„Hitlers österreichische Helfer – Die Gauleiter“: Neuer ORF-III-Doku-Zweiteiler von Christian Hager

TV-Premiere in „zeit.geschichte“ am 25. September

Wien (OTS) – Sie waren skrupellose Machtmenschen und Adolf Hitlers treueste Helfer auf österreichischem Boden – die sogenannten Gauleiter der Ostmark. Mit einem Hang zur Grausamkeit walteten u. a. Baldur von Schirach, August Eigruber, Franz Hofer und Hugo Jury in ihren jeweiligen Reichsgauen, territorial etwa den österreichischen Bundesländern entsprechend, und inszenierten sich selbst gerne als schillernde Statthalter ihres Führers. Regisseur Christian Hager porträtiert im neuen ORF-III-Doku-Zweiteiler „Hitlers österreichische Helfer – Die Gauleiter“ den Werdegang und die Verbrechen dieser NS-Funktionäre und zeigt deren Schicksale nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die TV-Premiere beider Filme erfolgt in der ORF-III-„zeit.geschichte“ am Samstag, dem 25. September 2021, ab 20.15 Uhr.

Regisseur Christian Hager: „Es ist erstaunlich, dass die Gauleiter in der heimischen Erinnerungskultur bislang kaum als Tätergruppe wahrgenommen werden. Es gibt in Österreich dazu nur wenig Fachliteratur und bis auf eine Ausnahme auch kein Mahnmal, das die Verbrechen dieser regionalen NS-Führungselite thematisiert. Obwohl die Gauleiter Hitlers wichtigste Komplizen in den einzelnen Bundesländern waren. Insofern war es sicher höchste Zeit, einen Dokumentarfilm über diese Tätergruppe zu drehen. Die Idee dazu kam mir schon vor drei Jahren und ich freue mich, dass ich diesen Doku-Zweiteiler nun als Regisseur für ORF III umsetzen konnte.“

Mehr zum Inhalt des Zweiteilers (Samstag, 25. September):

Der erste Teil der Neuproduktion „Hitlers österreichische Helfer – Die Gauleiter“ (20.15 Uhr) dokumentiert den Aufstieg, die Machtübernahme und den Größenwahn der regionalen NS-Führungselite – von der Illegalität bis hin zur fast uneingeschränkten Befehlsgewalt innerhalb der regionalen Nazi-Hierarchie. Schon lange vor dem sogenannten „Anschluss“ an das Deutsche Reich im Jahr 1938 bildeten illegale österreichische Nationalsozialisten eine Art Schattenregime mit geheimen Reichsgauen. Mit der Machtübernahme Hitlers wurden diese Alpen- und Donaureichsgaue zu offiziellen Verwaltungsgebieten unter Führung der Gauleiter mit großem politischem Einfluss. Sieben solcher Reichsgaue galt es nun zu kontrollieren. Der gebürtige Steyrer August Eigruber wurde zum Gauleiter von Oberdonau, Hubert Klausner von Kärnten. Friedrich Rainer, der zu Beginn Salzburg verwaltete, wechselte später nach Kärnten – Salzburg wurde wiederum von Gustav Adolf Scheel übernommen. Tirol und Vorarlberg stand Franz Hofer vor, Sigfried Uiberreither war in der Steiermark platziert. Stellvertretend hatte dort auch Tobias Portschy die Macht. In Niederdonau waltete Hugo Jury und in Wien der wohl prominenteste Name: Baldur von Schirach.

„Krieg, Massenmord und Flucht“ stehen im Fokus des zweiten Teils (21.05 Uhr): Mit dem Zweiten Weltkriegs ab September 1939 wurden die meisten Gauleiter zu Reichsverteidigungskommissaren ernannt, um Hitlers Vernichtungskrieg auf wirtschaftlicher und logistischer Ebene aktiv zu unterstützen – Planung und Durchführung des Holocaust inklusive. Der Film dokumentiert die grausamen Verbrechen von Hitlers österreichischen Helfern und zeigt ihr Schicksal nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes. Nur in wenigen Fällen ging dieses mit einer Bestrafung einher. Einige Ostmark-Gauleiter konnten nach dem Krieg untertauchen. Ihre zahlreichen Verbrechen wurden nie verurteilt. Auch die praktizierte Erinnerungskultur in Zusammenhang mit diesen Protagonisten des NS-Terrors ist nur marginal vorhanden. So gibt es in Österreich nur ein einziges Denkmal, das mahnend an die Gräueltaten eines Gauleiters erinnert.

Hitlers österreichische Helfer im Porträt:

August Eigruber, Gauleiter von Oberdonau: Der gebürtige Steyrer trat bereits 1922 der NSDAP bei und arbeitete später auch im Untergrund für die Partei. Ab 1938 übernahm er die Leitung des neu gegründeten Reichsgaues Oberdonau. Er galt als Vertrauter und „Du-Freund“ von Adolf Hitler. Der als cholerisch bekannte Eigruber war einer der Hauptverantwortlichen für die Massenmorde im KZ Mauthausen und wurde 1947 für seine Verbrechen hingerichtet.

Friedrich Rainer, Gauleiter von Salzburg und später Kärnten: Der promovierte Jurist war federführend am „Anschluss“ beteiligt und wurde unmittelbar danach Gauleiter von Salzburg, wo er vor allem die Kulturpolitik im nationalsozialistischen Sinne gleichschaltete. Als Gauleiter von Kärnten verfolgte Rainer eine brutale Germanisierungspolitik gegenüber den Kärntner Slowenen. 1947 wurde er in Jugoslawien zum Tode verurteilt.

Franz Hofer, Gauleiter von Tirol-Vorarlberg: Tirol und Vorarlberg wurden während der NS-Herrschaft zu einem Reichsgau zusammengefasst. Als Gauleiter fungierte Franz Hofer, der sich im Rahmen seiner Position massiv an jüdischem Eigentum bereicherte. Hofer instrumentalisierte auch die alpenländische Kultur für propagandistische Zwecke und betrachtete die Tiroler Schützenverbände als seine Privatarmee. Er konnte nach Kriegsende in Deutschland untertauchen.

Sigfried Uiberreither, Gauleiter der Steiermark: Der promovierte Jurist wurde wegen seines Ehrgeizes auch als „Dr. Übereifer“ bezeichnet. Tatsächlich war er ein williger Erfüllungsgehilfe Hitlers, vor allem in Hinblick auf die steirische Rüstungsindustrie. Uiberreither ließ während seiner Amtszeit zahlreiche Menschen erschießen, konnte jedoch nach Kriegsende flüchten. Unbehelligt von der Justiz, führte er bis zu seinem Tod ein bürgerliches Leben in Deutschland.

Tobias Portschy, stellvertretender Gauleiter der Steiermark:
Ursprünglich sollte Tobias Portschy Gauleiter des Burgenlands werden. Dieses wurde jedoch als Bundesland während der NS-Zeit aufgelöst und so wurde Portschy lediglich Stellvertreter in der Steiermark. Er ist der einzige Ostmark-Gauleiter, der nach Kriegsende bereitwillig Interviews gab. Ausschnitte daraus sind auch im Doku-Zweiteiler zu sehen.

Hugo Jury, Gauleiter von Niederdonau: Der ehemalige Militärarzt der k.-u.-k.-Armee galt als glühender Verfechter der nationalsozialistischen „Rassenhygiene“. Dabei hatte er es besonders auf geistig und körperlich behinderte Menschen abgesehen. Als Gauleiter von Niederdonau betrieb der Mediziner mehrere Stützpunkte der „Gesellschaft für Rassenhygiene“, wo unzählige Menschen getötet wurden. Zu Kriegsende verübte Hugo Jury Selbstmord.

Baldur von Schirach, Gauleiter von Wien: Der Sprössling eines deutschen Adelsgeschlecht arbeitete sich innerhalb der NSDAP bis zum Reichsjugendführer hoch. Später übernahm er die Gauleitung von Wien. Die Deportation abertausender Jüdinnen und Juden bezeichnete Schirach wörtlich als „aktiven Beitrag zur europäischen Kultur“. In Nürnberg wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Hubert Klausner, Gauleiter von Kärnten (bis 1939): Klausner galt als wichtiger Parteistratege der Nazis für den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich. Der ehemalige Bundesheeroffizier übernahm später auch die Gauleitung von Kärnten. 1939 starb er plötzlich an einem Hirnschlag. Gerüchten zufolge könnte Huber Klausner auch einem Giftanschlag der SS zum Opfer gefallen sein, da er parteiintern viele Neider hatte.

Gustav Adolf Scheel, Gauleiter von Salzburg (ab 1941): Der gebürtige Deutsche war zunächst Reichsstudentenführer und machte gleichzeitig Karriere bei der SS. Als deren Funktionär war er für die Deportation unzähliger Menschen im Elsass verantwortlich. Ab 1941 übernahm Scheel die Gauleitung von Salzburg. Nach Kriegsende wurde der promovierte Mediziner kurzfristig inhaftiert und arbeitete später als Arzt in Hamburg.

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