
Fact-Checking-Konferenz: Demokratie braucht Medienbildung
Expert:innenpodien bei APA-Event beleuchteten Nachrichtenkompetenz als Mittel gegen Desinformation – APA-CEO Scholl: „Brauchen Vertrauen, das sich nach gesunder Skepsis einstellt“
Die vierte Ausgabe der von der APA – Austria Presse Agentur veranstalteten Fachkonferenz „The Future of Fact Checking“ widmete sich gestern, Dienstag, in Wien in mehreren Vorträgen und Podiumsdiskussionen den Themen Medienbildung sowie Desinformation und deren Implikationen für die demokratische Gesellschaft. Die hochkarätig besetzten Panels und Vorträge im Wiener Tech Gate wurden von ORF-Redakteur Stefan Lenglinger moderiert.
Es gebe kaum zwei Themen, die durch die ständige Verfügbarkeit von KI stärker auf den Kopf gestellt worden seien als Medien und Bildung, so Maria Scholl, Vorsitzende der APA-Geschäftsführung, in ihren einleitenden Worten. „Wir brauchen Skepsis. Aber dringender brauchen wir Journalismus. Und noch dringender brauchen wir Vertrauen, das sich nach ein bisschen gesunder Skepsis einstellt“, so Scholl. Die Gesellschaft sei angewiesen auf Geschichten, die auf Fakten basieren, auf Meinungen, die auseinandergehen, aber im Kern auf einer gemeinsamen Realität basieren, und auf unmittelbare Zeugenschaft von Dingen.
In der anschließenden Keynote zeigte Kabarettist, Schauspieler und „Science Buster“ Martin Puntigam auf anschauliche und humoristische Art und Weise, wie einfach es ist, Verschwörungsgeschichten zu erzählen. Doch „Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht daran glaubt“, so Puntigam – diese sei in unserer Welt ein „Systemprogramm für fast alles, es läuft oft unbemerkt im Hintergrund. Viele Menschen wollen davon aber nichts mehr wissen und präsentieren stattdessen lieber alternative Fakten, eigene Recherchen. Eine Behauptung ist schnell aufgestellt, aber sehr schwer widerlegt.“
WARUM BRAUCHT ES MEDIENBILDUNG?
Im anschließenden ersten Panel des Tages diskutierten Helmut Brandstätter, Mitglied des Europäischen Parlaments (NEOS), Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin Saferinternet.at, Manuela Grünangerl, Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Salzburg, Oliver Scheibenbogen, Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe, Siegmund Freud Privat Universität und Martin Puntigam die Frage, wofür es Medienbildung eigentlich braucht.
Grünangerl zitierte dazu die österreichische „Digital Skills“-Studie, derzufolge zwar 70 Prozent der Befragten angaben, dass Desinformation ein großes Problem sei, die aber umgekehrt nicht gut darin waren, diese auch zu erkennen. Dafür brauche es Medienkompetenz, diese sei „eine klassische Querschnittsmaterie, die in vielen Lebenslagen helfen kann“, so Grünangerl. Die regulatorischen Möglichkeiten, um mehr für Medienbildung zu tun und Desinformation zu bekämpfen, hob EU-Abgeordneter Brandstätter hervor und betonte, dass hinter Desinformation häufig auch politische Interessen stünden. „Es geht häufig darum Angst zu machen, das hilft gewissen politischen Aktivisten.“
MEDIENKOMPETENZ IN DER PRAXIS
In einem Showcase wurde die von der APA entwickelte Medienkompetenzplattform „CheckBar“ vorgestellt. Diese richtet sich primär an Jugendliche sowie Lehrende und ist gratis zugänglich. Der Grundgedanke: „Alles ist checkbar, und jeder kann lernen, Fake News zu enttarnen“, erklärte Christina Schwaha vom APA-Faktencheck-Team. Die Plattform wartet mit mehreren Modulen – von der Einführung in Journalismusgrundlagen bis hin zu Übungen zum Umgang mit nützlichen Werkzeugen zur Erkennung von KI-generierten Inhalten oder auch der Fotorückwärtssuche – auf. Auch fertig vorbereitete Unterrichtseinheiten stehen auf der Lernplattform bereit.
Im darauffolgenden Panel gaben Vanessa Bitter, Geschäftsführerin der deutschen Nachrichtenkompetenzinitiative #UseTheNews, Wiener Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS), Florian Schmidt, Verification Officer und Leiter von APA-Faktencheck sowie Johannes Knierzinger, Forum MedienBildung.at und Lehrer für digitale Grundbildung, weitere Einblicke in die Praxis der Medienbildung in Schulen und darüber hinaus. Einig waren sich die Expert:innen, dass es notwendig sei, Kinder und Jugendliche bei Bildungsangeboten in ihrer Lebensrealität abzuholen.
Diese Nähe sollte sich, so Bitter, dadurch auszeichnen, mit Schüler:innen bewusst in den Dialog zu treten. „Aus unserer Sicht ist am wirksamsten, Schülerinnen und Schüler dazu zu motivieren, mitzumachen und Inhalte auch selbst mitzuerstellen.“ APA-Faktenchecker Schmidt plädierte für mehr AI-Literacy – etwa zu informieren, welche Technik hinter den aktuellen Chatbots eigentlich stecke. „Es gibt die verbreitete Meinung, dass es hier um eine Superintelligenz geht. Wenn man Leuten dann zeigt, dass das alles einfach Wahrscheinlichkeiten sind, dann fällt vielen erst einmal die Kinnlade herunter.“
GEFAHREN DURCH DESINFORMATIONEN
Das letzte Panel der Konferenz behandelte Gefahren, die Desinformation für Unternehmen und Organisationen bedeuten können. Ingrid Kiefer, Leiterin Risikokommunikation der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES, Florian Maringer, Geschäftsführer Windkraft Österreich und Markus Schwinghammer, Gründer Disinfo Consulting, diskutierten dabei über Themen wie wirtschaftliche Schäden von Desinformationskampagnen und asymmetrische Voraussetzungen bei der Bekämpfung von Falschinformationen. Dass Desinformationen jedenfalls eine große Gefahr darstellen, verdeutliche auch der Risikoreport der Vereinten Nationen, denn dort, so Kiefer, stehe das Thema mittlerweile ganz vorne.
_Das Event wurde vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, dem Europäischen Parlament, der Stadt Wien, der Verbund AG und der Vienna Insurance Group unterstützt._
Die Veranstaltung zum Nachsehen in Video und Bild ist verfügbar unter: Faktencheck-Event Nachlese | The Future of Fact Checking | APA
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APA – Austria Presse Agentur
Petra Haller
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