
Wasserforschung in Niederösterreich
LH-Stv. Pernkopf: Wasser sichern, schützen und nützen
Wissenschaft und Forschung leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, Wasser für die Zukunft zu sichern, zu schützen und sinnvoll zu nützen. Welche Rolle die Wasserforschung dabei in Niederösterreich spielt, stand heute, Donnerstag, im Mittelpunkt einer Pressekonferenz am Wasserbaulabor der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf informierte gemeinsam mit Universitätsprofessor Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der BOKU, Privatdozentin Gertrud Haidvogl vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU und Assistenzprofessorin Claudia Kolm vom Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems über die Dokumentation und Auswertung historischer Hochwässer sowie Erkenntnisse aus dem Fachbereich für Wasserqualität und Gesundheit. Vorgestellt und besichtigt wurde auch das Wasserbaulabor DREAM.
„Die Zukunftsressource wird das Wasser sein. Wir müssen es sichern und schützen, um es auch weiter nutzen zu können“, so LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Mit dem Wasserbaulabor sei „ein großartiges Forschungsprojekt“ gelungen, zu dem das Land Niederösterreich 4,5 Millionen Euro beigetragen habe. Gemeinsam mit weiteren Forschungseinrichtungen, darunter dem Wassercluster Lunz, sei Niederösterreich im Bereich der Wasserforschung hervorragend aufgestellt.
Pernkopf hob die „weltweit einzigartige Forschung im Maßstab 1:1“ im Wasserbaulabor hervor. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse seien eine wichtige Grundlage „für einen modernen Hochwasserschutz, eine sichere Schifffahrt, die nachhaltige Nutzung der Wasserkraft sowie die ökologische Weiterentwicklung unserer Flüsse“. Als zweites Spitzenforschungsprojekt nannte der LH-Stellvertreter das Citizen Science-Projekt, das vom Land Niederösterreich mit 54.500 Euro unterstützt wird und an dem bereits knapp 100 Bürgerinnen und Bürger mitgemacht hätten, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen einfließen zu lassen.
„Wasser ist nicht nur Fluch, sondern auch Segen“, führte Pernkopf aus, dass Professor Claudia Kolm zu Wasserqualität und Gesundheit forsche und sich mit folgenden Fragen auseinandersetze: „Wie können Krankheitserreger und Antibiotikaresistenzen erkannt werden?“, „Wie kann Wasserqualität langfristig gesichert werden?“ und „Wie beeinflusst Wasserqualität die menschliche Gesundheit?“. Dazu sei ein neuer Fachbereich gegründet worden.
Wichtig sei es, aus der Forschung die richtigen Erkenntnisse und Aufträge abzuleiten, führte der LH-Stellvertreter aus, dass die Hochwasserschutzprojekte eine größere Katastrophe verhindert hätten und daher der Schutz konsequent ausgebaut werde: „Seit 2024 sind weitere 35 Projekte fertig und 37 neu begonnen worden. In den nächsten zwei Jahren sind 32 Projekte geplant.“ Investiert werden 160 Millionen Euro in Projekte zum Beispiel an der Pielach, Perschling, am Donaugraben, an der Schwechat und Großen Erlauf.
„Den Tropfen halten, wo er fällt“, betonte Pernkopf, dass man den Gewässern wieder mehr Platz geben müsse. Ein Drittel der Mittel für den Hochwasserschutz solle daher in Wasserrückhalt und Retention fließen. „Wasser ist Leben“, führte der LH-Stellvertreter weiters aus, dass die Trinkwasserqualität ausgebaut und gesichert werden müsse. Die Gemeinden seien hier Vorreiter. 200 Projekte seien in Bau, 300 in der Pipeline und 100 Trinkwasser- und Regenwasserpläne bereits ausgearbeitet worden. „Mein Ziel ist es, dass Niederösterreich beim Thema Wasser, beim Schutz vor Naturgefahren und bei der Sicherung der Wasserressourcen Vorreiter in Österreich und Europa ist“, bedankte sich Pernkopf abschließend für die hervorragende wissenschaftliche Arbeit.
Universitätsprofessor Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der BOKU Wien betonte die „gute Kooperation mit der Gruppe Wasser des Amtes der NÖ Landesregierung“. Die bisher umgesetzten Hochwasserschutzmaßnahmen hätten gut gewirkt und viele Schäden verhindert. Durch den Klimawandel steige allerdings die Gefahr und es gelte daher, Maßnahmen weiterzuentwickeln. Flüsse seien früher sehr eng und steil reguliert worden, betonte Habersack, dass man sich damit beschäftigen müsse, eine resilientere Gestaltung von Fließgewässern schaffen zu können. So solle überlegt werden, wie breit Flüsse in Zukunft sein müssten. Niederösterreichs Entwicklung sei auf einem guten Weg, verwies Habersack auf Maßnahmen in der Raumordnung und die Einbindung der Bevölkerung. Hochwasserereignisse werden dokumentiert, bei Defiziten setze die Forschung an und deren Erkenntnisse fließen wieder in die praktische Umsetzung.
Gertrud Haidvogl vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU Wien stellte das Citizen Science-Projekt vor: „Anlass für dieses Projekt war das extreme Hochwasser 2024.“ Dazu seien Stimmen aus der Bevölkerung gekommen, dass dieses Ereignis so extrem gewesen sei, betonte Haidvogl die Tatsache, dass Pegelaufzeichnungen solche Extremereignisse mitunter gar nicht widerspiegeln könnten. Historische Quellen wie Fotografien, Hochwassermarken, Chroniken und andere Aufzeichnungen würden daher wertvolle Hinweise auf weiter zurückliegende Hochwässer liefern. Im Rahmen des Projekts seien rund 270 Gemeinden kontaktiert worden, die 2024 vom Hochwasser betroffen gewesen seien und über Pegelmessstellen verfügen. Rund 100 Personen hätten bereits unterschiedliche historische Dokumente und Informationen zur Verfügung gestellt. „Hochwassermarken sind für uns eine besonders wertvolle Quelle, um Wasserstände rekonstruieren und Häufigkeiten von extremen Hochwässern besser einschätzen zu können“, betonte Haidvogl. Derzeit befinde sich das Projekt in der Abschlussphase der Datenerhebung, diese solle bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Im kommenden Jahr werde man mit der wissenschaftlichen Auswertung beginnen. Informationen aus der Bevölkerung werden weiterhin noch gerne entgegengenommen.
Claudia Kolm vom Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems verwies auf die besonders gute Ausgangssituation Österreichs bei der Trinkwasserversorgung: Österreich sei europaweit eines der Länder, „die ihre Rohwasserressource zu fast hundert Prozent aus Grund- und Quellwasser speisen“. Entscheidend für die hohe Qualität seien neben dem Schutz der Wasserressourcen auch die Wartung der Infrastruktur sowie Vorsorge und Planung. In ihrem Forschungsbereich würden unterschiedliche Szenarien untersucht und modelliert werden. Dabei beschäftige man sich unter anderem mit der Frage, was es brauche, um aus einem Fluss wie der Donau sicheres Trinkwasser zu generieren. Kolm nannte außerdem ein gemeinsames Projekt mit dem Österreichischen Bundesheer, das mobile Trinkwasseraufbereitungsanlagen betreibe. Diese könnten im Falle eines Ausfalls der bestehenden Infrastruktur rasch an betroffene Orte gebracht werden, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Es werde daran gearbeitet, dass Anlagenbetreiber bereits während des Aufbereitungsprozesses erkennen können, ob die Wasserqualität den Anforderungen der österreichischen Trinkwasserverordnung entspricht oder ob sie gegensteuern müssten.
Weitere Informationen: Büro LH-Stv. Pernkopf, Pressesprecher Jürgen Maier, Telefon: 02742/9005-12704, Mobil: 0676/81215283, E-Mail: lhstv.pernkopf@noel.gv.at
Amt der Niederösterreichischen Landesregierung
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