der „kulturMontag“ mit einer Reportage und Interviews mit Gregor Bloéb und Felix Mitterer.

Im Westen viel Neues: Der Kulturzirkus landet in Bregenz

Mehr als 200.000 Besucherinnen und Besucher pilgern ab 19. Juli nach Bregenz, wo die Festspiele in ihrer 77. Saison mit jeder Menge Liebe, Lust und Leidenschaft aufwarten. Während auf der Seebühne Giacomo Puccinis Kassenschlager „Madame Butterfly“ wieder aufgenommen wird, steht im Festspielhaus Giuseppe Verdis „Ernani“ (Sonntag, 6. August, 21.30 Uhr, ORF III; Premiere live am Mittwoch, 19. Juli, 19.30 Uhr, Ö1) auf dem Programm. Es ist die tragische Liebesgeschichte von Elvira. Sie steht zwischen drei Männern – ihrem Geliebten, ihrem Vormund und dem König von Spanien, der ein Auge auf die junge, schöne Frau geworfen hat. Volksopern-Chefin Lotte de Beer inszeniert die 1844 uraufgeführte Oper, die für den jungen Verdi zum dauerhaften Triumph wurde. Den Stoff verdankt der Komponist Victor Hugo, dessen romantisches Drama „Hernani oder die kastilische Ehre“ als Meilenstein in der Überwindung des klassischen Theaters gilt.

Einen imposanten Perspektivenwechsel bieten die Bilderwelten des Michael Armitage im Kunsthaus Bregenz. Hier trifft Kolonialgeschichte auf Tagespolitik, ostafrikanische Kunst auf westliche Kunstgeschichte. Es sind gewaltige Erzählungen, die den noch nicht einmal 40 Jahre alten Michael Armitage innerhalb kürzester Zeit zum neuen Superstar im Kunstzirkus gemacht haben. 1984 wurde der Sohn einer Kenianerin und eines Briten in Nairobi geboren und studierte ab 2007 an der renommierten Royal Academy of Arts in London. International begeistert er Galeristen und Galeristinnen, Sammler:innen und Kritiker:innen. In Großbritannien ist er so populär, dass er auserkoren wurde, die 1-Pfund-Münze neu zu gestalten. Armitages Werke finden sich mittlerweile in allen international renommierten Museen wie dem Metropolitan Museum, im Guggenheim oder in der britischen Tate Gallery wieder. Wer ist dieser Künstler, der die Kulturen aus Afrika und Europa aufmischt? Der Vorbilder der ostafrikanischen Kunst mit Werken der Alten Meister und der Klassischen Moderne konfrontiert? Der seine großformatigen Bilder wie Rembrandt mit Ölfarbe malt?

Magischer Sehnsuchtsort – Der Strand

Türkisblaues Wasser, sich sanft im Wind wiegende Palmen, blendend weißer Pudersand, gewaltige Felsformationen, ordentliche Brecher zum Surfen oder die unendlichen Weiten der Dünen, die zum Philosophieren beim Spazieren einladen. Die Strände dieser Welt sind so vielfältig wie faszinierend. Ein Ort zum Träumen, der Menschen magisch anzieht. Nicht nur Kinder kommen ins Staunen, wenn sie den Horizont beobachten. Vom rauschenden Atlantik bis zum kraftvollen Pazifik mit seiner exotischen Südsee: Warum hat der Mensch eine große Sehnsucht nach dem Meer und seinen Küsten? Darf man überhaupt davon träumen, während andere darin ertrinken und sich die Strände als Spiegel der globalen Umweltkatastrophe erweisen? „Jedes Körnchen am Strand ist das Ergebnis von Geschehen, die bis in die schattenhaften Anfänge des Lebens oder gar der Erde selbst zurückreichen.“ Dieses Zitat der international renommierten Biologin Rachel Louise Carson, deren Hauptwerk „Silent Spring“ als Ausgangspunkt der US-amerikanischen Umweltbewegung bezeichnet wird, stellen die beiden deutschen Autoren Hella Kemper und Karsten Reise an den Anfang ihres neuen Buches mit dem schlichten Titel „Strand“. Darin spazieren der Meeresforscher und die Journalistin zwischen Kulturgeschichte und Geologie die Küsten der Nord- und Ostsee entlang, erkunden die Pufferzone zwischen Wasser und Land, das Gedächtnis krachender tektonischer und eiszeitlicher Vergangenheiten, das über Jahrhunderte Künstler wie Max Beckmann oder Schriftsteller wie Thomas Mann oder Rainer Maria Rilke faszinierte. Und sie beleuchten auch die Folgen des globalen Klimawandels, des ansteigenden Meeresspiegels und die starke Vermüllung, die nicht nur das berühmte Wattenmeer und seine glamourösen wie idyllischen Orte wie Sylt bedrohen.

ORF-Premiere: Dokumentation „Milan Kundera – Die Ironie des Seins“ (23.15 Uhr)

„Ich lasse mich von der Fantasie verführen, zugleich liebe ich die kühle Analyse, die grausame Beschreibung der Realität.“ Wer hätte die Literatur des Milan Kundera besser auf den Punkt bringen können als der große Romancier selbst? Am 11. Juli ist der tschechisch-französische Schriftsteller im Alter von 84 Jahren gestorben. Mehrmals wurde er für den Literaturnobelpreis nominiert, sein Werk ist in zahlreiche Sprachen übersetzt. Spätestens mit dem internationalen Bestseller „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ wurde er 1984 zum literarischen Weltstar. Erstaunlich wenig weiß man aber über die Person Kundera – die vergangenen 30 Jahre lebte er fast völlig zurückgezogen. Sein Werk zeichnet ein ironischer Prosastil, unumwundene Erotik und das Zeichnen von Bildern aus, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. In seinen Romanen „Die Langsamkeit“, „Die Unwissenheit“ und „Die Unsterblichkeit“ verweist er ohne Unterlass auf das humanistische Erbe Europas und verurteilt die moderne Konsumgesellschaft mit ihren Bilderdiktaten und Werbebotschaften. Jarmila Buzkovas Dokumentation geht Milan Kundera mit demselben kritischen Blick auf den Grund, dem er seine eigenen Romanfiguren unterzog. Sie beleuchtet den faszinierenden Schriftsteller in all seiner Widersprüchlichkeit und zeigt auf, dass seine Themen so modern sind wie eh und je.

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