Millstätter Wirtschaftsgespräche diskutierten Konsequenzen neuer Machtverhältnisse

Über 500 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – Europäische Zusammenarbeit ist angesichts neuer Weltordnung Schlüssel für mehr politische und wirtschaftliche Macht.

Mit acht hochkarätig besetzten Powertalks rund um Themen wie Führung, Sicherheit, Kooperation und Wettbewerb und dem Millstatt Wirtschafts-Lunch gingen heute die zehnten Millstätter Wirtschaftsgespräche inhaltlich zu Ende. In einem intensiven Programm mit rund 60 Referentinnen und Referenten hatten sich die 10. Millstätter Wirtschaftsgespräche in den vergangenen drei Tagen unter dem Titel „Wirtschaft.Macht.Zukunft“ mit den Folgen veränderter politischer, wirtschaftlicher und technologischer Machtverhältnisse auseinandergesetzt. Neben ökonomischen Entwicklungen standen gemäß der Philosophie der Millstätter Wirtschaftsgespräche auch nicht-ökonomische Grundlagen wirtschaftlichen Erfolgs im Fokus.

STARKE INDUSTRIE, STARKE GESELLSCHAFTLICHE MITTE

Gunter Deuber, Head of Research der RBI, plädierte für das Anerkennen der neuen Realitäten, für die richtigen Prioritäten und für mehr Selbstbewusstsein: „Wir haben eine industrielle Stärke, die wir trotz adverser Standortbedingungen halten konnten. Deindustrialisierung ist ein Risiko, aber nicht die Realität in Österreich. Es gibt eine Substanz, die es zu bewahren und auszubauen gilt.“ Zu gesellschaftlichen Grundlagen des Standorterfolgs referierte der renommierte deutsche Historiker Andreas Rödder, Leiter der Denkfabrik R21. Er sprach sich für eine Stärkung der gesellschaftlichen Mitte aus, die von der „postmodernen Linken“ und vor allem der „postliberalen Rechten“ gefordert sei. Für mehr Macht der Mitte sei ein positives Narrativ erforderlich, in dessen Mittelpunkt eine lebenswerte Zukunft für Kinder und Enkel und eine Kultur des Fleißes und der Chancen stehen müssten. Eine nachhaltige Politik der Mitte setze auf Pluralismus, Innovationskraft, Wachstum und neue Technologien, die reflektiert angewendet werden. Die Prinzipien der Mitte müssten „neu, mutig und unkonventionell“ gelebt werden, forderte Rödder.

Mitte und Vernunft walten zu lassen, sei eine große politische Aufgabe, betonte auch Brigitte Ederer, Vorsitzende des Aufsichtsrates der ÖBB-Holding. Rainer Nowak, Vorsitzender der Geschäftsführung der Presse, stellte fest, dass die ÖVP in Österreich und die CDU in Deutschland sich wieder als Wirtschaftsparteien begreifen müssten. Es brauche mehr politische Entscheidungskraft und Mut.

EUROPÄISCHE IDEE UNGEBROCHEN ATTRAKTIV

EU-Kommissar Magnus Brunner betonte bei den Millstätter Wirtschaftsgesprächen den tiefgreifenden Wandel der internationalen Ordnung, bei dem es sich nicht um ein „vorübergehendes Störgeräusch“ handelt. Europa müsse sich international stärker diversifizieren. Er erläuterte weiter, dass Europa viele Regionen der Welt näher an Europa heranrücken – und, dass genau das besser genutzt werden kann und muss. Die europäische Idee, in Vielfalt geeint zu sein, sei ungebrochen attraktiv.

GESCHWINDIGKEIT WICHTIG FÜR SICHERHEIT

Im Sicherheits-Panel der heurigen Millstätter Wirtschaftsgespräche betonte der EU-Kommissar auch die wirtschaftlichen Chancen der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie. Harald Vodosek, Generalleutnant und nationaler Rüstungsdirektor, unterstrich positive europäische Weiterentwicklungen und verwies darauf, dass der Wehrbudget der EU-Staaten bei insgesamt 400 Milliarden Euro liege. Milan Šlapák, CEO von Steyr Arms, konstatierte, dass es zwar ein Commitment von Regierungen zu Investitionen gebe, diese allerdings Zeit bräuchten. Länder mit „schlechten Nachbarn“, wie die baltischen Staaten, Bulgarien oder Rumänien, würden rascher handeln. Auch Martin Reischer, Geschäftsführer von GDELS-Steyr, erklärte, dass sich der politische Wille zu Sicherheitsinvestitionen auch in Budgetzahlen manifestieren müsse – Geschwindigkeit sei eine wichtige Qualität.

„MEGA-BEWEGUNG“ FÜR EUROPA

Der ehemalige Bundeskanzler Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, sagte bei den Millstätter Wirtschaftsgesprächen, dass der Wiederaufbau der Ukraine bedeutende Chancen auf Wachstum eröffne. Die EIB setze sich in der Ukraine dafür ein, Wirtschaft möglich zu machen und zu halten. Die europäische Dimension betonte auch Michael Strugl, Vorsitzender des Vorstands und CEO VERBUND AG, im Souveränitäts-Panel des Wirtschaftsformats: Versorgungssicherheit für Österreich und andere Länder könne am besten in einem gemeinsamen europäischen Strommarkt hergestellt werden. Peter Weinelt, Generaldirektor Wiener Stadtwerke, berichtete von den Erfahrungen des Cyberkriegs. Die Wiener Stadtwerke Infrastruktur würden ein paar hundertmal pro Sekunde attackiert. Dies bekomme man nur mit Partnerschaften und Ressourcen in den Griff. Auch Weinelt bezeichnete sich als „großer Anhänger“ von Abkommen der Europäischen Union und der Zusammenarbeit mit Partnern. Die EU solle größer werden. Andreas Matthä, CEO der ÖBB-Holding AG, plädierte bei den Millstätter Wirtschaftsgesprächen für eine MEGA-Bewerbung im Sinn von „Make Europe Great Again“. Bisher mache man sich als Europäer immer klein und schaffe es nicht, geeint aufzutreten.

ANDERE ABHÄNGIG MACHEN

Die geopolitische Dimension prägte auch die Technologie-Debatten der Wirtschaftsgespräche. So betonte Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria AG, mit Blick auf das Thema strategische Autonomie: Wir müssen in strategischen Bereichen so gut sein, dass auch andere von uns abhängig sind. Wir müssen in Forschung und am Markt herausragende Stärken haben. Für eine bessere Nutzung von Daten sprach sich Hans Aubauer, Leiter der Krankenversicherung UNIQA Insurance Group und CEO UNIQA Health Service, mit Blick den Gesundheitsbereich aus: „Bessere Daten bedeuten besseren Schutz.“ Er hob den großen Wert anonymisierter Daten für das Gesundheitswesen hervor. Die Bedeutung digitaler Souveränität und den Wert des digitalen Euro adressierte Philipp Amann, Head of Digital Security der EZB, in seinem Impuls. Er verwies darauf, dass fast 70% der Zahlungssysteme in Europa nicht-europäische System sind.

NEUE MASSSTÄBE ALS NETZWERKFORMAT

„Die Millstätter Wirtschaftsgespräche 2026 haben spannende Insights in neue globale Machtverhältnisse und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen für uns alle gebracht. Es steht außer Frage, dass für Österreich und Europa die europäische Zusammenarbeit der Schlüssel für mehr politische und wirtschaftliche Macht in der neuen Weltordnung ist“, bilanzieren die Initiatoren der Millstätter Wirtschaftsgespräche, Alfons Helmel und Markus Gruber. Auch als Netzwerkformat führender Wirtschaftsorganisationen haben die Wirtschaftsgespräche neue Maßstäbe gesetzt: „Die 10. Millstätter Wirtschaftsgespräche haben einmal mehr ihre Qualitäten als werteorientiertes und persönlichstes Wirtschaftsformat des Landes unter Beweis gestellt“, freuen sich die Initiatoren. Die nächsten Millstätter Wirtschaftsgespräche finden von 28. April-1. Mai 2027 statt.

GPK GmbH
Sophie Gruber, BSc MA
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