Warum Windkraft naturverträglich sein muss

Salzburg (OTS) – Neben Energieeinsparungen und der Steigerung der Energieeffizienz ist auch der Ausbau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie für den Alpenverein ein wichtiger Grundpfeiler zur Bewältigung der Klimakrise. Die Windkraft trägt dazu bei. Der Alpenverein warnt jedoch davor, den Ausbau vorschnell und unkontrolliert voranzutreiben – auch diese Form von Erneuerbaren verursacht irreversiblen Schäden für die Natur und die Menschen, die in ihr leben.

„Der Alpenverein hat sich als Mitgestalter der alpinen Zukunft und ökologisches Gewissen in alpinen Umweltfragen etabliert. Deswegen ist es auch selbstverständlich, dass der Alpenverein zu 100 % die Klimaziele erreichen will. Der Alpenverein bekennt sich auch zur Errichtung von Anlagen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien“, sagt Dr. Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins.

Der Alpenverein hat sich auch in der Vergangenheit proaktiv in Planungsprozesse zur Ausweisung von Windkraftzonen eingebracht. Er mahnt aber ein, bei der Standortauswahl das so wichtige Thema Naturschutz ebenfalls von Anfang an vollumfänglich mitzudenken. Problematisch sind Projekte, bei denen Schutzgüter des Naturschutzes erheblich beeinträchtigt werden – hier erhebt der Alpenverein als Anwalt der Alpen seine Stimme (was in der Vergangenheit lediglich bei wenigen Anlagen der Fall war). In den sensiblen Ökosystemen des Berglandes ist es nämlich besonders wichtig, genauer hinzusehen und jeden Standort einzeln zu bewerten. Sich kritisch gegen einzelne Windkraftstandorte zu äußern heißt aber nicht, dass die Windkraft vom Alpenverein allgemein abgelehnt wird.

Der Alpenverein hat die elf vorgeschlagenen Windkraftstandorte im Land Salzburg auf Basis der bisherigen Informationen einer Prüfung unterzogen. An drei Standorten können nach seiner Sicht Windkraftanalgen naturverträglich errichtet werden. Diese drei Standorte reichen aus, um mehr als die Ausbauziele für die Windkraft zu erreichen, die die Politik bis zum Jahr 2030 für das Land Salzburg fixiert hat.

Kein Klimaschutz auf Kosten von Artenschutz

Beim Ausbau der erneuerbaren Energiequellen darf es nicht zu einem Ausspielen von Klimaschutz gegen Natur- und Artenschutz kommen. Denn diese stehen in untrennbarer Verbindung zueinander. „Gesunde Ökosysteme sind ebenso zentral, wie ein gesundes Klima“, weiß Dr. Claudia Wolf, 1. Vorsitzende des Alpenverein-Landesverbandes Salzburg. „Aus diesem Grund ist ein jeder Fortschritt in der Energiewende, der gleichzeitig zum Artensterben beiträgt und wertvolle Ökosysteme zerstört, kontraproduktiv. Es gibt aber Standorte, an denen Klima- und Naturschutz Hand in Hand gehen. Um diese zu identifizieren ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten nötig. Das spart Zeit, Planungs- und Investitionskosten.“

Denn: Was nützt es uns, wenn wir alles auf erneuerbare Energie umgestellt haben und die Rechnung dafür zahllose Tierarten und die Landschaft tragen? „Die Alpen sind Lebensraum und Durchzugsgebiet von zahlreichen Vogelarten, Fledermäusen und Schmetterlingen. Das können und dürfen wir als Alpenverein nicht ignorieren. Es braucht eine Gesamtstrategie, wo nicht eine Krise gegen die andere ausgespielt wird“, sagt Nicole Slupetzky.

Verhaltensänderungen als wichtiges zusätzliches Instrument

„Wenn die Energiewende und der Kampf gegen die Klimakrise ernst genommen werden sollen, darf sich die Diskussion nicht nur um den Ausbau erneuerbarer Energien drehen – diese bleiben ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn sie nicht mit Änderungen des Lebensstiles einhergehen“, ist auch Wolf überzeugt. Dazu gehört u. a. auch das eigene Mobilitätsverhalten. „CO2 binden und Emissionen reduzieren, mehr Ökostrom produzieren und gleichzeitig Landschaft und Biodiversität erhalten, das ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Er braucht systemisches Denken und Handeln, um Synergien zu erkennen und Zielkonflikte zwischen Klima- und Artenschutz zu minimieren“, gibt Claudia Wolf mit auf den Weg.

Mangelhafte Ausführung der Strategischen Umweltprüfung (SUP)

Das eigentliche Ziel einer Strategischen Umweltprüfung ist es, vorab geeignete Standorte zu identifizieren, um anschließend im eigentlichen Bewilligungsverfahren zügiger voranzukommen und Konflikte frühzeitig zu beseitigen. Im Fall der SUP des Landesentwicklungsprogrammes (LEP) in Salzburg kritisiert der Alpenverein die mangelhafte Ausführung, fehlende Transparenz und fehlende Einbeziehung der wesentlichen Steakholder. „Dadurch besteht die Gefahr, dass potentiellen Windkraftbetreibenden falsche Hoffnung auf ein zügiges Verfahren gemacht wird. Ohne konkrete Untersuchungen wird durch das Landesentwicklungsprogramm (LEP) bereits vorweg eine grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit in Aussicht gestellt, obwohl beispielsweise wichtige artenschutzrechtliche Fragestellungen noch ungeklärt sind“, weiß Dr. Roland Kals, 1. Vorsitzender der Sektion Alpenverein Salzburg. Gewünscht wird mehr Transparenz, um nachvollziehen zu können, welche Kriterien zur Ausweisung der Vorrangzonen herangezogen wurden. Um Verfahren schneller abwickeln zu können, schlägt der Alpenverein vor, frühzeitig in Prozesse einbezogen zu werden.

Die Alpenkonvention als wegweisendes Instrument

„Einmal mehr geben uns die Alpenkonvention und ihre Durchführungsprotokolle eine Richtschnur, wie es funktionieren kann:
auch beim Ausbau der Erneuerbaren verpflichten diese rechtlich bindenden Staatsverträge zu landschafts- und naturverträglichen Maßnahmen“, rät Nicole Slupetzky.

Ein Alpenverein, der den Satzungsauftrag zum Natur- und Landschaftsschutz hat, kann die Energiewende nicht losgelöst davon vorantreiben.

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