„kulturMontag“: Horten-Collection in Wien, ABBAtare in London, Die Toten Hosen auf Jubiläumstour

Danach: Doku „London’s burning: Campino auf den Spuren des Punk“

Wien (OTS) – Peter Schneeberger präsentiert den „kulturMontag“ am 30. Mai 2022 um 22.30 Uhr in ORF 2, der sich u. a. mit dem neuen Privatmuseum von Heidi Goëss-Horten in Wien befasst, weiters einen Blick auf die virtuelle ABBA-Multimedia-Show in London wirft und anlässlich 40 Jahre „Die Toten Hosen“ mit Frontman Campino spricht, der selbst demnächst ein Jubiläum – seinen 60. Geburtstag – feiert. Anschließend steht die Dokumentation „London’s burning: Campino auf den Spuren des Punk“ (23.25 Uhr) auf dem Programm.

Prachtprojekt – Die Heidi Horten Collection an neuem Wien-Schauplatz

Eine Prime-Location für ein millionenschweres Prachtprojekt – das ist die Heidi Horten Collection: Das neue Privatmuseum der 82-jährigen Milliardärswitwe Heidi Goëss-Horten in der Wiener Innenstadt ist der lang erwartete Höhepunkt des diesjährigen Wiener Museumssommers. „Open“ nennt Direktorin Agnes Husslein die Eröffnungsschau des neuen 2.000 Quadratmeter großen Kunsttempels, in der die Architektur im Mittelpunkt stehen und nur ein kleiner Teil der hochkarätigen Sammlung zu sehen sein wird. Schon vor vier Jahren konnte Husslein einen repräsentativen Querschnitt der Kunstwerke ihrer langjährigen Freundin im Wiener Leopoldmuseum zeigen. Unter dem schlichten Titel „Wow“ verzeichnete das Haus damals mit 360.000 Besuchern einen famosen Rekord. Kein Wunder, hat Heidi Horten sich doch wahrlich eine Prime-Collection angeschafft, darunter Spitzenwerke von Francis Bacon bis Mark Rothko, von Gustav Klimt bis Franz West. Mehr als 700 Gemälde, Grafiken und Skulpturen, ein Potpourri der Kunstgeschichte vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, hat die leidenschaftliche Sammlerin nach dem Tod ihres Mannes, des sogenannten „Kaufhaus-Königs“ Helmut Horten, zusammengetragen. Der Kritik an dessen, mit einem braunen Makel behafteten Karriere, begegnete die gebürtige Wienerin und Wahlkärntnerin mit der Beauftragung eines Gutachtens. Anfang des Jahres wurde es vom deutschen Historiker Peter Hoeres veröffentlicht, der Helmut Horten zwar als Nutznießer sieht, aber nicht die Arisierung vorangetrieben hätte. Inwieweit wird die historische Aufarbeitung im neuen Museum Platz finden?

Super Trouper – Die ABBAtare in London

40 Jahre mussten Fans auf ein Comeback warten. Jetzt ist es endlich so weit: ABBA, Schwedens Kultgruppe und eine der erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte, steht ab heute wieder regelmäßig auf der Bühne – allerdings nicht leibhaftig. In London startet die spektakuläre virtuelle Konzertshow „ABBA Voyage“, in der Agnetha, Anni-Frid, Björn und Benny mit Digital-Gigs durchstarten. Für die Multimedia-Konzerte wurde eigens eine hochmoderne Arena mitten im Queen Elizabeth Olympic Park entworfen. Dorthin kehren die vier Stars als Avatare zurück, voll animiert und digital verjüngt. Dafür mussten sie wochenlang in Motion-Capture-Anzüge schlüpfen und sich vor 160 Kameras, die jede Bewegung aufzeichneten, zu ihren alten Songs bewegen. Der Rest passierte am Computer. Das Unternehmen von „Star Wars“-Schöpfer George Lucas hat den Flashback in die 1970er Jahre kreiert, eine Zeit, in der die sympathischen Schweden auf dem Höhepunkt ihrer Karriere waren. Begleitet werden die ABBAtare von einer zehnköpfigen Live-Band, der Gesang stammt von früheren Studioaufnahmen und fühlt sich an, als wäre er live – wie Björn Ulvaeus, Initiator der Show, versichert. Das Quartett veröffentlichte zwar im November 2021 –nach 40 Jahren musikalischer „Pause“ aufgrund privater Differenzen – sein neues Album „Voyage“, das aber definitiv sein letztes bleiben wird. Nun haben sie an ihre Avatare übergeben und werden damit ihre Fans bis in alle Ewigkeit mit „ABBA Voyage“ erfreuen.

Alles aus Liebe – 40 Jahre Tote Hosen

40 Jahre, 33 Alben und millionenfach verkaufte Tonträger: Die Toten Hosen sind wohl die erfolgreichsten Botschafter der deutschen Punkbewegung. Seit vier Jahrzehnten sind sie aus der deutschen Musikszene nicht wegzudenken – mit ihren Saufliedern, ihren sozialkritischen wie politischen Stücken, ihrem Engagement gegen Rassismus und einer ob des fortgeschrittenen Alters immer noch sportlichen Einstellung: Wenn die fünf Düsseldorfer auftreten, dann geben sie immer alles. An „Tagen wie diesen“ feiert die Kultband ausgelassen ihr rundes Jubiläum und Frontmann Campino gleich auch seinen 60. Geburtstag mit neuem Album und Tour „Alles aus Liebe“. Seit jeher geht es in ihren Texten oft um die Vergänglichkeit des Seins, um Fremdenfeindlichkeit, Zivilcourage, Freundschaft aber auch um Fußball. Kein Wunder, ist doch Campino großer FC-Liverpool-Anhänger. Tourpläne und sonstige Engagements müssen seit Jahren mit dem Spielplan der Premier-League-Mannschaft abgestimmt werden. Ihre aktuelle Tournee führt die Toten Hosen am 2. Juli auch in die Wiener Krieau. Zum 40-jährigen Bestehen hat Frontmann Campino dem „kulturMontag“ ein Interview gegeben. Darin zeigt er sich gewohnt politisch, nimmt zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine Stellung und zeigt sich dankbar dafür, dass das Publikum immer noch nicht die Nase voll hat von den „Toten Hosen“.

Dokumentation „London’s burning: Campino auf den Spuren des Punk“ (23.25 Uhr)

Skandale waren immer ein fester Bestandteil der populären Musik; die wohl schockierendste aller musikalischen Jugendbewegungen war eindeutig Punk. Campino, Frontmann der legendären Toten Hosen, führt in dieser Dokumentation von Simon Witter und Hannes Rossacher durch die Entstehungsgeschichte des Genres mit Fokus auf die Städte London, New York und Düsseldorf und teilt sein Wissen sowie seine Erfahrungen aus erster Hand. Er begleitet das Publikum an die Orte der ersten und entscheidenden Punk-Konflikte und trifft Rebellen wie Insider von damals, darunter Tony James, Charlie Harper, Viv Albertine, Julien Temple, Chris Sullivan, TV Smith oder Bob Geldof.

Die Mitte der 1970er entstandene Punk-Bewegung stand für so viel mehr als nur direkte, kraftvolle Musik. Bei Punk war alles darauf ausgelegt, die Mittelschicht in Alarmbereitschaft zu versetzen. Denn nichts sorgte im Alltag schneller für Empörung als die Art und Weise, wie man sich zu dieser Musik auch noch kleidete. Bereits im Sommer 1977 stellte Punk das Silberjubiläum der Königin in den Schatten, erklomm die Spitze der Charts, obwohl Punk im Radio und bei Musikveranstaltungen verboten war und erklärte darüber hinaus alle bisherigen Rockgötter als obsolet. Von diesem Tag an waren das Musikgeschäft und die Gesellschaft Großbritanniens nicht mehr dasselbe.

Punk war ein sehr volatiles, widersprüchliches Phänomen, eine Bewegung, die immer nur ein Kollektiv einzelner freier Geister war, von denen viele den Punk bereits als beendet erklärt hatten, schon in dem Moment als der Begriff Punk gerade erst geprägt worden war. Auch wenn es nicht realistisch ist, zu erwarten, dass das revolutionäre Feuer Jahrzehnte später noch immer mit derselben Kraft brennt, so blieb die wesentliche Bedeutung der Grundidee bestehen: Jeder sollte Autoritäten in Frage stellen, und zwar für sich selbst.

Campino geht auf die Suche nach der heutigen Bedeutung von Punk und dessen Einfluss auf die Gegenwart: Liefert der Punk Material für High Fashion Museumsausstellungen, ist er Massenware für nostalgische Touristen in London oder eine echte, noch bis heute anhaltende revolutionäre Kraft? Der „Hosen“-Frontman offenbart die Skandale, den Humor und den Wahnsinn des ursprünglichen Punk-Booms, entlarvt die Mythen und zeigt dem Publikum seine Geschichte der bis in die heutigen Tage wirksamen Subkultur der Jugend.

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