TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 16. September 2020 von Mario Zenhäusern – „Ampel-Chaos verunsichert“

Innsbruck (OTS) – Die Farbenspiele der Bundesregierung führen Teilen der Bevölkerung den Ernst der Lage vor Augen. Fehlende Konsequenzen sorgen aber parallel dazu für Ratlosigkeit. Verlierer sind einmal mehr die Tourismusbetriebe.

Wochenlang hat die Bundesregierung versprochen, dass die Corona-Ampel für Transparenz und letztlich auch Sicherheit im Umgang mit den steigenden Infektionszahlen sorgen werde. Allein schon die Idee, obwohl noch ohne gesetzliche Grundlage und konkrete Maßnahmen für die jeweilige Ampelphase, war für die Regierungsmitglieder das Allheilmittel gegen die Corona-Pandemie. Nicht nur in Österreich. Seit vergangenem Freitag leuchtet die Ampel in den Farben Grün, Gelb und seit gestern auch Orange. Seitdem herrschen Chaos und Verunsicherung. Plötzlich stehen die Ampeln in Wien, Innsbruck-Stadt, Kufstein, Dornbirn, Bludenz, Mödling und Neunkirchen auf Orange, Wien und Innsbruck sollen sogar haarscharf an Rot vorbeigeschrammt sein, heißt es. Ausschließlich grün sind seit Montagabend lediglich die Bundesländer Salzburg, Kärnten und Burgenland. Bisher. Weil das kann sich schlagartig ändern, wie nicht zuletzt das Beispiel Vorarlberg zeigt: Hier wechselten zwei der vier Bezirke (Feldkirch und Bregenz) von Grün auf Gelb, Dornbirn und Bludenz gar von Grün auf Orange. Das Ampel-Chaos wird verstärkt durch die Tatsache, dass farbliche Veränderun­gen ganz offensichtlich keine Konsequen­zen nach sich ziehen. Zumindest sind bis dato keine bekannt. Auch nicht an den Schulen. In orangen Bezirken läuft der Unterricht ab wie in den gelben – übrigens auch wie in den grünen, seit die Bundesregierung die Regeln generell verschärft hat.
Die Corona-Ampel hat damit lediglich symbolischen Charakter. Das ist unbestritten wichtig für die Menschen in den betroffenen Regionen. Zu viele haben zuletzt Abstands- und Hygieneregeln ignoriert und auf den Mund-Nasen-Schutz verzichtet. Keine Spur mehr von Eigenverantwortung. Für sie ist die gelb oder orange blinkende Ampel ein Wink mit dem Zaunpfahl: Bleiben sie bei ihrer Haltung, ist eine zweite Corona-Welle unvermeidlich.
Für den heimischen Tourismus aber sind die Corona-Farbenspiele fatal. Wer soll denn bitte auch nur im Entferntesten daran denken, seine Herbstferien in einer Region zu verbringen, in der das Ansteckungsrisiko von der Bundesregierung als „mittelmäßig“ (gelb) oder gar „hoch“ (orange) eingeschätzt wird? Und wer soll jetzt oder später für den Winter ein Quartier in diesen Regionen buchen?
Die Corona-Ampel sollte Regierung, Bevölkerung und Tourismusbetriebe im Kampf gegen die Pandemie unterstützen. Dieser Plan ist vorerst kläglich gescheitert.

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