WKÖ-Obmann Menz: „Industrie trotz Pandemie stabiler Faktor der österreichischen Wirtschaft“

Konjunkturerhebung der Bundessparte Industrie zeigt Einbruch über 11%, Beschäftigung aber nur leicht rückläufig – „Brauchen jetzt Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen“

Wien (OTS) – Die heimische Industrie hat 2020 den zweitstärksten Einbruch in der 2. Republik erlebt. Das geht aus der Konjunkturerhebung der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hervor, die heute, Mittwoch, vom Obmann der Bundessparte Industrie, Sigi Menz, und Geschäftsführer Andreas Mörk vorgestellt wurde.

Die Industrieproduktion ist vergangenes Jahr um 20 Mrd. Euro oder 11,5% zurückgegangen. Besonders betroffen waren die beiden Energie-Fachverbände Mineralöl und Gas/Wärme, ferner die Glasindustrie, der Fachverband Bergwerke/Stahl sowie die Fahrzeugindustrie mit Einbrüchen über 15%. Menz: „Die Pandemie hat in der heimischen Industrie deutliche Spuren hinterlassen. Kein einziger Fachverband der Bundessparte konnte einen Produktionszuwachs erzielen.“ Die Auftragseingänge schrumpften 2020 um 7,9%, wobei das Ausland (minus 9,9%) wesentlich stärker betroffen war als Aufträge aus dem Inland (minus 2,2%).

Eigenpersonal weitgehend gehalten – Industrielehre als
Investition in die Zukunft

Die Zahl der Beschäftigten ging in der heimischen Industrie 2020 um 2,7% zurück. „Insgesamt beschäftigen unsere Industriebetriebe aktuell rund 449.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dass der Beschäftigtenstand auf diesem Niveau gehalten werden konnte, ist auch maßgeblich auf die von den Sozialpartnern ausgehandelte Corona-Kurzarbeit zurückzuführen, durch die ein größerer Beschäftigtenabbau mit verhindert werden konnte“, erläutert Mörk.

„Dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für uns der wichtigste Erfolgsfaktor sind, sieht man auch eindrücklich am Bestreben der heimischen Industriebetriebe, Fachkräfte auszubilden:
Die Industrie ist mit rund 16.400 Lehrlingen nach wie vor zweitgrößte Ausbilderbranche in Österreich. Auch im Krisenjahr 2020 blieb die Lehrlingszahl in der Industrie mit minus 0,3% mehr oder weniger unverändert“, unterstreicht Menz, weist aber in diesem Zusammenhang auf aktuelle Meldungen von zahlreichen Firmen hin, die nicht zuletzt aufgrund der bereits mehrfach kritisierten, erweiterten Aufstiegsklausel des Bildungsministeriums über einen starken Rückgang von Lehrstellenwerbern klagen. „Trotz der schwierigen Umstände haben über 20% der Industrielehrlinge ihre Abschlussprüfung mit Auszeichnung absolviert. Eine staatliche Prämie für die Ausbildungsbetriebe in Form eines Exzellenzbonus würde die betrieblichen Leistungen anerkennen und wäre ein sinnvoller Beitrag zur Fachkräftesicherung“, so Menz weiter, der auch in den Schulen für die Oberstufe eine ergebnisorientierte und qualitätsgesicherte, an der Zahl der Absolventinnen und Absolventen orientierte Finanzierung anregt.

Menz: „Brauchen starkes politisches Commitment zum Industriestandort Österreich“

„Insgesamt zeigt der Rückblick auf 2020: Die Industrie ist und bleibt auch in Krisenzeiten stabilisierender Faktor für Österreichs Wirtschaft. Damit dies so bleibt und unsere Betriebe Stütze und Triebfeder für den Re-Start nach der Krise sein können, brauchen sie aber dringend verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Dazu gehört ein faires Steuer- und Abgabensystem“, betont der Branchensprecher. So sehr die ambitionierten Zielsetzungen des European Green Deals und des aktuellen Regierungsprogramms für einzelne Industriebereiche (etwa Technologieentwicklung, Anlagen und Maschinenbau oder Elektro und Elektronik) wie ein Innovations- und Wachstumsturbo wirken könnten, so sehr drohten den energieintensiven Branchen massive zusätzliche Kostenbelastungen am Standort Österreich.

Ein Bündel aus zusätzlichen Kosten – vom Ausbau der Erneuerbaren-Förderung, steigenden Netztarifen, weiteren Verschärfungen und dem drohenden Entfall der freien Zuteilung im EU-Emissionshandel bei Einführung eines CO2-Grenzausgleichs, bis zur nach wie vor fehlenden Strompreiskompensation – verursacht der Industrie jährliche Mehrkosten von rund 2 Mrd. Euro.

Der Bundesspartenobmann fordert daher ein starkes politisches Commitment zum Industriestandort Österreich: „Auch, wenn einzelne Indikatoren und Prognosen für 2021 jetzt positiv stimmen sollten, darf man nicht vergessen: Wer übermäßige Lasten aufgebürdet bekommt, kann nicht lossprinten. Daher unser eindrücklicher Appell: Wenn die heimischen Industriebetriebe den Aufschwung pushen sollen, brauchen wir einen Belastungsstopp bei Energie- und Klimakosten ebenso wie hohe Investitionssicherheit zum Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und – flankierend – innovative Förderprogramme zur raschen Entwicklung und Implementierung CO2-armer Technologien“.

Eine weitere große Herausforderung derzeit ist die Verknappung von Rohstoffen, bzw. deren starke Preisentwicklungen. Allein bei Stahl und ähnlichen Rohmaterialien stiegen die Preisindizes in den vergangenen Monaten um 20% und mehr. Betroffen sind aber auch andere Bereiche wie Chemikalien, pharmazeutische Vorprodukte und Sondermetalle.

Industrie bereit für betriebliches Impfen

Nachdem zahlreiche Industriebetriebe bei den ersten waren, die zum Schutz ihrer Beschäftigten betriebliches Testen und Teststraßen eingerichtet haben, sind diese jetzt auch bereit, Teil der regionalen Impfstrategien zu werden. „Rund 600 Betriebe können mit ihrer Infrastruktur und den Betriebsärztinnen und -ärzten die Impfkampagnen in den Bundesländern unterstützen“, so Menz. (PWK167/PM)

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